Reisen mit Kind: Ist das überhaupt noch möglich?

Reisen bereitet vielen Menschen eine Freude. Sie entspannen während sie andere Kulturen kennenlernen. Aber ist es auch mit einem Kind immer noch so leicht einfach andere Länder zu erkunden? Unsere Autorin ist der Meinung: Ja! Natürlich geht das! Sie berichtet von ihren eigenen Erfahrungen

Für viele beginnen die wahren Reiseabenteuer erst in ihren frühen 20ern. Egal, ob Work and Travel, Backpacking oder Städtereisen – sobald die Schule geschafft ist, ist man frei und endlich alt genug, um für eine Weile ins Ausland zu gehen. Doch der Zeitraum, in dem man so frei ist, ist kurz, denn sobald Kinder zum Lebenstraum hinzugefügt werden, ist der Reisespaß schon wieder vorbei. Oder nicht?

In deinen 20ern lernst du die Welt kennen. Auch bei mir kamen nach der Schule erstmal viele Reisen dazu. Zum Beispiel lebte ich mit 21 Jahren für zwei Monate in Calella und ein paar Jahre später noch einmal für vier Monate in Barcelona. Diese Zeit war traumhaft schön. Doch obwohl ich schon in dieser Lebensphase regelmäßig auf Reisen war, ging das alles erst so richtig los, nachdem mein Sohn zur Welt kam. Die Elternzeit eignet sich nämlich hervorragend für den ein oder anderen Auslandsaufenthalt und viele frischgebackenen Eltern greifen diese Gelegenheit auch beim Schopfe.

Reisen in der Elternzeit

Wir sind zum Beispiel einen Monat quer durch Deutschland, Frankreich und die Schweiz gefahren, als unser Sohn zehn Monate alt war. In der Zeit waren wir jeden zweiten Tag in einer neuen Unterkunft und legten an die 3.500 Kilometer mit dem Auto zurück. Das Vorhaben stieß zwar anfangs auf Erstaunen und neugierige Fragen, doch im Endeffekt konnte sich noch jeder damit anfreunden.

Und auch nach der Elternzeit ging das Reisen noch weiter. Ein paar Monate später haben wir das Reisen mit Kind dann aber noch auf die Spitze getrieben. Wir beschlossen innerhalb eines Monats, unsere Wohnung aufzulösen, unsere Möbel zu verkaufen und für die nächsten sieben Monate zu reisen. Damit stand auch der erste Flug mit Kind an, den wir glücklicherweise (genau wie die vier folgenden Flüge) gut überstanden haben. Im Moment leben wir übrigens gerade in Kroatien. Es sind bereits 6 Monate unserer Reise um, die wir auf Gran Canaria, in Portugal, Norwegen, Schweden und Dänemark verbrachten. 

Ängste vor einem längeren Auslandsaufenthalt mit Kind

Natürlich ging die Planung dieses gigantischen Vorhabens nicht einfach so sorgenfrei an uns vorbei. Unser Kind war nun kein Baby mehr. Seine Bedürfnisse haben sich verändert und wir hatten natürlich Angst, diesen auf Reisen nicht gerecht werden zu können. Und vor allem unser Umfeld hat uns mit Gedanken und Sorgen konfrontiert, die wohl jedem beim Reisen mit Kind durch den Kopf gehen. 

Angst Nr. 1: Das Kind braucht ein festes Zuhause

Viele, denen wir von unsere Plan erzählten waren zum Beispiel der Meinung, dass ein Kind ein festes Zuhause braucht, um sich richtig geborgen zu fühlen. Plötzlich mit fremden Menschen, anderem Klima und ständig wechselnden Unterkünften konfrontiert zu werden, wird ihm den Boden unter den Füßen wegziehen und ihn in ständiger Angst leben lassen.

Unsere Erfahrung: Für unseren Sohn bedeuten Mama und Papa Zuhause. Wir sind ihm auf der Reise bisher keinen Schritt von der Seite gewichen und sind uns sicher, dass er sich behütet und geborgen fühlt. Natürlich nennen wir die Unterkünfte, in denen wir auf Reisen wohnen “Zuhause” und unser Sohn nimmt es so, wie es kommt. Das gute an Kindern ist, dass sie im Hier und Jetzt leben. Er liebt die Unterkunft, in der wir wohnen, solange sie da ist, erforscht sie und füllt sie mit Leben. Und sobald wir wieder weiterziehen, schließt er die Tür und stürzt sich mit uns ins nächste Abenteuer, ohne einem “alten Zuhause” nachzutrauern. Vor allem kleinere Kinder machen sich sehr wenig aus materiellen Dingen. Ihnen ist egal, ob die Couch nun grün, rot oder blau ist oder ob die Wohnung 3 oder 4 Zimmer hat. Solange das Zuhause mit Liebe gefüllt ist, ist alles gut.

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