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Trennung – aber bitte richtig!

Eine Liebe ist vorüber, die Beziehung am Ende. Die Trennung steht an. Gastautor André Martens weiß, wie man richtig mit dieser Situation umgeht

Vielleicht liegt sie bereits seit Monaten in der Luft. Man hat mit sich gerungen, gemeinsam mit dem Partner für die Beziehung gekämpft – doch es hat nicht sein sollen. Die Zeit ist reif – aber innerlich ist da nichts als Leere und Angst vor dem entscheidenden, finalen Schritt. Wie trennt man sich „richtig“? Gibt es einen Königsweg beim Schlussmachen?

Herztod – Der Endzustand einer Beziehung

Neben dem sich verlieben, geboren werden und sterben scheint es die normalste Sache der Welt zu sein: Sich zu trennen, wenn eine Beziehung am Ende ist. Vor allem in unserer liberalen, progressiven Gesellschaft. Doch tatsächlich tun wir Menschen uns notorisch schwer mit Abschieden und Endpunkten. Und das ist auch nur allzu verständlich, schließlich brechen doch durch eine Trennung endgültig alle Hoffnungen, Wünsche und Träume in sich zusammen, die wir mit der Partnerschaft verknüpft hatten.

In aller Regel ist einer der beiden Partner innerlich bereits „weiter“ im Trennungsprozess fortgeschritten als der andere; eine Trennung im gegenseitigen Einverständnis ist doch eher die Ausnahme. Dennoch ist es für beide Seiten eine schwierige Situation, insbesondere wenn man bereits seit vielen Jahren oder Jahrzehnten ein Paar war und gemeinsam schon so manche Höhen und Tiefen erlebt hat. Es mag einen Algorithmus für das Finden der Liebe geben, nicht jedoch für das Ende der Liebe. Den Point-of-no-return zu finden, den Punkt, an dem ein Zurück ausgeschlossen ist, ist nicht leicht. Manche Beziehungskrise kann gemeinsam gemeistert werden, aus eigener Kraft, oder aber auch mit fremder Hilfe (etwa einer Paarberatung), wenn beide wirklich kämpfen wollen.

Mögliche Gründe

Die möglichen Gründe für einen Trennungswunsch sind so vielfältig wie wir Menschen selbst. Unterscheiden lassen sich mindestens drei häufig anzutreffende Formen:

  1. Zum einen die „Bilanz-Trennung“, bei der die Trennung den Endpunkt eines meist längeren Prozesses kontinuierlicher Verschlechterung der Beziehung darstellt. Hierzu zählen auch Trennungen aufgrund gegensätzlicher, unversöhnlicher Vorstellungen bezüglich der Zukunft, die immer bedeutsamer werden, etwa ein einseitiger Kinderwunsch.
  2. Zum anderen, als speziellere Form, die „Jetzt-reicht’s-endgültig-Trennung“ nach einem einschneidenden Ereignis, welches das Fass gewissermaßen zum Überlaufen bringt. Das kann ein Seitensprung in einer ohnehin schlecht laufenden Beziehung sein, aber auch etwas von außen betrachtet wesentlich Trivialeres.
  3. Und dann gibt es da noch die „Knall-Trennung“ – bei der die Trennung wie aus dem „Nichts“ kommt, in der Regel dann aber doch nach einem einschneidenden Ereignis.

In allen Fällen gilt: Überstürzen Sie nichts im Affekt!

Erlauben Sie sich auch nach einschneidenden Erlebnissen erst einmal einen Cool-down und ein wenig Reflexion.

Ist noch etwas zu retten? Stellen Sie (sich) die richtigen Fragen!

Eine Entscheidung zu fällen können wir Ihnen nicht abnehmen. Aber wir können Ihnen einige Fragen an die Hand geben, die Sie vielleicht ein Stück voranbringen. Hören Sie einfach mal in sich hinein, was Ihr Herz, Kopf und Bauch jeweils sagen (unsere Fragenliste ist natürlich nicht vollständig):

