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Was passiert, wenn ein Partner mehr liebt als der andere?

Ist Liebe in jeder Beziehung gleich verteilt? Gastautorin Kirsten Schwieger hat ihre Zweifel und nennt Verhaltensweisen, die Paaren gut tun

Neulich kam eine Freundin ganz geknickt zu mir und meinte, sie liebt ihren Freund mehr als er sie. Ob das wohl auf Dauer gut gehen könne?

Perplex fragte ich sie, wie sie denn auf die Idee käme und woran sie dies überhaupt festmacht? „Ein untrügliches Gefühl“, antwortete sie mir. Und setzte damit bei mir auf dem Nachhauseweg eine Lawine an Überlegungen in Gang. Und eine kleine Recherche.

Kann man Liebe überhaupt messen? Und wenn ja, in welchen Maßeinheiten? Und kann es in einer Beziehung überhaupt darum gehen, Gefühle aufzurechnen? Ist eine Partnerschaft womöglich ein Wettkampf, mit Sieger und Verlierer? Oder ist die Liebe vielmehr ein flatterhaftes Geschöpf, welches in einer Partnerschaft zwischen den Partnern hin und her pendelt? Mal liebt der eine „mehr“, mal der andere?

Liebe in vielen Variationen

Die Antwort lautet: Die Lage ist eindeutig kompliziert! Handelt es sich bei zwei Liebenden in der Regel doch um unterschiedliche Persönlichkeiten, mit möglicherweise unterschiedlichen Erwartungen an eine Beziehung und daraus resultierenden unterschiedlichen Prioritäten. In den meisten Fällen betrifft es sogar zwei unterschiedliche Spezies mit völlig verschiedenen Sprachen (Sie wissen schon, Männer kommen ja angeblich vom Mars, Frauen von der Venus ;-))

So kommt es ja nicht selten vor, dass beispielsweise ein Partner mehr Nähe braucht, während sich der andere mehr Freiraum wünscht. Doch können von der Persönlichkeit eines Partners noch lange keine Rückschlüsse auf die Intensität der Liebe gezogen werden. Zudem drückt jeder seine Liebe auf andere Weise aus, jeder definiert sie auch anders. Diesen Tatbestand sollte man bei der möglicherweise voreiligen Diagnose „Ich liebe mehr“ auf jeden Fall im Hinterkopf haben.

Interessanterweise kann es auch gut vorkommen, dass beide Partner gleichzeitig das Gefühl haben, mehr zu lieben als der andere. In diesen Fällen hilft manchmal schon ein klärendes Gespräch nach der Offenbarung.

Auf die Balance kommt es an

In vielen Beziehungen herrscht allerdings das „Gummibandprinzip“ vor: Ein Partner fühlt sich emotional überrannt und zieht sich zurück, der andere kontert ebenfalls mit Rückzug, woraufhin der ursprünglich distanzierende Part wieder mehr Nähe sucht. Ein lustiger Reigen aus Nähe und Distanz mit zwei Darstellern in mehreren Akten. Wechselnde Rollenverteilung durchaus möglich. Auf diese Art und Weise Beziehung zu leben, ist natürlich ziemlich anstrengend, kann aber funktionieren. Nämlich dann, wenn die Unausgewogenheit dadurch in die Balance kommt, dass die Partner irgendwann „quitt“ sind in diesem Reigen. Das Beziehungskonto ist wieder ausgeglichen – bis zum nächsten Akt.

Besteht aber keine Balance und ist das Beziehungskonto einseitig im Minus, muss das nicht per se eine Tragödie sein. Und zwar in den Fällen, in denen der „benachteiligte“ Partner gar keinen Leidensdruck verspürt. Vielleicht, weil er sich trotzdem ausreichend geliebt fühlt oder schlicht und ergreifend akzeptiert, dass er in der Regel mehr gibt als der andere.

Sobald ein Partner aber beständig das Gefühl hat, mehr zu „investieren“ als der andere (sei es nun Aufmerksamkeit, Zeit, Zärtlichkeit oder auch Geld) und darunter leidet, wird die Angelegenheit zum Problem. Unter dem übrigens oft beide Seiten leiden: „Wenn ich zu wenig bekomme, wächst innerlich Ärger, bekomme ich zu viel, entsteht ein Schuldgefühl“, weiß der amerikanische Psychologieprofessor Terry D. Hargrave.

Den Teufelskreis durchbrechen

Nicht selten wird dann sogar ein Teufelskreis in Gang gesetzt. Laut Prof. Dr. Dean C. Delis, Psychotherapeut und Professor für Psychiatrie, entspinnt dieser sich folgendermaßen: Wenn Liebe und Anziehungskraft bei den Partnern nicht gleich stark sind, wird der, der weniger liebt, zum Überlegenen und der andere zum Unterlegenen. Der Unterlegene tut alles, um die Liebe und Aufmerksamkeit des anderen (zurück) zu gewinnen. Er wird abhängig vom Partner und dessen Zuneigung. Der Überlegene fühlt sich von seinem Partner und dessen Liebesbeweisen kontrolliert, sieht sich selbst als schuldig an und zieht sich immer weiter zurück. Woraufhin der Unterlegene sein Werben noch weiter verstärkt und damit nur das Gegenteil erreicht. (Buchtipp: Dean C. Delis: Ich lieb dich nicht, wenn du mich liebst – Nähe und Distanz in Liebesbeziehungen.)

Delis bezeichnet diese Spirale als „paradoxe Leidenschaft“ und entwickelte für solcherart „unausgewogene Beziehung“ gleich einen neuen Ansatz in der Paartherapie. Dieser zielt darauf ab, eingefahrene Verhalten beider Partner zu verändern und so die Möglichkeit zu schaffen, neue Liebe und eine gleichberechtigte Partnerschaft wachsen zu lassen. Hierzu will Delis beide Partner von ihren Schuldgefühlen befreien, Kommunikationsbarrieren ausräumen und so Beziehungen wieder in die Balance bringen.

Ich denke, das nächste Gespräch mit meiner Freundin wird etwas länger – schließlich können wir ihrem „Gefühl“ jetzt doch ein wenig fundierter auf den Grund gehen.

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Über den Autor/die Autorin

Kirsten Schwieger

Kirsten Schwieger ist freiberufliche Journalistin und findet, dass auch Mutterliebe die Hormone ganz schön zum Tanzen bringt.