Keine Beziehungserfahrung. Kann das gut gehen?

Männer finden Newbies gut. Frauen eher nicht. Jule Blogt über die nötige Beziehungserfahrung für eine glückliche Partnerschaft

„Stell dir vor, du verliebst dich in eine Frau, die noch nie einen festen Partner hatte. Wie würdest du damit umgehen?“, fragte ich bei einem Bier einen meiner besten Freunde. „Das wäre mir eigentlich egal! Ich habe doch genug Erfahrung, von der wir beide profitieren könnten. In schwierigen Situationen sollte sie natürlich auf mich hören“, erhielt ich als Antwort.

Ich war leicht überrascht, da ich eher mit einer misstrauischen Antwort gerechnet hätte. Ich dachte, mein Gegenüber würde erstmal hinterfragen, welche Gründe es gab, dass diese Frau noch keinen festen Partner gefunden hatte. So ganz überzeugt war ich von seiner Antwort allerdings nicht. War das nur so daher gesagt, oder ticken andere Männer in dieser Hinsicht ähnlich? Ich schnappte mir mein Laptop und ging meine Freundesliste auf Facebook durch. „Wie wäre es für dich, wenn du eine Frau kennenlernen würdest, die wenig oder keine Beziehungserfahrung hat? Wäre das ein Ausschlusskriterium für dich?“, tippte ich an alle meine engeren männlichen Kontakte. Verdammt, ich hatte mich geirrt! Ich erhielt eine ziemlich einheitliche Antwort: „Nö, ich glaube nicht. Wenn sie mir verspricht, Verbesserungsvorschläge ernst zu nehmen.“ Damit hatte ich nicht gerechnet.

Beziehungserfahrung ist so etwas wie Berufserfahrung. Bevor man einen „neuen Job“, ergo eine Beziehung eingeht, wird gerne mal abgefragt, welche Erfahrung man denn vorweisen könne. Wie wichtig ist diese Beziehungserfahrung?

Frauen sind sehr viel skeptischer als Männer

Es wurde Zeit, die gleiche Frage an meine Damen zu stellen. Würde ich die gleiche Antwort erhalten? Doch diesmal lag ich richtig. „Naja, es muss ja einen Grund gegeben haben, dass den vorher keine wollte.“ „Wer garantiert mir dann, dass der Kerl nicht gleich wieder abhaut, wenn ihm etwas nicht passt?“. Die weiblichen Meinungen waren um einiges kritischer, als die der Herren. Doch woran liegt das? Man sollte beachten, in welchem Alter meine Damen sind. Zwischen 25 und Anfang 30. Sie befinden sich also genau in der Phase des Lebens, in der man sich mit dem ernsthaften Gedanken an Familienplanung beschäftigt. Hier ging es um eine stabile Zukunft, Verlässlichkeit und Sicherheit. Diese Sicherheit erwarteten sie allerdings nicht von einem Mann, der wenig bis keine Beziehungserfahrung mitbrachte. Die Unsicherheit war einfach zu groß, so dass die meisten Damen einen solchen Mann aussortieren würden. Ich nehme mich da nicht aus. Vor einem Jahr lernte ich einen Mann kennen, der augenscheinlich perfekt zu mir passte. Doch er war ein Stückchen jünger und absolut Beziehungsunerfahren. Er gab sich die größte Mühe mir gerecht zu werden, doch ich traute ihm nicht zu, auch in „schlechten Zeiten“ an meiner Seite zu bleiben. Ich hatte einfach keine Lust, ihm die Spielregeln einer Beziehung beizubringen. Das hatte ich alles schon gehabt, dafür war ich zu alt. Dazu sollte ich erwähnen, dass meine 7-jährige Beziehung genauso gestartet ist. Mein damaliger Freund war komplett neu im „Beziehungsbusiness“ und ich nahm ihn an die Hand. Das funktionierte, weil wir jung und mutig waren. Es gab ja nichts zu verlieren, mit unseren noch nicht einmal 20 Jahren. Doch umso älter wir werden, desto wichtiger erscheint es, dass wir einen erfahrenen Partner an unserer Seite haben. Zumindest aus Frauensicht.

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