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Eine Liebe und zwei Wohnungen – ist das wirklich Liebe?

Das stellt meine ganze Welt auf den Kopf. Ich bin fassungslos, ich habe Angst, dass unsere Beziehung diesen Konflikt nicht aushält. Wir haben schon viele hitzige Diskussionen über das Thema „Zusammenziehen“ geführt. Lisa wirft sich für ihre Vision einer glücklichen Zukunft für uns ins Zeug und meint, sie sei nicht allein mit ihrer Ansicht, dass getrennte Wohnungen sehr gut für die Liebe sind, es gäbe sogar einen Ausdruck für dieses Lebensmodell: „Living apart together“ (LAT).

Dahinter steckt: Dass man wirklich sein Leben Seite an Seite verbringen möchte, in guten und in schlechten Zeiten, bis dass der Tod uns scheidet, dass man dem Partner vom Herzen her nah sein möchte – und dennoch nicht mit ihm eine Wohnung oder ein Haus teilen will. Weil einfach jeder seinen Rückzugsort braucht und weil dieses ständige Aufeinanderhocken der Liebe die Lebendigkeit nimmt, so die Anhänger dieses Beziehungsmodells.

Lisa war noch nie verheiratet, aber sie hatte zwei lange Beziehungen, die leidenschaftlich begannen und in denen es am Ende zermürbend darum ging, wer den Müll runterbringt. Das ist Lisas Sicht der Dinge. Man gibt sich einfach keine Mühe mehr, wenn der andere stets verfügbar ist. Sie postuliert: Das liegt in der menschlichen Natur, dass eine gewisse Distanz die Liebe beflügelt. In der Sache darf man sich nichts vormachen. Doch schwer verliebte Frauen und Männer machen sich leider etwas vor und tappen regelmäßig in die gleiche Falle, je enger, desto besser – das ist ihr Bild von einer erfüllten Beziehung.

Liebe ist nicht gemütlich

Lisa sagt: „Wenn ich von Distanz spreche, dann ausdrücklich nicht von emotionaler Distanz. Das unterstellt mir Christian, er glaubt, dass ich mir ein Hintertürchen offenlassen möchte, dass ich nicht richtig zu ihm stehe. Ich spreche auch nicht von Unverbindlichkeit, von Untreue oder dergleichen. Ich brauche keine sturmfreie Bude, um fremdzugehen. Ich spreche schlicht und ergreifend davon, dass jeder der Liebenden seine eigene Wohnung haben sollte und dass man sich eben abwechselnd in diesen besucht, dass man vielleicht auch einmal eine Woche in einer der beiden Wohnungen verbringt oder länger. Und selbstverständlich ist man präsent, wenn der andere einen braucht, wenn er zum Beispiel krank ist.

Ja, das mag umständlich sein, man muss sich organisieren, man muss entweder ständig seine Zahnbürste mit sich herumschleppen oder in der Wohnung des Partners auch seine Sachen deponieren, diese Variante würde ich vorziehen. Ich möchte in der Wohnung von Christian zu Hause sein, und er soll sein Zuhause auch bei mir haben. Und dennoch bestehe ich darauf, dass jeder sein eigenes Zuhause hat, so unbequem das sein mag. Liebe ist eben nicht gemütlich. Wenn sie es wird, ist sie schon vorbei. Liebe fordert einem etwas ab. Wenn Christian mir vorwirft, ich würde ihn nicht genügend lieben, könnte ich ihm vorwerfen, dass er nicht bereit ist, sich für unsere Liebe anzustrengen.“

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Über den Autor/die Autorin

Birgit Ehrenberg, geboren 1962, ist Journalistin und studierte Philosophin. Sie begleitet und unterstützt Menschen mit ihrer Expertise in existenziellen Fragen zur Liebe und ist seit vielen Jahren erfolgreiche Autorin zum Thema. Auf beziehungsweise führt die Liebesforscherin mit Paarberater Eric Hegmann regelmäßig Gespräche über das Wesen der Liebe.