Wir verwenden eigene Cookies und Cookies Dritter, um die Nutzung der Website zu analysieren und um Werbung auf unserer und anderen Websites auszuspielen.
Verpassen Sie
keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an!

Abonnieren
Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.
Ich möchte per E-Mail von beziehungsweise (PE Digital GmbH) über aktuelle Artikel rund um die Liebe sowie über Produktangebote informiert werden. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Kontaktadressen entnehmen Sie unseren Datenschutzhinweisen.
Verpassen Sie keinen Artikel mehr!
Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.

Ich glaub‘, ich hab Liebes-ADHS!

Es ist wundervoll, in einer Beziehung anzukommen. Doch das kribbelnde Verliebtsein weicht der Vertrautheit. Jule Blogt will Bindung und Schmetterlinge

„Ich glaub, ich hab Liebes-ADHS!“, schrieb mir ein Freund als wir uns über seine Beziehung austauschten. Wie kam er denn bitte darauf? Und was ist das überhaupt? Liebes-ADHS, noch nie gehört! Doch die Erklärung dazu lieferte er mir umgehend: „Ich kann mich irgendwie nicht lange auf eine Frau konzentrieren, so als würde meine Aufmerksamkeit ständig hin und her springen.“ Er hatte seit einer Weile eine Freundin. Die Beziehung schien, von außen betrachtet, sehr glücklich zu sein. Gemeinsamer Urlaub, massig Pärchenfotos, die beiden könnte man beneiden! Doch als ich fragte, ob er glücklich wäre, bekam ich eine beunruhigende Antwort: „Monogamie ist schon irgendwie Mist.“

Ich schluckte kurz. Ich weiß, dass dieser Mann gut bei den Frauen ankam und die ein oder andere Chance nutzte. Auf der anderen Seite schwor er auf die Exklusivität einer Beziehung. Ich fragte mich, ob es ein besonderes Phänomen wäre, dass man sich in einer Beziehung manchmal doch eingeschränkt fühlt. Es ist selten geworden, dass ich höre, jemand wäre komplett zufrieden mit seinem Partner und würde sich nicht für andere Frauen/Männer interessieren. Wird so etwas tatsächlich noch gesagt, zweifle ich allerdings am Wahrheitsgehalt. Es klingt ja auch doof wenn man erzählt, dass man nicht komplett zufrieden sei. Das ist direkte Kritik am Partner, der dafür aber überhaupt nichts kann. Darum wird unter Paaren selten bis nie über so etwas gesprochen. Bei den meisten ist immer alles Friede, Freude, Eierkuchen! Man lächelt jeden Anflug an Zweifeln weg und spielt Traumpaar. So erwartet das die Gesellschaft von uns. Schließlich haben wir den Partner gefunden, der uns vervollständigen sollte. Es gibt also keinen Grund, unglücklich zu sein.

Man lächelt Zweifel weg und spielt Traumpaar

Ich glaube nicht mal, dass die Menschen in Beziehungen unglücklich sind. Sie finden sich mit der Situation ab, dass es Momente gibt, in denen sie gerne ausbrechen würden. Aber warum wird darüber nicht gesprochen? Als ich selbst in einer Beziehung war, habe ich auch die Klappe gehalten. Ich habe den Mund gehalten, wenn gefragt wurde, ob ich wirklich glücklich sei. Hätte ich angesprochen, dass ich mich manchmal nach aufregenderen Begegnungen sehne, hätten mir meine Freunde wohl einen Vogel gezeigt. „Sei zufrieden mit dem, was du hast!“, basta aus, das hat man zu tun. Doch was ist es, das so vielen Menschen in Beziehungen fehlt?

Ich glaube, dass es vor allem das Gefühl der frühen Verliebtheit ist. Jeder kennt es, wenn man sich frisch kennenlernt und die Schmetterlinge im Bauch einen Balztanz aufführen. Da reicht ein Blick und der Puls erhöht sich unaufhörlich. Man ist seinen Gefühlen ausgeliefert und tut Dinge, die man sich selbst nicht zugetraut hätte. Verliebt sein ist ein Drogenrausch, der uns in ganz andere Welten katapultiert. Wir erinnern uns noch Jahrzehnte später an die kleinen Momente, die unser Blut zum Kochen brachten. Sei es ein erster Blick, ein erster Kuss, die erste Berührung. Alles war neu, alles war aufregend. Es gibt kaum ein schöneres Gefühl! In solchen Momenten vergisst man alles um sich herum. Man fühlt sich vollständig, rundum glücklich. Egal, was um einen herum passiert, man lächelt.

