Die dunkle Seite von Freundschaft Plus: Nesting – Ein Dating-Trend, der zu Kummer führt

Nesting ist eines dieser Dating-Phänomene, die an und für sich zwar nicht neu sind, aber dank Social Media vermehrt Beachtung finden. In ihrer Kolumne klärt Jana Seelig auf, was Nesting eigentlich ist, welchen Einfluss es auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen hat und wie man sich davor schützen kann.

Schon mal was von Nesting gehört? Ich bis vor Kurzem auch nicht. Dabei beschreibt es ein Phänomen, das ich selbst bereits erlebt habe. Eine Beziehung, bei der einer der beiden Partner (meist der Mann) darauf besteht, dass das intensive Zusammensein, das man gemeinsam erlebt, keine Beziehung ist. Sondern eine Freundschaft, in der man auch Sex hat. Während „casual dating“ früher nur Booty Calls und Geschlechtsverkehr bedeutete, ist es heute so, dass darunter alles verstanden wird, was „richtiges Dating“ ausmacht. Nur eben, dass das Thema feste Beziehung überhaupt nicht zu Debatte steht.

Nun lässt sich ja gegen eine Freundschaft Plus überhaupt nichts einwenden. Auch ich führe eine enge Freundschaft, in der es ab und an zu körperlicher Intimität und Sex kommt. Doch im Unterschied zu Bekanntschaften, mit denen man auch schläft, teilt man beim Nesting das Leben schon so miteinander, als würde es sich um eine Paarbeziehung handeln. Nur, dass man es stattdessen eben „Freundschaft Plus“ nennt. Und der (Sex-)Partnerin so unmissverständlich mitteilt, dass sie trotz des ständigen Zusammenseins keine Ansprüche stellen darf.

Männer behandeln die Frauen also so, als wären sie in einer Beziehung. Und holen sich neben körperlicher Nähe auch intensiven emotionalen Support und liebevolle Zuneigung. Gleichzeitig erwarten sie aber, dass besagte Frauen bemerken, dass es niemals zu einer „richtigen“ Beziehung kommt. Damit holen sie sich nicht nur die Vorteile, die eine Beziehung mit sich bringt, ins Haus. Gleichzeitig müssen sie nicht auf die Benefits verzichten, die das Singleleben so mit sich bringt. Klingt wie ein Arschloch-Move? Ist es auch. Denn, liebe Männer, wenn ihr auf der Suche nach emotionalem Support und Intimität seid, ist das nicht „casual“. Auch dann nicht, wenn ihr euch beim besten Willen keine gemeinsame Zukunft mit ihr vorstellen könnt. Nur, weil man der Sache den Namen „Freundschaft Plus“ gibt, ändert das nichts an der Tatsache, dass man eigentlich eine Beziehung miteinander führt. Und diese entsprechend würdigen sollte.

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