Wenn der Job des Partners die Beziehung belastet …

… und was man dagegen tun kann, hat Jana Seelig für ihre neue Kolumne aufgeschrieben.

Der Job als Belastung für die Beziehung

Belastend für eine Beziehung kann es allerdings auch sein, wenn eine Person innerhalb der Partnerschaft in einem Job festhängt, in dem sie*er nicht sein möchte. Den er*sie aber auch nicht bereit ist aufzugeben. Die Gründe dafür können vielfältig sein. Potenzielle Existenzängste, ein zu hohes Verpflichtungsgefühl dem Arbeitgeber gegenüber, Furcht davor, etwas Neues zu beginnen, eine Lücke im Lebenslauf zu riskieren, Geld und Ansehen zu verlieren oder aber auch die Sorge, auch im nächsten Job einfach nicht glücklich zu werden. 

Als Partner*in kann man in einem solchen Fall nichts anderes tun als daneben zu stehen. Dem Gegenüber zuzuhören und vielleicht ganz vorsichtig erzählen, was man selbst an ihrer*seiner Stelle tun würde. Letzteres kann allerdings auch nach hinten los gehen. Schließlich lässt sich niemand von uns gerne in so wichtige Angelegenheiten wie die eigene Karriere reinreden. Spätestens dann, wenn der Job allerdings zu einer permanenten Belastung für die Beziehung wird, muss das Thema auf den Tisch. Ohne Anschuldigen und Vorwürfe, sondern ganz neutral. Zum Beispiel mit der Frage „Wie können wir das Problem gemeinsam lösen?“. 

Dabei geht es gar nicht darum, über einen möglichen Jobwechsel zu diskutieren oder Strategien zu planen, wie man den nervigen Kolleg*innen mal so richtig eins reinwürgen kann. Vielmehr geht es darum, einen Umgang mit den Gefühlen zu finden, die auf beiden Seiten aufkommen, wenn das Thema Beruf angesprochen wird. Es ist ja nicht nur so, dass die Person, die als „emotionaler Mülleimer“ für die Unzufriedenheit des Partners benutzt wird, unter der Situation leidet. Sondern eben auch die Person, die in einem Job gefangen ist, über den es so viel zu meckern gibt, dass es inzwischen beiden aufs Gemüt schlägt.  

Work Talk

Sprich: Beide Parteien in diesem „Konflikt“ haben Bedürfnisse, Grenzen und Gefühle, die valide sind – und die gilt es in einem Gespräch zu erörtern. Was meinem Partner und mir geholfen hat, dass Stress und Unzufriedenheit im Beruf keine Auswirkungen (mehr!) auf unsere Beziehung haben, war im Vorfeld klare Regeln für „work talk“ aufzustellen. Wir reden zum Beispiel nicht beim gemeinsamen Essen über die Arbeit (oder generell darüber, wie schrecklich unser Tag doch war). Lieber setzen wir uns noch danach für einen zeitlich vordefinierten Rahmen bei einem Getränk zusammen, um uns gegenseitig so richtig auszukotzen oder auch größere Arbeitsproblemen miteinander zu besprechen. Gemotzt werden darf nur, wenn es nicht anders geht nebenbei. Und sonst versucht jeder von uns, die Arbeit wirklich auf der Arbeit zu lassen – auch wenn das im Home Office noch schwerer ist denn je.  

Natürlich gibt es Jobs, die von sich aus beziehungsunfreundlicher sind als andere. Berufe, in denen Schichtarbeit eine Grundvoraussetzung ist, Jobs, die viele Geschäftsreisen verlangen oder auch Jobs, deren Ausübung mit einer Gefahr für die Gesundheit verbunden ist, sind üblicherweise schwieriger mit dem Beziehungsleben zu vereinbaren als 9-to-5-Bürojobs.

Als Partner*in darf man sich natürlich fragen „Komme ich mit dem Beruf, den mein*e Partner*in ausübt, dauerhaft klar?“ oder auch „Macht mich ein*e Partner*in, die wegen ihres*seines Jobs ständig schlecht drauf ist, überhaupt glücklich?“. Wenn die Antwort darauf „Nein!“ lautet, dann ist es selbstverständlich legitim, den Schlussstrich zu ziehen und sich zu trennen. Genauso wie es nicht verwerflich ist, in einer Beziehung mit jemandem zu bleiben, dessen Job in die Kategorie „toxisch“ fällt. Am Ende ist Beziehungs- und Arbeitsglück eben doch das, was man selbst draus macht. 


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