Paar sein ist mehr als Eltern sein – Interview mit Paarberater Sascha Schmidt

Sobald der Nachwuchs da ist, übernehmen viele Paare vollständig die Elternrolle. Die Partnerschaft selbst bleibt dabei aber häufig auf der Strecke. Wir haben Paarberater Sascha Schmidt gefragt, wie kompatibel „Paar sein“ und „Eltern sein“ sind

Junge Eltern kennen das nur zu gut: Der Nachwuchs erfordert alle Aufmerksamkeit. Nachts ist man mindestens ein halbes Duzend Mal wach, tagsüber liebevolle Mami oder Papi. Noch schnell einkaufen und „das Bisschen Haushalt“ erledigen. Ach ja, und den Job gibt es natürlich auch noch. Abends freut man sich über jede Stunde, die man auf der Couch verbringen darf, ohne noch etwas erledigen zu müssen. Verständlich, dass das Paarleben unter dem Familienleben „leidet“. Das ist nicht abwertend gemeint; es ist bloß oft so, dass im Alltag der meisten Eltern die Partnerschaft selber zu kurz kommt.

Sascha Schmidt kennt diese Herausforderungen für junge Eltern aus zahlreichen Paarberatungen und hat jetzt mit „Wieder Paar sein!“ ein Buch geschrieben, das dabei helfen kann, wieder mehr Paar zu sein – ohne dabei zu Rabeneltern zu werden. Wir haben Sascha Schmidt zum Interview getroffen.

Lieber Herr Schmidt, „Eltern sein“ scheint für viele inkompatibel zu sein mit „ein Paar sein“. Warum ist diese Sichtweise fatal für eine glückliche Beziehung?

Gefährlich wird es, wenn das „Eltern sein” immer mehr auf Kosten der Bedürfnisse als Frau oder Mann stattfindet. Typisches Beispiel aus meiner Beratungspraxis: Mit der Geburt des ersten Kindes spielt der Mann in puncto Aufmerksamkeit die zweite Geige. Absolut natürlich, denn das Baby braucht die Mutter und fordert diese entsprechend. Männer können damit sehr gut leben und begeben sich in die unterstützende Väterrolle. Wenn nach 24 Monaten jedoch keine Änderung in Sicht ist, d.h. das Paarsein nicht wieder belebt wird, kann es zur Entfremdung kommen. Bei mir sitzen dann Paare, die als Familienteam seit Jahren wunderbar funktionieren, doch sich als Frau und Mann verloren haben. Das äußert sich zum Beispiel darin, dass sich Gespräche nur noch um das Kind oder die Alltagsorganisation  drehen oder dass Körperlichkeit und Sexualität im Dornröschenschlaf schlummern. Für die Familienorganisation mag das reichen. Für ein erfülltes Paarleben ist das definitiv zu wenig.


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