Du hast da was mitgenommen

Unter der Woche lebte sie für ihren Beruf. Am Wochenende zog es sie in ihre Heimatstadt, um der Leere der Metropole zu entfliehen. Sie glaubte, sie wisse alles. Aber was Liebe ist, wusste sie nicht. Auch nicht, wie sehr ein gebrochenes Herz schmerzt. Eine anonyme Liebesgeschichte

Jetzt sitze ich hier und schreibe Geschichten über uns, weil ich nicht verstehen kann, was in den letzten sechs Monaten passiert ist. Dabei war ich für dich immer das Großstadtmädchen mit Kleinstadtwurzeln, diejenige, die nichts mehr schocken konnte – und schon gar nicht beeindrucken.

Ich hatte meinen Traumjob in Berlin gefunden, war die, der jeder hinterhergeschaut hat und der niemand gut genug war. Ich hasste Dates und ich war stets genervt von all der Aufmerksamkeit, die ich privat und beruflich bekam. Alles, was mich beeindruckt hat, war mein Job, meine Karriere, meine Position als Führungskraft. Ich war beruflich da, wo ich immer sein wollte. Nur eben in der falschen Stadt. Mein Herz lag in meiner Heimat. Berlin war immer zu oberflächlich, zu schnell, zu anonym, zu sehr Generation Tinder – und all das war ich eben nicht. Ich hasste Flirten und Kennenlernen, dieses ganze Geschwafel am Anfang und die Dramen am Ende.

Deshalb fuhr ich jeden Freitag nach Dienstschluss in die Heimat, um wenigstens zwei Tage in der Woche – wirklich – zu leben. Ich liebe meine Heimatstadt: irgendwie groß genug, um eine Großstadt zu sein und klein genug, um den Provinzcharakter beizubehalten. Ich liebe es, überall Menschen zu begegnen, die ich irgendwie kenne. So ist es eben hier: Jeder kennt jeden.

Ich stand auf der Sonnenseite des Lebens und außer, dass mich jeder für „Miss Unfuckable“ hielt, war mein Leben ziemlich perfekt. Mir hat es an nichts gefehlt, gewiss nicht an einem Mann in meinem Leben. An den großen Knall habe ich sowieso nicht mehr geglaubt – wie auch, ich kannte ja jeden in meiner Provinz. Und was Liebe ist, wusste ich bis dato auch nicht.

Bis dato meint bis zu diesem Sommersonntag vor meinem Geburtstag. Meine beste Freundin und ich hatten uns mal wieder aufgestylt, wie zwei Bloggergirls, die zum Ku´damm wollten. Dabei wollten wir nur zum Lieblingsitaliener unserer Provinz. Wir lachten und hörten viel zu laut Musik im Auto auf dem Weg dahin, tranken dort eine Tasse Tee und aßen eines dieser viel zu kalorienhaltigen, süßen Desserts. Es war ja schließlich Sonntag und man gönnt sich ja sonst nichts. Als wir zahlen wollten, sah ich Dich.


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