Der Tag an dem ich aufhörte, “Beeil Dich” zu sagen

»Dafür haben wir jetzt keine Zeit«, war lange der Satz, den die Töchter von Rachel Macy Stafford am häufigsten von ihrer Mutter hörten. Die junge Frau verlor sich geradezu in ihrem hektischen Alltag, während sie versuchte, allen Ansprüchen gerecht zu werden

Bis es schließlich nicht mehr weiterging. Nicht für sie, nicht für ihren Partner und vor allem nicht für ihre Kinder. Rachel Macy Stafford zog daraufhin die Reißleine und beschloss, ihr Leben zu ändern. Sie entwickelte ein Programm für mehr Achtsamkeit und Gelassenheit und lernte so auch selbst, endlich wieder bewusst Zeit mit ihrer Familie zu verbringen.

Buchauszug

Ich sah die Enttäuschung in den Augen meiner Kinder, wenn ich ihnen sagte, ich hätte keine Zeit. Ich bemerkte die oberflächlichen Begrüßungen und hastigen Abschiede von meinem Partner. Ich litt unter ständigem Unbehagen, einem Gefühl, dass mir etwas Wichtiges fehlte. Und eines Tages fragte
ich mich: Will ich wirklich so leben? Der erste und wichtigste Schritt auf diesem Weg besteht darin, achtsam zu werden. Ich musste mir all die kostbaren Augenblicke eingestehen, die ich versäumte und auch weiterhin versäumen würde. Dieser schwierige Blick nach innen war die notwendige Voraussetzung für meine Verwandlung. Wenn ich nicht zuerst eine Einschätzung des irgendwann irreparablen Schadens vorgenommen hätte, den ich mit meinem technologiebasierten Multitasking anrichtete, wären alle Bemühungen, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren, von Anfang an zum Scheitern verurteilt gewesen.

Ich ließ alles stehen und liegen

Den Umschlag habe ich noch immer. Er liegt zwischen meinen wichtigsten Papieren, neben meiner Heiratsurkunde, meinem Pass, dem Krankenversicherungsschein und meiner Geburtsurkunde – Dokumente, die beweisen, dass ich existiere.

Ich hebe den großen Umschlag auf, weil ich etwas Wichtiges darauf gekritzelt habe. Ich habe die Nachricht an dem Tag geschrieben, an dem ich mir schwor, nicht länger die kostbaren Momente zu verpassen, die das Leben lebenswert machen. Wie eine Naturgewalt überkam mich die Erkenntnis. Ich durchwühlte eine Küchenschublade auf der Suche nach einem Zettel – als hinge mein Leben davon ab. Auf den ersten Blick erinnern die krakelig aufgezählten Wörter an eine Einkaufsliste, die jemand beim Autofahren geschrieben hat. Keine Groß– und Kleinschreibung, die Buchstaben teilweise unvollständig, Satzzeichen fehlen. Aber all das zeigt nur meine Eile. Ich war überzeugt, dass ich mich an jedes einzelne Wort erinnern musste, das von nun an mein Leben verändern sollte. Hier ist eine geglättete Version dessen, was ich aufgeschrieben habe:


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