Gib mir meinen Frieden zurück

Das Gespräch nahm dann irgendwie eine andere Richtung, unterbrochen von einem Telefonanruf bei dir, dann bei mir, die Realität hatte uns wieder. Wir mussten los. Du fragtest, ob wir uns bald wiedersehen, mit einem freudigen Strahlen. Ich war noch überfordert von dem Moment, konnte nicht geistesgegenwärtig reagieren, Hunger, Erkältung, Stress forderten ihren Tribut, ich wirkte wohl abgeneigt und faselte irgendetwas wie, man werde sich ja wieder über den Weg laufen. Ich ging, du sagtest vorher schon zweimal mit Stolz geschwellter Brust: „Ich zahle den Kaffee!“

Die ersten Schritte ging ich mit gesenktem Kopf, noch freudig verwirrt, wie ein kleines Mädchen, das ein gutes Schulzeugnis mit nach Hause bringen wird. Ein paar Stunden später folgte der Aufprall auf den Boden meines Abgrundes, in den du mich geschmissen hattest. Seitdem war nichts mehr wie zuvor. Seitdem habe ich mich über nichts mehr in mir gefreut, keine emotionale Anteilnahme mehr. Lachen kann ich wie ein Weltmeister, berührt werden nicht mehr.

Deine Erklärung für diesen Tag oder eine Entschuldigung für die darauffolgenden, immer grotesker werdenden Verhaltensweisen und Schriftwechsel kamen nie. Ein Mensch, der sich nie entschuldigen wird, sagte mal jemand über dich. Egal, wie oft ich versuchte, dich zu einem Treffen zu bewegen oder bei den unzähligen zufälligen Aufeinandertreffen eine Klärung zu finden: Ich sterbe nur noch vor Angst, dich wiederzusehen, weil du nichts anderes kannst, als mich mit deinem Schweigen oder deinen Worten abzustoßen und zu verletzen.

Jemand sagte, du hättest mich vergessen. So oft habe ich dir vergeben, immer wieder, aber jetzt kann ich nicht mehr. Oft dachte ich: Dir begegnet zu sein, ist der Beweis, dass Gott mich hasst, falls es einen gibt. Sendet mir diesen Menschen: die Perfektion in Verstrickung von Mustern, Schutzmauern, krankhaften Verhaltenstaktiken. Mein fleischgewordener Alptraum der Erinnerung an all jene, die mir Schlechtes in mein Leben gebracht hatten.

Heute, an diesem wunderschönen sommerlichen Tag, Vogelgezwitscher, saftiges grünes Gras, gleißende erste Sonnenhitze auf der Haut, ein beständiges Murmeln, Grillgeruch, Kindergeschrei, wabernde Musikklänge, Wasserplätschern vom Neckar. So schön, so idyllisch, man möchte kotzen, sagt der alte Mann, der Zyniker in mir. Gib mir meinen Frieden zurück.

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P.S.: Tipp- und Grammatikfehler korrigieren wir für Sie mit größter Sorgfalt. Größere Veränderungen werden wir aber natürlich nur nach vorheriger Absprache mit Ihnen vornehmen. Mit der Veröffentlichung des Beitrags stimmen Sie unserer Autorenvereinbarung zu.


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