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„Lass uns nochmal über deine Mutter reden …“ Was wir wirklich über unser Date wissen müss(t)en

Welche Infos benötigt man wirklich, um einzuschätzen, ob ein Kontakt eine Zukunft hat und eine Beziehung voraussichtlich funktionieren würde? Sind wirklich immer nur die Anziehung und das Bauchgefühl entscheidend?

Warum finden sich zwei Menschen gegenseitig attraktiv? Diese Frage beschäftigt Psychologen seit Jahrzehnten. Und es konnten tatsächlich einige verlässliche Antworten gefunden werden.

Ja, die Optik ist meist durchaus wichtig. Es kommt dabei aber nicht auf Perfektion an.

Ja, auch weitere „Oberflächlichkeiten“ wie Körpergröße, Einkommen und sogar Beruf und Haarfarbe können eine Rolle spielen.

Letztlich bleibt das Phänomen der gegenseitigen Anziehung im konkreten Einzelfall aber geheimnisvoll, geradezu magisch. Die meisten Menschen würden ohnehin bestreiten, dass die oben genannten Faktoren eine entscheidende Rolle spielen. Das Herz, das Bauchgefühl, eine innere Stimme flüstert uns einfach ein: Ja, das ist er! Das ist sie! Und das Herz lügt schließlich nicht.

Allerdings ist das mit den Gefühlen manchmal so eine Sache, insbesondere, wenn man auf der Suche nach einer langfristigen Beziehung ist …

Gefühle sind ein guter, aber nicht immer der beste Ratgeber

Gefühle können irren. Sie deuten oft, aber leider nicht immer in die für uns beste Richtung. Sie weisen uns nicht immer den besten Weg. Gerade wer Interesse an einer langfristigen, festen, stabilen Beziehung hat, tut gut daran, auch, aber eben nicht ausschließlich auf das Herz zu hören (auch wenn der gesamte Freundeskreis und Hollywood jetzt laut aufschreien mögen).

Große Gefühle am Anfang einer Beziehung sind schlicht und ergreifend keine Garantie dafür, dass diese auch lange halten und glücklich sein wird! Liebe und eine stabile Beziehung benötigen weit mehr als anfänglich überbordende Leidenschaft und Verliebtheit.

Aber heißt das jetzt, dass man sich jedes Mal erst auf das Wagnis einer Beziehung einlassen muss, um herauszufinden, ob unsere Wahl nun wirklich „die richtige“ war? Macht nur Versuch klug?

Ja und nein.

Es gibt keine zu 100 Prozent verlässliche Methode, um den Beziehungserfolg vorherzusagen. Menschen können sich ändern, anpassen, Kompromisse eingehen. Es gibt Dinge wie Zufall und Schicksalsschläge. Menschen sind zu einem gewissen Grad unberechenbar – zum Glück!

Aber es gibt einige Lebens- und Liebesthemen, die von großer Bedeutung für die Stabilität und Erfolgsaussichten einer Beziehung sind, und die sich im Prinzip schon in der Frühphase eines Kontakts aufdecken ließen (auch wenn die wenigsten von uns zu diesem Zeitpunkt auch nur einen einzigen Gedanken an sie verschwenden würden).

Wie erkennt man, ob ein Date Potenzial für eine stabile, langfristige Beziehung hat?

Welche Infos braucht man zumindest aus psychologischer Sicht wirklich, um abzuschätzen, ob ein Date boyfriend beziehungsweise girlfriend material darstellt? Zum Beispiel diese:

  1. Wie viele Beziehungen hatte das Date bereits?
  2. Welche Qualität hatten diese?
  3. Und welche Dauer?
  4. Woran sind sie gescheitert? (Wahrscheinlich die wichtigste Frage von allen)
  5. Wurde die letzte Trennung angemessen verarbeitet?
  6. Wie sieht/sah die Beziehung der Eltern des Dates zueinander aus?
  7. Ist er bzw. sie ein Einzelkind oder gibt es Geschwister?
  8. Wie sieht das Verhältnis zur Mutter aus?
  9. Wie das zum Vater?
  10. Welche Grundbedürfnisse wurden in seiner/ihrer Kindheit nicht angemessen befriedigt (oder überhaupt nicht wahr- und ernstgenommen)?

