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Weshalb wir Hebammen brauchen – Alleingeburt im Kreißsaal

Hilfe, wir suchen eine Hebamme! In Deutschlands Kreißsälen existieren gravierende Missstände. Ein Gastbeitrag von Michaela Skott, Journalistin und Aktivistin. 2016 hat sie vor dem Petitionsausschuss des Bundestages und im EU-Parlament in Brüssel für Verbesserungen in der Gesundheitspolitik geworben

Zu wenige Hebammen in Deutschland

Wir schreiben das Jahr 2019. Die Pro-Kopf-Ausgaben für die medizinische Versorgung liegen im Jahr bei rund 4.500 Euro. Im internationalen Länderranking liegen wir damit auf Platz 4. Diese Summe sagt nichts darüber aus, wo das Geld genau hinfließt. Ziemlich sicher ist: Die Geburtshilfe ist es nicht. In deutschen Geburtsstationen herrscht ein akuter Hebammenmangel. Vorausgesetzt es gibt überhaupt noch eine Geburtsklinik. Fast ein Viertel aller Kreißsäle deutschlandweit hat im Vergleich zum Jahr 2011 geschlossen. Sylt, Ostholstein, Wolgast, Bonn … Die Liste ist lang und wird von Jahr zu Jahr länger. Gleichzeitig stieg die Zahl der Geburten um 18 Prozent an. Wozu das führt? Krankenhäuser können schon längst nicht mehr alle freien Stellen besetzen.
In Großstädten wie Hamburg, Berlin oder München finden Frauen in den oft noch zahlreich vorhandenen Kliniken seltener einen Platz. Immer häufiger fahren sie unter Wehen noch eine zweite oder dritte Klinik an. Im ländlichen Raum werden die Wege zu den Geburtsstationen hingegen deutlich länger. Föhr, Amrum, Sylt – Frauen, die auf Inseln leben, sollen rund zwei Wochen vor der Geburt in ein so genanntes Boarding aufs Festland und dort auf das Kind warten. Wer macht schon so etwas? Die Folge sind mehr geplante Kaiserschnitte deutlich vor dem eigentlichen Geburtszeitraum, beziehungsweise überraschende und dramatische Verläufe.

Hebammen müssen 3 bis 5 Frauen gleichzeitig betreuen

Der Deutsche Hebammenverband berichtet nach einer Befragung seiner Mitglieder schon vor drei Jahren, dass weit über die Hälfte der Klinikhebammen drei Frauen und mehr unter der Geburt gleichzeitig betreuen. Von einer sicheren Geburtshilfe kann da keine Rede sein. Während Kassen und Politik dem Verband unterstellten, bei der Befragung nicht repräsentativ gearbeitet zu haben, bestätigen Erfahrungsberichte von Frauen immer wieder das Bild. Alleingeburt im Kreißsaal, weil die betreuende Hebamme noch weitere Frauen betreut, Kaiserschnitt zum Schichtwechsel und medizinische Interventionen, damit die Geburt schneller geht. Jüngst haben Berliner Hebammen die Aktion „Lieber Jens“ ins Leben gerufen. Auf Postkarten berichten Frauen und Geburtshelferinnen von unhaltbaren Zuständen. Schon 2.000 dieser Karten wurden bei Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, an den sie adressiert sind, abgegeben. Und täglich werden es mehr.

Für Hebammen kaum leistbar: Haftpflichtversicherung in der Geburtshilfe

Viele Frauen wünschen sich angesichts dieser Umstände eine Beleghebamme, die sie in die Klinik begleitet oder gleich eine außerklinische Geburt. Denn eine Geburt zuhause oder im Geburtshaus ist in den allermeisten Fällen genauso sicher wie in einer Klinik. Doch auch hier gibt es Schwierigkeiten. Immer weniger Hebammen bieten diese Art von Geburtshilfe überhaupt an. Der Grund sind die schwierigen Arbeitsbedingungen. Ab Juli 2019 kostet die dafür nötige Haftpflichtversicherung 8.664 Euro. Viel Geld bei zu geringem Honorar. Zwar können die Hebammen hierzu einen Sicherstellungszuschlag von den Kassen bekommen. Allerdings müssen sie dafür bestimmte Voraussetzungen erfüllen und oft zu lange auf die Auszahlung warten. Schwierige Arbeitsbedingungen, Schichtdienste, Überstunden, geringe Bezahlung – viele Hebammen hängen deshalb ihren Job an den Nagel. Die Folge ist ein Fachkräftemangel, den die Frauen und Kinder mit fehlender sicherer Versorgung bezahlen müssen.

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Über den Autor/die Autorin

Michaela Skott

Michaela Skott ist freie Journalistin und selbst Aktivistin für Frauenrechte. Auf ihrem Blog „Elternstimme“ schreibt sie über die Zustände in der deutschen Geburtshilfe. 2016 hat sie vor dem Petitionsausschuss des Bundestages und im EU-Parlament in Brüssel für Verbesserungen in der Gesundheitspolitik geworben.