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Bitte nicht: sich selbst aufgeben für den Schwarm

Frisch verliebt tun wir alles für den neuen Partner – und vergessen dabei oft, wer wir eigentlich selbst sind. beziehungsweise-Autor Sascha Grimm hält das für einen schweren Fehler

Mein Kumpel Mario ist frisch verliebt. Es sei ihm gegönnt. Aber seit er „seine Sandra“ kennt, ist er leider nicht mehr wiederzuerkennen. Er geht nicht mehr mit zum Fußball, kommt nicht mehr zum Männerabend und hängt stattdessen jedes Wochenende auf Flohmärkten ab. Dabei hasst er Flohmärkte. Wie die Pest.

Spricht man ihn darauf an, sagt er jedoch nur: „Nein, das ist total super. Schön ausschlafen, mit Sandra brunchen gehen und dann über die Märkte schlendern.“ Und ich lese nur: Brunchen? SCHLENDERN? Wer bist du, und was hast du mit meinem Brunch-und Flohmarkt-hassenden Kumpel gemacht?

Am Anfang ist alles anders

Ich glaube, dass jeder von uns einen „Mario“ im Freundeskreis hat. Einen Menschen, der plötzlich vergisst, wer er ist, und einfach alles über Bord wirft. Seine Freunde, seine Hobbys, seine Werte und Überzeugungen. Anfang 20 war ich auch mal so ein Mario. Als ich damals mit meiner Ex-Freundin Klara zusammengekommen bin, habe ich alles andere ausgeblendet, so verliebt war ich in diese Frau.

Ich wollte jede Sekunde mit ihr verbringen, jeden Abend, jede Nacht. Mit meinen Uni-Leuten ausgehen? Uninteressant. Fußball? Uninteressant. Alles, was Klara gesagt oder getan hat: mega interessant – der Mittelpunkt des Universums. Dieser Beziehungsbeginn war für mich einfach wie eine Droge, von der ich gar nicht genug bekommen konnte.

Tschüss Sozialleben

Im Prinzip ist gar nichts daran auszusetzen, wenn man sich mal für eine Zeit lang aus seinem Freundeskreis abmeldet und andere Prioritäten setzt. Wenn man verliebt ist, möchte man nun mal Zeit mit dem oder der anderen verbringen. Aber: Wenn es Ihnen gerade auch so geht, möchte ich Ihnen dringend davon abraten, Ihr eigenes Leben komplett auf lautlos zu stellen. Denn: Als meine Beziehung mit Klara damals nach zehn Monaten in die Brüche gegangen ist, war ich plötzlich allein.

All meine Freunde hatten sich von mir abgewendet – und das übrigens nicht, weil ich eine neue Freundin hatte – sondern weil ich plötzlich all das abgelehnt hatte, was mich und meine Freunde vorher ausmachte. „Ich dachte, Fußball und Kneipenabende sind dir zuwider“, hat mein Kommilitone Erik damals zu mir gesagt, als ich ihn nach Beziehungsende gefragt habe, ob wir nicht zusammen Dortmund gegen Schalke schauen wollen. Und er hatte Recht damit. All das, was mir vorher wichtig war, hatte ich zehn Monate lang verleugnet. Genau wie all meine Freunde. Nicht sie hatten sich abgewendet, sondern ich.

Es ist nicht der Rausch allein

Wenn man verliebt ist, lassen einen die Hormone handeln wie einen Idioten. Aber ich habe rückblickend festgestellt, dass es damals nicht nur das Verliebtsein war, das mich zum Arsch gemacht hat, der alles aufgegeben hat. Es war vor allem meine Angst vor Zurückweisung.

Glauben Sie mir, ich habe selbst eine Weile gebraucht, um das zu realisieren, aber es stimmt: Ich hatte eine riesen Angst, dass ich nicht genug bin. Dass ich nicht ausreiche, so wie ich bin. Dass man mich nicht mag, wenn ich einfach nur so bin, wie ich bin. Wenn ich zu dem stehe, was mich ausmacht. Logische Schlussfolgerung meines Anfang-20er-Gehirns: Kopiere die Frau, die du liebst. Wenn du das gut findest, was sie mag, dann wird sie dich auch mögen. Und mit allem anderen belästigst du sie erst gar nicht. Glasklare Sache – die funktioniert.

Aber: Der Schein hält nicht ewig

Klara und ich waren damals sehr, sehr glücklich. Aber Sie kennen das Spiel ja sicher: Irgendwann bröckelt die Fassade und es wird ziemlich schnell klar, dass all das nicht echt ist. Man stellt fest, dass man in Wirklichkeit nichts gemeinsam hat. Dass man die meisten Dinge nur getan hat, um es dem anderen Recht zu machen. Und dass, obwohl er das vielleicht nicht einmal eingefordert hat. Tja, und dann trennt man sich. Und stellt fest: Ich bin allein. Ich hab’s versaut – und zwar auf ganzer Linie!

Nie wieder verbiege ich mich!

Dieser Fehler hat mich Freunde gekostet. Menschen, die mir wirklich wichtig waren. Klar, Sie werden jetzt sagen, dass ich auf solche Leute am Ende gut verzichten kann, wenn Sie mich einfach so fallenlassen. Und das stimmt vielleicht auch. Aber ich weiß leider, dass ich nicht „einfach so“ fallengelassen wurde. Meine FreundInnen haben immer und immer wieder versucht, mir die Augen zu öffenen. Mich wach zu rütteln, mir zu sagen, dass es im Leben auch noch etwas anderes gibt, als Klaras Lifestyle – und zwar mich selbst.

Aber ich habe nicht zugehört. Und dafür habe ich am Ende die Rechnung bezahlt. Und ich kann froh sein, dass ein paar meiner Freunde meine Entschuldigung angenommen und mich wieder aufgenommen haben. So, wie wir es wahrscheinlich auch mit Mario tun werden, wenn er eines Tages aufwacht und feststellt, dass er Brunchen hasst und seine Bude voller Flohmarkt-Ramsch steht.

Stehen Sie zu sich

Ich weiß, es klingt nach esoterischem Ratgeber-Blabla: Aber bleiben Sie sich treu, wenn Sie sich verlieben. Stehen Sie zu dem, was Sie glücklich macht, was Ihnen Spaß bereitet. Und geben Sie all das nicht auf, wenn Sie sich verlieben, auch wenn es noch so verlockend erscheint. Und ganz wichtig – neue Liebe hin oder her: Bewahren und pflegen Sie Ihre Freundschaften. Denn Ihre Freunde kennen und lieben Sie bereits so, wie Sie sind, mit allen Ecken und Kanten.

Und es ist wichtig, dass Sie diese Menschen in Ihrem Leben behalten, denn sonst stehen Sie eines Tages vielleicht alleine da – und dann ist niemand mehr bei Ihnen, der Sie daran erinnert, wer Sie eigentlich wirklich sind. Ein Freunde-Tag pro Woche sollte das Minimum sein, plus ein Tag, an dem Sie tun und lassen, was auch immer Sie wollen.

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Über den Autor/die Autorin

Sascha Grimm

Sascha Grimm ist Mitte Dreißig und liebt seine Heimat, den Norden. Er ist Serien-Junkie, mag Sport, Theater und natürlich: Frauen. Er schreibt für ein Online-Magazin und arbeitet als Grafiker in einer Kreativagentur.