Führt Pornokonsum zu Erektionsstörungen?

Männer, die regelmäßig Pornos schauen, leiden häufiger an Erektionsstörungen –so das Ergebnis einer neuen Studie. Aber liegt das wirklich nur am Pornokonsum?

Das Sexleben der meisten Paare dürfte sich stark von jenem unterscheiden, welches in Pornos dargestellt wird. In der „Porno-Realität“ scheint es keine Beschränkungen zu geben. Da haben beide wie auf Knopfdruck Lust und treiben es schier stundenlang miteinander. An nahezu jedem erdenklichen Ort. Und natürlich bescheren sie sich einen fantastischen Orgasmus nach dem anderen.

Klingt vielleicht aufregend, geht aber völlig an der Realität eines „stinknormalen Paares“ vorbei. Pornographie zeichnet ein verzerrtes Bild der Sexualität, das Paare enorm unter Druck setzen kann. Kein Wunder, dass es mittlerweile unzählige Berichte von Pornosüchtigen gibt, die über massive Probleme im realen Sexleben klagen. Sehr häufig wird dabei auch von Erektionsstörungen berichtet.

Erektionsstörungen und Pornokonsum hängen zusammen

Dieses relativ neuartige Phänomen –der weltweite Pornokonsum stieg durch das Internet ab Mitte der 2000er stark an –wurde kürzlich in einer Studie der Universität Antwerpen untersucht, an der 3267 Männer teilnahmen. Zentrales Ergebnis: Es gibt tatsächlich einen positiven Zusammenhang zwischen erhöhtem Pornokonsum und Erektionsstörungen. Heißt: Männer, die viel Pornos schauen, haben mit höherer Wahrscheinlichkeit Erektionsstörungen.

Beziehungsssex? Och, nö!

Nur 65 Prozent der befragten Männer fanden echten Beziehungssex stimulierender als pornographische Darstellungen. Folglich bezogen 35 Prozent aus Pornos einen größeren Lustgewinn als aus dem Sex mit der Partnerin. Der durchschnittliche wöchentliche Pornokonsum betrug übrigens 70 Minuten. Eine „Session“ dauerte meist zwischen 5 und 15 Minuten.

Aber warum geht übermäßiger Pornokonsum oft mit Erektionsstörungen einher?

Die Wissenschaftler erwähnen in ihrer Interpretation der Studienergebnisse einen Effekt, der aus anderen Kontexten wohlbekannt ist –den Gewöhnungseffekt (analog zur Toleranzentwicklung). Auf den Pornokonsum bezogen bedeutet das: Viele Menschen neigen dazu, sich an ein bestimmtes „Stimulationsniveau“ zu gewöhnen und benötigen dann eine intensivere Stimulation, um eine vergleichbare Erregung zu verspüren. Vorausgesetzt, eine solche ist überhaupt möglich. Die konsumierten Pornos werden dann immer härter und ausgefallener.

Die Folge davon ist allerdings, dass der bereits erwähnte „stinknormale Beziehungssex“ einfach nicht mehr antörnt, so dass das Erregungsniveau nicht erreicht oder gehalten werden kann, das für eine ausreichende Erektion notwendig wäre. Natürlich können hierbei auch noch weitere Faktoren wie Stress oder körperliche Erkrankungen eine Rolle spielen.

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