  • Was lieben, bewundern und wertschätzen Sie an Ihrem Partner?
  • Was verbindet Sie beide derzeit noch (z.B. gemeinsame Werte, Kinder, Eigentum usw.)?
  • Welche „Lücke“ würde eine Trennung in Ihr Leben reißen? Warum sind Sie überhaupt noch bei Ihrem Partner?
  • Was sind die „Kosten“ einer Trennung (evtl. auch für gemeinsame Kinder)?
  • Was ist in Ihrem Leben nicht möglich, solange Sie sich in Ihrer bestehenden Partnerschaft befinden? Ist es wirklich partout nicht möglich, auch nach großer Anstrengung?
  • Wie sähe Ihr Leben wohl ein Jahr nach einer Trennung aus?
  • Wie soll Ihr Leben, Stand jetzt, in fünf beziehungsweise in zehn Jahren idealerweise aussehen?
  • Wie sieht für Sie eine befriedigende, gute Partnerschaft aus? Was hiervon erleben Sie in Ihrer derzeitigen Partnerschaft, und was nicht?
  • Gibt es Dinge in Ihrer Partnerschaft, die für Sie schlicht und einfach nicht hinnehmbar sind?
  • Was ist die – implizite – Beziehungsperspektive (gemeinsame Pläne, Ziele, Wünsche, Interessen…) in Ihrer Partnerschaft beziehungsweise welche Beziehungsziele haben Sie beide? Gibt es unvereinbare Zielvorstellungen?
  • Haben Sie noch Respekt vor Ihrem Partner? Haben Sie Vertrauen?
  • Wie sieht Ihr Sexualleben aus?
  • Möchte Sie mit dem jetzigen Partner zusammen alt werden?
  • Welche Persönlichkeit sind Sie, welche Ihr Partner – und wie passen beide Persönlichkeiten zusammen?
  • Wie sieht die Kommunikation, der persönliche Austausch mit Ihrem Partner aus? Was für Konflikttypen sind Sie beide (wie gehen Sie mit Konfliktsituationen um? Zum Beispiel ausweichend oder konfrontativ)?
  • Wie hat sich Ihre Beziehung in den letzten Monaten beziehungsweise Jahren entwickelt? Was waren wichtige Ereignisse, Wendepunkte usw.?
  • Für und Wider: Was genau spricht für das Gehen und Schlussmachen, was spricht dagegen?

Die große Herausforderung: Eine echte Entscheidung fällen

Zu behaupten, in einigen wenigen Sätzen eine Anleitung geben zu können, wie man eine richtige, gute, ja die „beste Entscheidung“ fällt, wäre vermessen. Das kann niemand. Aber wir haben einige Tipps, wie Sie sich leichter in eine Situation versetzen, in der Sie dann eine eigene Entscheidung fällen können, zu der Sie stehen:

  • Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Partner (auch und gerade über problematische Aspekte Ihrer Beziehung). Um ihn geht es ja schließlich.
  • Suchen Sie das Gespräch mit guten Freunden oder auch Familienmitgliedern, denen Sie vertrauen. Diese werden auch keine Patentlösung parat haben, können Ihnen aber enorm dabei helfen, Ihre Gedanken zu ordnen und sich Ihrer eigenen Gefühle bewusster zu werden.
  • Kauen Sie obige Fragen immer wieder durch und suchen Sie vielleicht noch weitere in der entsprechenden Literatur (eine Auswahl finden Sie unten). Über Fragen nachzudenken und sich eigene Gedanken zu machen – und dabei eigene Gefühle zu spüren – hat einen riesigen Vorteil: Die Antworten, die Sie finden, sind wirklich Ihre eigenen Antworten und nicht die eines anderen Menschen.

Die Trennung selbst: Schlüsseltugend Respekt

Der Schlüssel zu einer „richtigen“ Trennung ist Respekt. Respekt vor dem Partner als Mensch, Respekt vor den guten Zeiten in der Beziehung und damit auch Respekt vor sich selbst. Auch wenn Ihr Partner Sie vielleicht schwer verletzt und gekränkt hat und Sie sehr, sehr gute Gründe für eine Trennung haben: Tun Sie es ihm nicht nach. Hierdurch wird die Vergangenheit auch nicht besser.

Seien Sie respektvoll!

Eine Trennung tut schon von alleine genug weh. Machen Sie sie nicht durch respektloses Verhalten noch schwieriger. Und auch in dem Fall, dass Ihr (Ex-)Partner sich respektlos Ihnen gegenüber verhalten hat, können Sie ihm (oder ihr) durch Ihren Respekt noch einmal zeigen, was Not getan hätte.

Zu einer respektvollen Trennung gehört auch ein persönliches Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Außer in Extremfällen (etwa Gewalt durch den Partner) ist dies immer der Königsweg.

