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In der Idealisierungsfalle: Wenn Männer zu sehr lieben

Wenn ein Mann seine Partnerin auf den Sockel stellt, sprich: wenn er sie übermäßig idealisiert oder wie eine Ikone anbetet, ist die Beziehung ernsthaft in Gefahr. Über die Idealisierungsfalle und Partnerinnen, denen die Rolle einer „Heiligen“ zugewiesen wird

Schatz, was wäre ich nur ohne dich …?

Vielleicht kennen Sie ja auch diese Paare, bei denen er ihr alles von den Lippen abliest. Wenn sie am Samstagmorgen im schicken Eck-Café brunchen, bestellt er ihr gleich ihren geliebten Latte Macchiato mit Sojamilch, hilft ihr aus dem kamelfarbenen Trenchcoat, den er ihr letzte Woche als kleine Aufmerksamkeit geschenkt hat, rückt ihr den Stuhl zurecht und …

Das faszinierende Schauspiel geht dann noch eine Weile so weiter und als unbeteiligter Beobachter stellt man sich langsam ernsthaft die Frage, was man selbst im Leben bloß falsch gemacht hat. Süß ist sein Verhalten ja schon! Dass es solche tollen Männer heutzutage überhaupt noch gibt … Doch dann raunt er ihr plötzlich leise – und doch für alle anderen Gäste deutlich vernehmbar – zu: „Schatz, was wäre ich nur ohne dich? Du bist mein Ein und Alles.“

In die Idealisierungsfalle getappt

Er hätte auch etwas sagen können wie: Schatz, für dich würde ich Berge versetzen. Schatz, für dich würde ich das Meer teilen. Schatz, für dich gehe ich durch die Hölle. Es hätte keinen großen Unterschied gemacht. Und das Schlimmste: Der Typ meint das auch noch ernst. Todernst sogar!

Spätestens jetzt verliere ich jeden Respekt vor ihm. Und, wenn ich meinen weiblichen Bekannten glauben darf, auch die Frau (zumindest theoretisch, doch dazu gleich mehr). Liebe ist schön. Liebesbeweise auch. Aber Mann kann es eben auch übertreiben. Der Ärmste ist in die Idealisierungsfalle getappt, die beiden absolut nicht guttut.

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Über den Autor/die Autorin

André Martens

André Martens ist Philosoph und Psychologe. Er schreibt leidenschaftlich gern - nicht zuletzt über die Liebe. Ob wir uns diesem Phänomen mit Worten tatsächlich annähern können, ist seine große Lebensfrage. Und solange er die Antwort nicht kennt, schreibt er fleißig weiter.