Gib mir meinen Frieden zurück

Eine einzige Begegnung kann alles verändern. In dieser anonymen Liebesgeschichte liegen Wunsch und Enttäuschung, Fantasie und Realität so nah beieinander wie verlieben und verrückt werden

Ich schaue in mich hinein, es ist jetzt sommerlich, spät, einer der ersten Tage, die im frostigen Frühling alles an Menschen hinaus locken, was sich sonst in heimeligen Häusern tummelt. Vogelgezwitscher, saftiges grünes Gras, gleißende erste Sonnenhitze auf der Haut, ein beständiges Murmeln, Grillgeruch, Kindergeschrei, wabernde Musikklänge, Wasserplätschern vom Neckar.

So schön, so idyllisch, man möchte kotzen, sagt der alte Mann, der Zyniker in mir. Wie war das im letzten Sommer? Sengende Hitze, eine fremde Stadt, das Tagwerk des Festivalaufbaus und -abbaus sitzt jeden Tag in den Knochen, jeden Tag wimmeln Menschen um mich herum, Spannung, Aufregung, Stress, alles strotzt vor Lebendigkeit.

Und drinnen? Dort fällt er leise, der Schnee, unhörbar, langsam, doch unaufhörlich. Wie unglaublich kalt mir ist, es friert mich. Mitten am Tag, erschöpft in der größten Mittagshitze, schneit es in mir. Auf einem staubigen, versengten Platz höre ich immer wieder das Rieseln der Stille.

Wie erzähle ich anderthalb Jahre Achterbahnfahrt mit einem Menschen, der mich durch seine reine Existenz durch alle möglichen seelischen, geistigen Höhen und Tiefen und verborgenen Höhlen gezerrt hat, ohne dass jemals auch nur der Anschein einer realen Liebesbeziehung vorhanden war? War sie das jemals, wenn sie ungelebt war? Nur im Geiste: Ist sie dann real? Gar nichts war logisch, alles bleibt ungeklärt. Einzig meine Sichtweise, mein Erleben, meine Seele, oder was davon übrig ist, bleibt.

Und ich liebte so viele, viele Menschen. Mein mit haufenweise Narben übersätes, schweres Herz wird immer vor Trauer strotzen. Es sagte einer, Trauer ist der Preis, den wir bezahlen für die Menschen, die man liebt. Und ich liebte so viele, viele Menschen. Die Last und Freude, die einzigartige Schönheit eines Menschen zu erkennen, brachte die schillernde Vielfalt der Liebe in mein Leben. Freunde, Kollegen, Partner, so viele Jahre sind ins Land gegangen, ein unstetes Leben gelebt. Jetzt sind da nur noch Leerstellen, alle sind fort. Leergeliebt, trauervoll.

Die erste Begegnung, angewidert saß ich da und konnte doch nicht gehen, gefangen an einem vollen Platz am einzig freien Tisch, in einer Runde voller Bekannter, bevor du dich zu der Gruppe gesellt hattest. Ich, das paralysierte Kaninchen vor der Schlange. An einem unschuldigen, idyllischen Tag wie heute, gerade wieder aufgerappelt, einen Menschen gehen gelassen, der über alle Maße geliebt war. Kaum hatte ich aufgeatmet, Luft geschnappt vom Unterwassergefühl des Liebeskummers, sollten Dinge passieren, die ich mir im Traum nicht so perfide hätte ausdenken können.


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