Wie Sie Ihrem Partner Ihre sexuellen Wünsche mitteilen, mit oder ohne App

Okay, Beurteilungen sind hier fehl am Platz, denn wer was miteinander auslebt, darf ja jeder selbst entscheiden. Schließlich bewirkt ja genau dieses bewertende Denken überhaupt, dass Schamgefühle manche Menschen davon abhalten, ihre sexuellen Wünsche anzusprechen und auszuleben. Doch irgendwie bringen mich genau diese „Oh Gott, nein!“-Momente dazu, die App erst einmal wieder wegzulegen und meinem Freund nicht sofort davon zu erzählen.

Zusammen macht es mehr Spaß!

Ein paar Tage später als wir gemeinsam auf der Couch sitzen, erzähle ich meinem Partner von meinem App-Test und er hat Lust, es auch einmal auszuprobieren. Daher beginnen wir, uns – zunächst jeder für sich am eigenen Telefon – durch die Vorschläge zu klicken. Am Anfang etwas ernüchtert – man kann nämlich pro Session immer nur eine begrenzte Anzahl von Vorschlägen durchgehen und wenn hier nicht direkt Gemeinsamkeiten dabei sind, wirkt es erst einmal etwas langweilig, da nichts passiert. Nachdem wir aber fleißig weiterswipen, werden uns am nächsten Tag endlich ein paar Matches angezeigt – größtenteils Dinge, die bereits Teil unserer gemeinsamen Sexroutinen sind.

Dabei fällt uns das aus unserer Sicht größte Manko der App auf ­– man kann sich nämlich nicht anschauen, welche anderen Spielarten der jeweils andere geliked hat. Diese fallen einfach heimlich, still und leise unter den Teppich. Und das, obwohl sie ja trotzdem irgendwie in einem präsent bleiben. Sind also das nicht mindestens genauso wichtige Informationen, um besser zu verstehen, wie der Partner sexuell tickt und wo die gemeinsamen Schnittmengen abweichen. Denn vielleicht könnten wir – wenn wir darüber reden und verstehen, wie wir beide jeweils darüber denken – doch einen gemeinsamen Zugang dazu finden.

Daher ändern wir das Spiel schnell ab – wir hören auf, jeder für sich selbst vor seinem Smartphone zu sitzen, und beginnen uns gemeinsam durch die Vorschläge zu klicken. Dabei reden wir darüber, was den einen an der Fantasie an- oder den anderen abturnt, lachen viel und lernen wirklich ganz viel Neues übereinander.

Tatsächlich fand ich die App im Nachhinein zum Unterstützen dieses Sex-Dialogs super – man schaut sich als Paar einmal die Sexlandkarte an und nordet sich gemeinsam darauf ein. Auch wenn wir über viele Sachen und Vorlieben schon vorher gesprochen hatten, war das auf jeden Fall ein Mehrwert.

Darüber reden bleibt nicht aus!

Ich denke, dass vor allem schüchterne Menschen, die sich nicht trauen, ihre Bedürfnisse offen anzusprechen, von dieser App profitieren. Doch über eines sollte man sich bewusst sein: Die Kommunikation hört ja nicht auf, sobald die Matches generiert wurden. Sie fängt dann erst richtig an! Denn das, was auf den Karten steht, sind nur kurze Schlagworte und noch keine detaillierte Regieanweisung, die erklärt, wer was wie und wann genau möchte und wie man das Ganze miteinander in die Tat umsetzt. Es hilft also nichts, über Sex und seine Bedürfnisse zu sprechen, muss man immer noch (lernen).

Allen, denen dieser offene Dialog noch schwerfällt, empfehle ich, sich Stück für Stück darin zu üben. Wenn ich daran denke, was es mir erleichtert hat, meine Bedürfnisse heute so einfach auszusprechen und so transparent über mein Sexleben zu kommunizieren, dann kann ich Ihnen vor allem einen Tipp geben und der ist: „Einfach machen!“ Und die Stimmen im Kopf, die einem sagen wollen, dass man so etwas doch nicht tun kann, einfach leiser zu drehen.

Sie können über alles sprechen!

Sie können über alles sprechen! Denn Ihre sexuellen Bedürfnisse sind nichts anderes als die Bedürfnisse, die Sie in anderen Bereichen des Lebens haben. Sie sind nur so lange tabuisiert und aus der Öffentlichkeit ferngehalten worden, dass manche Menschen immer noch denken, dass sie sich für ihre Wünsche schämen müssten. Vielleicht wirkt es auf den ersten Blick einfacher, Ihrem Partner zu sagen, was Sie essen oder wie Sie Ihre Freizeit verbringen wollen, anstatt ihm zu sagen, wie er Sie nehmen und anfassen soll.

Doch es ist nur deshalb scheinbar leichter, weil diese Dinge normaler sind und Sie diese bereits öfter gemacht haben. Reißen Sie daher einfach die Schamschranken in Ihrem Kopf ein und stehen Sie zu Ihren Bedürfnissen. Denn es ist absolut okay, sie zu haben. Viel mehr noch: Es ist aus meiner Sicht sogar Ihre Pflicht, Ihrem Partner zu sagen, was Sie sich wünschen. Denn schließlich sind Sie der Experte für Ihren Körper und Ihre Sehnsüchte, da Sie in Ihrem Leben am meisten Zeit mit sich verbracht haben und bei all Ihren sexuellen Erlebnissen dabei waren. Sie haben daher den besten Einblick in das ‚was‘ und ‚wie‘ es Ihnen guttut. Und es ist nur fair, Ihrem Partner diese Informationen zur Verfügung zu stellen, schließlich kann er nicht in Ihren Kopf und Ihre sexuellen Fantasien schauen, wenn Sie diese vor ihm geheimhalten.


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