Um es ganz deutlich zu sagen: Natürlich würde wohl niemand diese Fragen so offen stellen (vielleicht mit Ausnahme der Fragen 1, 3 und 4). Und es ist auch sicherlich nicht angemessen geschweige denn empfehlenswert, sie direkt zu stellen! Schließlich gehen sie an die Substanz und würden das Gegenüber entweder zu einem großen Ausweichmanöver oder aber einer krassen Selbstöffnung zwingen, die nicht in die Anfangsphase eines Kontakts gehört.

Aber: Wenn wir uns bei der Entscheidung, ob ein Kontakt eine Zukunft haben soll, nicht allein auf unser Bauchgefühl und Herz verlassen wollen, sind die Antworten auf diese (und einige weitere) Fragen aus Sicht der Partnerschaftspsychologie unheimlich aufschlussreich. Denn sie klopfen das Bindungsverhalten des Dates und seine (positiven wie negativen) Beziehungsvorerfahrungen und Prägungen ab. Und diese werden in den allermeisten Fällen auch seine nächste Beziehung (also potenziell jene mit uns) beeinflussen. Außerdem können wir diese dann mit unserem eigenen Bindungsbedürfnis und -Stil abgleichen. Denn am Ende geht es ja immer um Passung, nicht darum, eine einseitige Kritierienliste abzuhaken.

Ein paar Beispiele

Wenn jemand schon in jungen Jahren seine bisherigen Beziehungen nicht mehr an zwei Händen abzählen kann und bereits „Geschichten“ von wenigen Tagen oder Wochen als Beziehung bezeichnet, sagt das eine Menge über ihn oder sie aus. Es ist zwar möglich, dass es in einer zukünftigen Beziehung anders aussehen würde – aber man sollte besser nicht darauf wetten.

Wenn ein Mann bei seiner alleinerziehenden Mutter aufgewachsen ist und vor allem durch weibliche Bezugspersonen geprägt wurde (Erzieherinnen, Grundschullehrerinnen, ältere Schwestern), dann wird das in den allermeisten Fällen sein gesamtes Beziehungsleben und seine Beziehungsgestaltung samt seinen Wünschen und Bedürfnissen prägen – ohne dass dies hier wertend gemeint ist.

Wenn der Vater des Dates die Mutter früh verlassen hat (oder andersherum) und das Date dieses „Muster“ in seinen eigenen Beziehungen übernommen hat (oder aber z.B. überkompensierend ein komplett gegenteiliges Verhalten), dann sind das wertvolle Informationen.

Auch wenn die Schmetterlinge im Bauch gerade abwechselnd Salsa und Bachata tanzen: Hat das Date seine letzte intensive, langjährige Beziehung noch nicht verarbeitet, sollte man sich zumindest auf stürmische Zeiten mit reichlich Konfliktpotenzial einstellen. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern leider einfach nur die harte Realität, die das Herz manchmal nicht sehen möchte.

Kopf und Herz als Team

Man braucht kein Psychologe zu sein, um einen anderen Menschen zu „lesen“. Die Evolution hat (fast) jeden Menschen mit dieser Gabe ausgestattet, um Freund von Feind zu unterscheiden und ein harmonisches Miteinander zu ermöglichen (dies wäre ohne Empathie und Perspektivübernahme quasi unmöglich). Überschwängliche Gefühle können diese Fähigkeit manchmal temporär außer Kraft setzen.

An dieser Stelle plädiere ich ausdrücklich nicht dafür, den Kopf über das Herz zu stellen und sich in der Kennenlernphase gegenseitig „tot zu analysieren“. Aber: Wer potenziell an einer langfristigen Beziehung mit einer anderen Person interessiert ist, tut gut daran, auch einen Blick in die Vergangenheit des anderen zu riskieren und die gewonnenen Erkenntnisse mit in die Entscheidung einfließen zu lassen, ob man sein Leben mit dem anderen teilen möchte oder nicht. Auch wenn am Ende das Herz entscheiden mag.

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Über den Autor/die Autorin

André Martens

André Martens ist Philosoph und Psychologe. Er schreibt leidenschaftlich gern - nicht zuletzt über die Liebe. Ob wir uns diesem Phänomen mit Worten tatsächlich annähern können, ist seine große Lebensfrage. Und solange er die Antwort nicht kennt, schreibt er fleißig weiter.