Erste Dates – von Desastern, weichen Knien und Knutschflecken

Sicherlich ein großer Vorteil von offenen Beziehungen: Man kann immer wieder die Spannung und Aufregung von ersten Dates erleben. Unsere Kolumnistin Anna Zimt hat da auch so ihre Erfahrungen gemacht …

Hängt die Latte (eurer Erwartungen) nicht zu hoch

Aber der erste Online Eindruck kann noch so positiv sein: Bis zum echten Sehen und Riechen des Anderen bleibt die Antwort auf die Anziehungs- und Sympathiefrage ein Geheimnis. Und genau das macht es so aufregend. Und manchmal auch komisch. Oder enttäuschend. Denn wir bauen uns von dem anderen ein Bild aus Erwartungen zusammen und gleichen es dann mit der Realität ab, wenn es soweit ist. Und manchmal haben wir Glück und die Idee von einer Person und dem echten Gegenüber passen ziemlich gut zusammen. Aber manchmal eben auch nicht. Und oft sind wir selbst Schuld daran, weil wir zu viel von unseren Vorstellungen und Wünschen auf eine Schablone projiziert haben, von dessen Form wir eigentlich gar keine Ahnung hatten.

Vor ein paar Jahren hatte ich mal ein Date mit einem Mann, der in meiner Welt ein wahnsinnig charismatischer, charmanter und kreativer, sexy Jungschauspieler sein musste. Denn er schrieb ja so klug und witzig und seine Fotos wirkten so experimentell und waren in Schwarzweiß aufgenommen und auf einem trug er auch ein Kostüm und alles war irgendwie „arty“ und sexy.

Naja, Leute, und was soll ich euch sagen. Dieser Mann war leider einer der langweiligsten Menschen, die ich jemals getroffen habe. Das Einzige, an das ich mich erinnere, ist, dass er mir irgendwas von einem Anlass erzählte, zudem die Leute aus seiner Heimat traditionell um die Häuser zogen und sich bis zum Umfallen betranken. Und er sich schon auf dieses bald bevorstehende Ereignis freute. Außerdem erinnere ich mich noch daran, dass, als wir beschlossen hatten es mal mit einem Kuss zu versuchen – denn vielleicht würden wir uns auf dieser Ebene einfach besser verstehen – sich seine Hände und Zunge auf hektische Weise über mich hermachten und ich am nächsten Tag ein Knutschfleck an meinem Hals entdeckte, der mich noch Tage an dieses desaströse Date erinnern sollte.

Ein Gutes hatte die Begegnung, denn ich hinterfragte meine Überfrachtung von Erwartungen. Hätte ich sie nämlich nicht oder weniger gehabt, hätte ich uns beiden ein unbeschwertes und faires Kennenlernen ermöglicht oder mir wäre vielleicht schon früher aufgefallen, dass seine Nachrichten eigentlich gar nicht so witzig waren. Und sein Bühnenbild einfach nur ein Karnevalsfoto.

Fake-Profile nerven nur noch

Und manchmal spielen uns Menschen im Vorfeld auch Dinge vor oder kreieren (absichtlich) ein Bild von sich, das der Realität nicht entspricht. Das unsere Projektionen in eine bestimmte Richtung lenken soll. Aus Unsicherheit, Egoismus oder Arschlocheritis. Das fängt mit ungenauen oder falschen Angaben über Aussehen und Lebenslage an. Und geht über die unehrliche Antwort auf die Frage „Was suchst du denn hier auf Tinder?“ bis hin zu kompletten Fake-Profilen von Menschen, die eigentlich auf Beziehungsbetrug aus sind oder es geil finden, anderen etwas vorzuspielen. Im besten Fall entlarven wir solche Spielverderberinnen früh genug und suchen uns jemanden, der nach unseren Regeln spielt.


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