Kleiner Trennungs-Knigge: Absolute No-Gos beim Schlussmachen

Es gibt einige Dinge, die sollten Sie bei einer Trennung tunlichst vermeiden. Hierzu gehört:

  • Trennung 2.0: Wenn Sie aus dem Schulalter heraus sind, gilt: Teilen Sie Ihrem Partner Ihre Entscheidung niemals per SMS, Whatsapp-Nachricht oder schlimmer noch per geänderten Facebook-Status mit! Das ist einfach respektlos.
  • Klammheimlich: Eine Selbstverständlichkeit auch bei relativ kurzen Beziehungen – machen Sie sich nicht klammheimlich aus dem Staub, um einen Konflikt zu vermeiden und selber möglichst wenig Stress zu haben! Auch das ist respektlos.
  • Hinhalten, Vertrösten, Aufschieben: Ziehen Sie einen Schlussstrich, der diesen Namen auch verdient. Schieben Sie den finalen Schritt nicht dadurch auf, dass Sie sich beispielsweise noch ein „paar Wochen Bedenkzeit“ erbeten. Diese Wochen können zur Hölle werden.
  • Vorwurfs-Arien, Seitenhiebe, Nachtreten: Eine Trennung darf (und sollte) mit einer ehrlichen, respektvollen Aussprache einhergehen, von der beide Seiten sogar noch potenziell profitieren können. Nutzen Sie diese aber nicht für eine finale Abrechnung.
  • Dritte involvieren: Binden Sie nicht Ihre Freunde (oder schlimmer noch: Ihre Familie) in eine Trennung mit ein, etwa als „Überbringer“ Ihrer Entscheidung. Und trennen Sie sich auch nicht in Anwesenheit Dritter. Eine Trennung ist eine Sache zwischen Ihnen und Ihrem Partner und geht niemanden sonst etwas an (auch wenn Sie sich vorher natürlich Rat bei Freunden und Familie einholen können).
  • Halbherzig „Kompensation“ anbieten: Eine Trennung ist immer schmerzhaft. Versuchen Sie sie nicht durch „faule Kompromisse“ oder halbherzige Versprechen abzumildern (à la „Wir können ja Freunde bleiben“), wenn Sie selber nicht wirklich hinter Ihren eigenen Worten stehen.
  • Stalking, aufgezwungener Kontakt: Nach einer Trennung gilt: Treffen Sie Ihren Ex-Partner nicht ohne sein (ihr) Einverständnis. Stalking und Co. sind ein absolutes No-go!
  • Doppelbotschaften: Vermeiden Sie Doppelbotschaften (siehe auch den Abschnitt „Konsequent sein“), seien Sie eindeutig und klar in Ihren Äußerungen!
  • Vergleiche, Schwärmereien: Die Erwähnung eines neuen Partners oder ähnliches sollte selbstverständlich ein Tabu sein. Machen Sie es Ihrem (Ex-)Partner nicht noch schwerer, als es ohnehin schon ist.

Konsequent sein

Nachdem Sie die beiden schwierigen Hürden Entscheidung und Vollziehen der Trennung genommen haben, gibt es eigentlich nur noch eine Richtung: Nach vorne! Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung, seien Sie klar und „gurken“ Sie nicht herum. Damit ist niemandem geholfen, weder Ihrem (Ex-)Partner noch Ihnen selbst. Noch einmal in aller Deutlichkeit:

Seien Sie konsequent!

Stehen Sie zu Ihrer Entscheidung, auch wenn es Ihnen schwerfällt und Sie innerlich womöglich von Schuldgefühlen durchgeschüttelt werden. Doppelte Botschaften („Es passt einfach nicht mehr, das geht so nicht mehr weiter, aber ich liebe dich“) irritieren und verletzen Ihren Partner nur noch mehr.

Zuversicht und Ausblick

Gleich ob die Trennung von Ihrem Partner für Sie persönlich mehr als eine Befreiung oder ein Wechselbad der Gefühle erlebt wird, denken Sie an Folgendes: Sie sind für Ihr Leben und Ihr (Liebes-) Glück verantwortlich, niemand anderes. Was nach einer Bürde klingen mag, ist beim genaueren Hinsehen eigentlich eine Chance. Sie sind der Gestalter, nicht das Schicksal allein.

Quellen:

  • Jutta Martha Beiner (2013): Mut zur Trennung. Plädoyer für eine mutige und produktive Entscheidung – Kinder brauchen Aufrichtigkeit
  • Gisela Hötker-Ponath (2012): Trennung ohne Rosenkrieg. Ein psychologischer Wegweiser. Hilfe aus eigener Kraft
  • Roland Weber (2010): Gehen oder bleiben? Entscheidungshilfe für Paare
  • Doris Wolf (2004): Wenn der Partner geht. Trennungsschmerz und Liebeskummer bewältigen
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Über den Autor/die Autorin

André Martens

André Martens ist Philosoph und Psychologe. Er schreibt leidenschaftlich gern - nicht zuletzt über die Liebe. Ob wir uns diesem Phänomen mit Worten tatsächlich annähern können, ist seine große Lebensfrage. Und solange er die Antwort nicht kennt, schreibt er fleißig weiter.