Und, was suchst du?

Auf das erste Date folgte das zweite, zusammen mit dem ersten Kuss, so leidenschaftlich und sexy, dass es mir die Sprache verschlug. Das dritte Date war schnell beschlossene Sache und die Zeit bis dahin wurde überbrückt mit Telefonaten und Textnachrichten im Minutentakt. Langsam fing ich an, morgens mit einem breiten Grinsen auf einem rosa Wattewölkchen in meinen bis dahin eher grauen, durchgetakteten Alltag zu starten.

Auch das dritte Date war wunderschön, er hatte zum Filmenachmittag bei ihm zu Hause eingeladen. Natürlich bekamen wir vom Film fast nichts mit, zu sehr waren wir miteinander beschäftigt.

Dass ich ihn bat, mit dem letzten Schritt noch zu warten, war für ihn überhaupt kein Thema, wir können uns alle Zeit der Welt lassen und es ruhig angehen lassen, meinte er zu mir und der Eisblock in meiner Brust, zu dem mein Herz während meiner gescheiterten Ehe geworden war, schmolz weiter und weiter.

War ich verknallt? Ja! So richtig und bis über beide Ohren. So, wie ich dachte, es passiert mir in diesem Leben nicht mehr.

Als ich mich ihm schließlich vollkommen hingab, war mein Glück perfekt – nicht nur, dass dieser Mann intelligent, aufmerksam, humorvoll, nach eigener Aussage absolut treu, bodenständig und erfolgreich war, er war auch der Hammer im Bett.

Leider stellte ich mir erst zu diesem Zeitpunkt die Frage, wohin das Ganze denn nun führt. Zu selbstverständlich hatte ich angenommen, dass Kennenlernen + gegenseitige Sympathie + Anziehungskraft = Beziehung bedeutet.

Auf meine vorsichtige Nachfrage, nach mehreren gemeinsam verbrachten Nächten, wie wir das denn jetzt weiter verfolgen würden, reagierte er geschickt, brummelte etwas davon, dass doch ausgemacht war, es langsam angehen zu lassen und was ich denn so plötzlich von ihm erwarte. Komplett vor den Kopf gestoßen, entgegnete ich nur, dass langsam mir auch lieber ist und man ja wohl noch fragen dürfe.

Am Folgetag bekam ich dann einen Anruf von ihm, er wolle dringend mit mir reden. Auf das, was da folgte, war ich im Leben nicht gefasst: Er hatte nachgedacht, es gebe Punkte, die ihn zu sehr störten, um mit mir in eine Beziehung zu gehen.

Erstens, unter meiner Couch liegen Krümel und Spielzeug (von meinem Hund). Zweitens, auf der Stange meines Duschvorhangs (montiert in ca 2,20 meter Höhe) liegt Staub. Und drittens, mein Bauch. (Von meiner Schwangerschaft mit Dehnungsstreifen verziert und nicht mehr ganz so straff wie mit Anfang zwanzig). Der gehe ja gar nicht. Ob ich da plane, in näherer Zukunft was machen zu lassen.

Zutiefst empört beendete ich das Telefonat. Fuhr am Folgetag mit einer großen Tasche voll mit seinem Kram, den er bei mir in der Wohnung gelassen hatte, zu ihm und wollte dieses „langsam-angehen-lassen-keine-Beziehung“-Ding beenden. Tat ich auch. Er wirkte bestürzt, bot mir noch an, da er auf einen Handwerker wartete, mit ihm die Wartezeit im Bett zu verbringen, was ich ablehnte, mich herumdrehte und ihn verließ.


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