Händchen halten – eine der schönsten Nebensachen der Welt

Altmodisch und total kitschig? Von wegen! Unsere Autorin Julia Malz erzählt uns, warum Händchen halten so wunderschön ist und wir das viel öfter tun sollten

Je älter man wird, desto weniger Dinge erinnert man auf den Punkt genau. Doch würde ich an dieser Stelle die verwegene Behauptung aufstellen, dass ich mich in jeder vergangenen Beziehung an jenen Moment erinnern kann, in dem meine Hand zum ersten Mal in die des Anderen glitt. Ganz offiziell, auf offener Straße, vor Menschen, die man gar nicht kannte, gaben zwei verwobene Hände zu erkennen: Wir gehören zusammen, die Finger verflochten im verliebten Schulterschluss.

Als junges Mädchen gehört das Prinzip ‚Händchen halten‘ fest zum Repertoire des Ausdrucks. Mit einer Freundin Hand in Hand zum Spielplatz traben, oder später ebenso verbunden und fürchterlich geschminkt die erste Kurve auf dem Weg zur Oberstufenparty nehmend. Die eine in der anderen Hand gibt Wärme, Sicherheit und Vertrauen. Sie stärkt das Gefühl, nicht allein zu sein. Hand in Hand! Hier kommt nicht nur eine, hier kommen gleich zwei!

Es ist also eine Geste, die verbindet. Zwei Menschen, nebeneinander, den Blick nach vorne gerichtet, die Hände verschränkt in dem Bestreben, sich zu halten und der Welt zu zeigen: Hier sind wir und dies nicht allein.

Die eine Hand, die nach der anderen greift, wird zum Anker und zur Freude, man kann sich halten oder führen, kann tastend nach einer Antwort fragen, wenn vorher Stille herrschte, vielleicht im Streit, in Unsicherheit. In eigentlich allen Kulturen der Welt wird die angebotene, geöffnete Hand als Bitte verstanden.

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