Für mich ist es das schönste Gefühl der Welt, diese frühe Verliebtheit. Dass sie mit der Zeit verschwindet ist normal und auch notwendig. Wir wären schließlich nicht mehr leistungs- und zurechnungsfähig, wenn wir ständig unter dieser Liebesdroge stehen würden. Doch wenn die Schmetterlinge verflogen sind, sehnt sich unser Körper nach einer neuen Dosis dieser so seltenen Droge.

Die Erwartung, in einem anderen Menschen alles zu finden

Befindet man sich in einer Beziehung könnte man meinen, dieses Gefühl nie wieder erleben zu dürfen, es ist schließlich der Partner, mit dem man den Rest seines Lebens verbringen will. Keine Gefühlsexplosion bei einem ersten Kuss mehr, keine lüsternen Blicke, die man nicht vom Gegenüber lösen kann. Es ist ein Teil unseres Lebens, vor allem unserer Jugend, den wir für lange Zeit aufgeben. Der ein oder andere möchte mir nun bestimmt erzählen, dass das in der eigenen Beziehung ja gar nicht der Fall ist, dass diese Gefühle nachlassen. Doch seid mal ehrlich, macht ihr euch nicht etwas vor? Kommen euch nie Zweifel? Ich glaube, dass nicht wenige Menschen an einer Art „Liebes-ADHS“ leiden! Sie können sich einfach nicht lange auf eine Liebe konzentrieren, weil andere Menschen zu spannend daherkommen. Ihre Aufmerksamkeit wird schnell zu anderen Personen gelenkt. Das klingt im ersten Moment fies. Das klingt nach „verlassen und verlassen werden“, nach Betrug und Affäre. Doch das muss es nicht sein.

Wenn man weiß wo man hingehört, können Schmetterlinge nicht am T-Shirt ziehen

Warum verbieten wir uns, mal Schmetterlinge außerhalb einer Liebe zu spüren? Warum verbinden wir ein erhöhtes Interesse an anderen Menschen innerhalb einer Beziehung mit dem Verlust von Liebe? Meiner Meinung nach verhält sich das oft getrennt voneinander. Jeder Mensch hat so viel Gefühl in sich, dass er dem Partner nichts von der Liebe „abknippst“, nur weil sich da Schmetterlinge für eine andere Person entwickelt haben. Wieso kann eine Beziehung von so etwas nicht unberührt bleiben? Es hat nicht mit dem Paar zu tun. Es hat allein mit einer der beiden Personen zu tun. Diese ist schließlich ein eigenständiger Mensch, welcher eigene Entscheidungen treffen kann. Auch wenn sich zwei Menschen zusammen tun, sind sie immer noch individuell. Wieso ermöglichen wir es nicht, dass diese Individualität ausgelebt werden kann? Wir erwarten immer, dass wir in einem anderen Menschen alles finden, was wir brauchen. Dabei sind nicht mal wir selbst perfekt und können mitnichten behaupten, einen anderen Menschen zu vervollständigen. Wenn man weiß, wo man hingehört, können auch kleine Schmetterlinge nicht am T-Shirt ziehen, um jemanden vom Partner wegzutreiben.

Würde es eine Beziehung nicht angenehmer machen, wenn wir eine Verliebtheit außerhalb der Beziehung nicht als Problem wahrnehmen? Das, was eine Beziehung ausmacht, sind nicht nur die Schmetterlinge, die es zu Beginn gab. Eine Beziehung ist mehr! Warum sollte man sie in Frage stellen, nur weil sich einer der beiden eine kleine Verliebtheit gönnt? Macht man das zum Problem, stellt man die Beziehung erst recht auf die Probe. Der von „Liebes-ADHS“ betroffene Part fühlt sich schlecht, hat Schuldgefühle und kann sich nicht mehr richtig auf die Beziehung einlassen. Würde man ihm ein Okay für seine gelegentlichen Interessensprünge bekunden, wäre das für das gesamte Paar entspannter. Die Menschheit entwickelt sich in so vielen Punkten rasant weiter, doch einen exklusiven Anspruch auf eine andere Person gibt es immer noch. Geht es um Gefühle, verhalten wir uns seit Jahrhunderten egoistisch. Ich glaube, das stärkt unsere Beziehungen nicht. Das macht sie kaputt!

Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Jule Blogt

Jule ist auf der Suche, auf der Suche nach den ganz großen Gefühlen. Sie hat sich mit jeder Faser ihres Körpers der Liebe verschrieben. "Ist das Liebe, oder kann das weg?", fragt sie sich jeden Tag aufs Neue. Zu welchen Ergebnissen sie dabei kommt, beschreibt sie auf ihrem Blog juleblogt.de