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Pass gut drauf auf, es ist empfindsam

Unsere anonyme Autorin berichtet über ihre einmalige Erfahrung mit einer anderen Frau, die sie nachhaltig geprägt hat

Manchmal erinnere ich mich an ein Ereignis zurück, das vor langer Zeit geschehen ist. Wie aus dem Nichts erinnere ich mich. Ich werde es niemals vergessen. Denn es hat etwas in mir verändert. Meine Sicht auf die Liebe und Sexualität. Vor allem aber hat es mich auf eine wunderschöne Weise verwirrt und irritiert. Ich glaube, für mich war es eines der prägendsten Erlebnisse überhaupt.

Es war im Spätherbst, dem ersten Herbst nach meinem Abitur, als ich mich das erste Mal im Leben frei fühlte. Ich hatte einen Studienplatz in einer weit von meinem Elternhaus entfernten Stadt bekommen und mich dort bereits ein wenig eingelebt. Erste Freundschaften waren entstanden, mein Zimmer im Studentenwohnheim fühlte sich nicht mehr so leer an, wie noch in den ersten Tagen. Die Beziehung zu meinem ersten Freund, die immerhin drei Jahre gehalten hatte, war zerbrochen. Aber auch wenn mich das traurig machte, trug es zum wunderbaren Gefühl der Freiheit bei. Er hatte geklammert, mich schon seit Monaten spüren lassen, wie egoistisch und böse er es fand, dass ich ohne ihn in eine ferne Stadt ziehen würde. Er sagte, er käme nicht ohne mich klar, ich müsse mich doch um ihn kümmern, er fühle sich so allein. Doch schon im Oktober hatte er eine Neue.

Es bildete sich ein Freundeskreis bestehend aus Exoten. Wir alle studierten komische Sachen, die wohl nur Idealisten studieren. Uns war es egal. Wir wollten unseren Horizont erweitern und das Leben genießen. So gingen wir viel Feiern oder führten in irgendwelchen Szenekneipen hochtrabende Gespräche über Gott und die Welt. Nebenbei besuchten wir Seminare und Vorlesungen, jobbten und freuten uns über das Gefühl, dass sich endlich wirklich etwas in unserem Leben veränderte. Gelegentlich lernte ich einen Mann kennen und flirtete ein wenig mit ihm. Aber wenn ich ehrlich bin, war mir das in dieser Phase meines Lebens nicht so wichtig. Ich suchte nicht nach der Liebe, sondern nach Veränderung. So wurde dann auch aus keinem dieser Kontakte etwas mit Zukunft. Meist blieb es bei einer ersten Verabredung.

Dann aber kam diese eine Nacht im Dezember, kurz vor den Weihnachtsferien. Ich hatte bereits das Zugticket zurück in die Heimat gebucht und meine Mutter rief mich mindestens zweimal täglich an, um mir von ihren Vorbereitungen für das anstehende Fest zu berichten, mehr wohl aber, um sich zu vergewissern, dass die „verlorene Tochter“ auch wirklich zwischen den Jahren in die Heimat zurückkehren würde. Wir gingen noch ein letztes Mal gemeinsam aus, bevor am nächsten Tag der erste unserer Gruppe heimfahren würde.

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Über den Autor/die Autorin

Leserbeitrag

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