Ich habe so viele Fragen – und die eine große Frage – an dich

Und ich bin Tode gestorben. Wieder und wieder bin ich Formulierungen durchgegangen, habe überlegt, ob es zu früh ist, ob ich mein Gegenüber eher vor mir zurückschrecken oder näher an mich ranrücken lasse. Und dann die Antwort: “Es ist zu früh.”

Wie verarbeiten wir das? Unser Gehirn läuft auf Hochtouren. Ist er sich unsicher? Wieso? Wegen mir? Weil er wenig Zeit hat? Sich aufs Studium konzentrieren möchte? Angst hat, nicht genügend Zeit für den anderen freiräumen und somit einer Beziehung nicht gerecht werden kann? Ist ein „es ist zu früh“ das Ende? Vielleicht nicht sofort, aber verzögert? Oder ist es einfach die berechtigte Vorsicht eines Menschen? Stimmen die Voraussetzungen auf der anderen Seite nicht oder spielen vergangene Erlebnisse eine große Rolle? Eine zu schnell eingegangene Beziehung in der Vergangenheit? Oder einfach das Bedürfnis, so viel wie möglich über den anderen zu wissen, bevor man sein Herz in dessen Hände legt? Angst vor Reaktionen der Umwelt? Was? Jetzt schon? Bisschen übereilt, oder? Ja, vielleicht. Aber wann haben wir jemals eine Garantie?

Wann haben wir genügend Infos, genügend Gefühle, genügend Kenntnisse? Ist „schnell“ falsch? Wann ist schnell wirklich schnell? Wer definiert das? Und was passiert, wenn die Einschätzung bei zwei Menschen unterschiedlich ausfällt? Eins ist sicher. Ich möchte mich verkriechen. Ich empfinde Scham. Angst.

Angst, es kaputt gemacht, zu viel Druck aufgebaut zu haben. Dass ich zu früh zu viel gewollt haben könnte. Aber gibt es das bei der richtigen Person? Müsste die richtige Person nicht zur selben Zeit genau das selbe empfinden wie man selbst? Macht das wahre Liebe aus? Oder zeigt es nur die Tatsache auf, dass wir alle Individuen mit unterschiedlichen Vorgeschichten und Beweggründen sind?

Ich habe Angst. Große. Dass ich es vermasselt habe. Der Abstand größer statt kleiner wird, bis er irgendwann soweit reicht, dass man einander aus den Augen verliert. Hat es dann nicht sein sollen? Ist es so einfach? Muss ich den Fehler jetzt bei mir suchen? Mag er mich nicht so, wie ich ihn? Hätte er dann gesagt, es sei zu früh oder hätte nicht ein klares Statement folgen sollen: “Du, sorry … Ich mag dich echt. Aber nicht so.”

Ich habe Angst, dass er zu lieb dafür ist. Zu lieb für knallharte Ehrlichkeit, weil er weiß, wie sehr er mich damit verletzt. Man kann nie zu 100 Prozent in einen anderen Menschen hineinblicken. Man weiß nie genau, wieso er dieses und jenes sagt und denkt. Ob er ehrlich ist. Ich muss einfach vertrauen. Mein kleines, zerbrechliches Herz in seine Hände legen und auf das Beste hoffen.

Vielleicht mag er mich bald genauso sehr wie ich ihn. Und hoffentlich spricht er es dann laut aus. Ich möchte diese Frage nicht noch einmal stellen müssen. Ist ihm das klar? Dass er nun an der Reihe ist? In welche Richtung seine Entscheidung auch immer ausfallen mag? Wird er ehrlich sein und das Rückgrat besitzen, das nötig ist um Wahrheiten auszusprechen, die mir vielleicht weh tun? Unsicherheit. Wie soll ich mich nun verhalten? Wie wird er sich in den nächsten Tagen verhalten? Wird alles verkrampft, schläft der Kontakt ein, verändert sich der Umgangston untereinander?

Das bringt nur die Zeit. Die nächsten Wochen werden Antworten bringen. Aber ob ich die wirklich hören will …?

Sie möchten uns Ihre Erlebnisse erzählen? Wir freuen uns darauf und veröffentlichen vielleicht als nächstes Ihre Love Story. Hier können Sie uns Ihre Liebesgeschichte senden.

P.S.: Tipp- und Grammatikfehler korrigieren wir für Sie mit größter Sorgfalt. Größere Veränderungen werden wir aber natürlich nur nach vorheriger Absprache mit Ihnen vornehmen. Mit der Veröffentlichung des Beitrags stimmen Sie unserer Autorenvereinbarung zu.


Weitere interessante Beiträge