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Buchtipp „Romeo und Julius“

Julius Kraft sehnt sich nach Momenten, in denen alles kribbelt und Sterne und Brusthaar greifbar werden. Er will sich wieder verlieben und trifft sich zu 25 Dates, um die große Liebe zu finden. In seinem Buch „Romeo und Julius“ beschreibt er charmant und mit markantem Sprachwitz, wie er sich von einem Date zum nächsten hangelt. Ein Buchauszug

Kapitel 5: Wie überlebt man einen Datingmarathon?

Aufgeregt springt Henrys Stimme eine Oktave nach oben, als ich ihn am Mittwoch in meiner Mittagspause anrufe.

»Ich habe endlich ein neues Projekt gefunden, in das ich meine überschüssige Energie stecken, wo ich mich richtig verausgaben kann«, sagt er und klingt dabei so euphorisch, wie ich in den 90ern geklungen hätte, hätte ich damals eine Rolle in der Mini Playback Show ergattert. Henrys Ziel aber hat nichts mit Verkleiden zu tun, dafür alles aber mit Performance. Im September, sagt die Stimmbruchstimme, will er den Berliner Marathon laufen, und das Training dafür starte schon morgen. Der Plan, den Henry jetzt ausführt, klingt für mich verrückt. Anfangs müsse er dreimal die Woche jeweils zehn Kilometer laufen, später würde er auf mindestens viermal pro Woche erhöhen, und kurz vorher stünden auch mal 30 Kilometer am Stück an.

»Krass«, sage ich am anderen Ende des Telefonhörers, während ich einen großen Happen meines Chicken-Teriyaki-Sandwiches runterschlucke, das mir jetzt im Kontrast zu Henrys sportlichem Tatendrang doch auch ein schlechtes Gewissen macht. Eigentlich sollten mich Henrys Ambitionen aber mittlerweile wirklich nicht mehr überraschen. Seit wir uns im Studium kennengelernt haben, hat er schließlich über unsere Freundschaft schon diverse sportliche Phasen durchgemacht. Von Yoga über Volleyball bis hin zu Boxen war alles dabei. »Ach, weißt du, Julius. Der Job nervt mich einfach gerade schon wieder so sehr, und mit den Girls läuft’s aktuell auch gar nicht. Ich glaube, da ist ein bisschen Laufen jetzt das Beste, was ich machen kann, um den Kopf frei zu bekommen.«

»Du meinst, ein bisschen viel Laufen«, korrigiere ich ihn.

»Ja, ein bisschen viel Laufen.« Obwohl ich Henrys Gesicht nicht sehen kann, strahlt das Funkeln in seinen Augen, das er durch das neue Ziel gewonnen hat, so hell durchs Smartphone wie das der Zauberkugel von Marijke Amado. Ob ich ihm erzählen soll, dass ich gerade auch eine Art Marathon plane?

»Lieber nicht«, entscheide ich im Auflegen. In meinem Trainingsplan bin ich schließlich schon viel weiter als er, und – ob er mein Vorhaben gerade so richtig ernst nehmen kann, weiß ich nicht, dabei waren auch meine Vorbereitungen ziemlich anstrengend. Nur sportlich, das waren sie eben nicht. In der letzten Woche habe ich meinen eigenen Marathon geplant und dafür so viel Zeit auf Dating-Apps verbracht wie noch nie. Dort habe ich neue Bilder hochgeladen, Profiltexte überarbeitet, Fragen dazu beantwortet, was mein Lieblingsfilm ist, ohne welche sechs Dinge ich nicht leben könnte und was das letzte Video ist, das ich mir auf YouTube angeschaut habe. Habe eingeschätzt, wie wichtig es mir ist, dass mein potenzielles Match mit mir in der Meinung übereinstimmt, dass Tiere auch eine Seele besitzen. Okay, Letzteres war einfach. Es ist mir SEHR WICHTIG! Anschließend habe ich versucht, anhand von ein paar Fotos der Männer und ihren Antworten einzuordnen, wer zu mir passen könnte. Ich habe wie wild nach links und rechts gewischt, habe zum Einstieg ins Gespräch manchmal richtig gute Sätze gefunden, häufiger aber nur »Hi« geschrieben, und ich habe Matches so oft gefragt, wie es ihnen geht, dass ich irgendwann selbst nicht mehr wusste, wie es mir dabei ging. Was sind da schon 30 Kilometer? Puh! Jetzt aber sind die Vorbereitungen abgeschlossen und sie waren erfolgreich, denn unter gefühlt hunderten Anwärtern habe ich drei Männer gefunden, bei denen ich das gute Gefühl habe, dass sie jetzt wie das Laufen für Henry das Beste für mich sein könnten. Diese drei Männer werde ich am Wochenende nacheinander treffen – im Dating- Marathon.

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Über den Autor/die Autorin

Julius Kraft

Der 1989 geborene Julius Kraft ist seit sieben Jahren Wahlberliner und hat bis vor Kurzem bei einem Onlineshop Tipps gegeben, welche Sneaker gerade ganz oben auf der Wunschliste stehen sollten. Trotzdem fühlt er sich auf hippen Influencer-Partys fehl am Platz und ist ohne einen Gin Tonic auch fürs Clubknutschen zu schüchtern.