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Mama, warum hast du keinen Freund?

Wenn der vierjährige Sohn fragt, warum Mama alleine ist. Single mit Kind: Bedeutet das automatisch, keine Zeit mehr für die Liebe? Ein Leserbeitrag einer alleinerziehenden Mutter

Wie stolz war ich einst, als ich mit meinem Sohn damals schwanger war, den perfekten Mann zu haben schien und unsere Wohn- und Jobsituation nicht besser hätte sein können. Doch kaum ein Jahr und unzählige Enttäuschungen später, zog ich eines nachts mit meinem sechs Monate alten Baby Hals über Kopf beim Kindsvater aus und war von heute auf morgen plötzlich alleinerziehend. Jetzt war ich nicht mehr nur für mich, sondern für ein weiteres Leben – sowie alles andere drum herum – verantwortlich. Das war der Beginn für meine bis heute andauernde Misere.

In meinem Leben mangelt es mir nicht nur am fehlenden Elternteil meines Kindes, sondern vor allem an Zeit! Mein Vollzeit-Job beansprucht mich total. Den benötige ich aber, damit die Rechnungen regelmäßig beglichen werden können. Dann manage ich neben den Einkäufen, Arztterminen, Behördengängen, Finanzen und der häuslichen Verantwortung auch noch spontane andere Probleme, die in einem unperfekten Leben hin und wieder ganz gern einmal quer schlagen. Mein Sohn benötigt natürlich auch seine Zeit und viel Zuwendung, zumal er kein einfaches Wesen hat, und als hochsensibel gilt. Familie und Freunde möchten ebenso gern Platz in unserem Leben finden.

Alles in allem betrachtet bleibe ich als Frau völlig auf der Strecke. Keine Chance für die Liebe. Kein Kennenlernen. Keine Zeit zum Ausgehen. Keine Zeit zum Daten. Nicht mal richtig Zeit zum Beantworten von Chats finde ich. Die wenigen Männer, die es geschafft haben, mein Interesse zu wecken, erwiesen sich meist als familienuntauglich, waren mit zu geringem Verantwortungsbewusstsein ausgestattet oder einfach nur zu egoistisch unterwegs, wenn es um ihren eigenen, persönlichen Freiraum ging. Während manch lustiger Geselle – sage und schreibe – drei volle Tage für sein Hobby in der Woche opfert, frage ich mich noch, was meine Hobbys einst eigentlich waren.

Notiz an mich selbst: Ich brauche demnach entweder einen Leidensgenossen oder den verständnisvollsten Mann auf Erden.

Nur wo könnte man so jemanden antreffen? Im Beruf? Nun ja, Senioren sind nicht unbedingt meine Altersklasse. Im Kindergarten? Sehr unwahrscheinlich. Beim Kinderarzt? Nicht wirklich. Erst recht nicht mit einem tobenden und schreienden Kind an der Hand. Beim Einkaufen vielleicht? Solange ein Einkaufswagen voll Blechtrommeln, Tiernahrung und einem motzenden Kind auf Aussenstehende nicht verstörend wirkt – vielleicht! Also, die Auswahl an romantischen Begegnungsorten ist und bleibt gering.

Mittlerweile ist mein Sohn vier Jahre alt. Erst neulich fragte er mich, wieso ich denn keinen Freund habe. Nun ja … Eine gute Antwort darauf habe ich bis heute noch nicht. Weil ich zu viel arbeite? Weil ich einfach zu sehr gestresst vom alltäglichen Leben und zudem zu wählerisch bin? Das sind keine sonderlich überzeugenden Argumente, aber dennoch Argumente.

Ich muss zugeben, diese jahrelange Unabhängigkeit und Selbstständigkeit in vielerlei Hinsicht hat mich sehr erwachsen und möglicherweise etwas eigen gemacht. Das verändert. Ich habe heute ein anderes Verantwortungsbewusstsein, Entscheidungen werden genauestens abgewogen und unter größter Sorgfalt getroffen, Probleme sind keine Probleme mehr – sondern Herausforderungen.

Irgendwie muss es immer weiter gehen. Als Single-Mama richtet man sich nicht mehr nur nach den eigenen Bedürfnissen, sondern auch nach denen des Kindes. Es muss dann mit einem Partner im Gesamten passen, soviel ist klar. Aber während dieses endlosen Kampfes, immer alles unter einen Hut bringen zu müssen, gerät man schnell in einen Kreislauf, wo es andere schwer haben, bis zu einem vorzudringen.

Natürlich wünsche ich mir einen Mann, der meinem Lebensstandard gerecht wird, der in der Lage ist, eine Vaterrolle zu übernehmen und trotzdem noch Zeit und Nerven für eine häufig unter Strom stehende Frau aufbringen kann. Im Grunde suche ich als beziehungsorientierte Alleinerziehende einen Ruhepohl, Ohren, die zuhören und Gespräche, die Erleichterung wie auch Verständnis schaffen. Vor allem, wenn es wie bei mir an Unterstützung durch die eigene Familie mangelt und ich jedes noch so kleine Päckchen alleine zu tragen habe.

Einerseits denke ich mir, dass die Chance auf so jemanden schwindend gering ist. Andererseits aber weiß ich auch, was ich will und was ich nicht will. Somit bleibt mir sicherlich die ein oder andere Enttäuschung erspart. Glücklicherweise bin ich ein sehr geduldiger Mensch und habe stets Hoffnung in das Leben und die Liebe. Deswegen bin ich mir sicher, dass irgendwo da draußen mein Glück auf mich wartet. Bis dahin habe ich noch immer meinen Sohn an meiner Seite – und eine Menge Optimismus.

Ich denke, solange man offen für die wahre Liebe ist, wird sie einem begegnen. Da bin ich mir sicher. Und sollte sich je ein Mann für uns beide entscheiden, in dieser schweren Zeit, zu allem Stress, unter all diesen Gegebenheiten – dann kann er letztlich nur der Richtige sein.

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P.S.: Tipp- und Grammatikfehler korrigieren wir für Sie mit größter Sorgfalt. Größere Veränderungen werden wir aber natürlich nur nach vorheriger Absprache mit Ihnen vornehmen. Mit der Veröffentlichung des Beitrags stimmen Sie unserer Autorenvereinbarung zu.

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Leserbeitrag

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