„Und was ist mit der Eifersucht in Poly-Beziehungen?“

Neben den vielen Fragen die den Menschen im Kopf herum schwirren, wenn wir von unserer polyamoren Beziehung erzählen, ist wohl die häufigste: „Und was ist mit der Eifersucht?“

Ja, ja die Eifersucht… „eine Leidenschaft die Leiden schafft.“ Dieses bitter süße Gefühl, das wir alle offen verachten und uns doch stillschweigend wünschen. Denn es scheint wie ein ungeschriebenes Gesetz: Wer so gar nicht eifersüchtig ist, dem bedeutet sein Gegenüber nichts. Oder jedenfalls nicht genug um seinen/ihren Verlust zu fürchten.   

Verschiedene Formen von Eifersucht

Natürlich spreche ich nicht von der „unattraktiven“ Eifersucht. Die Form, die sich dadurch ausdrückt, dass wir jeden Schritt, jedes Telefonat und jede WhatsApp-Nachricht mit Argusaugen überprüfen und die dafür sorgt, dass sämtliche sozialen Kontakte abgeschnitten und alle Freunde auf Grund ihres Geschlechts separiert werden. Ich spreche von der „netten“ Eifersucht. Dieses kleine Körnchen Feuer, das wir uns in der Beziehung wünschen. Wie haben nicht ABBA schon gesungen: „I wasn’t jealous before we met. Now every woman I see is a potential threat.“

Sie scheint anerkannt, normal, geradezu gefordert. Denn dieses kleine Körnchen ist das, was uns die Sicherheit zu geben scheint, dass wir uns die Leidenschaft in der Beziehung erhalten haben. Wie oft habe ich mir schon die Cover von Zeitschriften angesehen und direkt auf dem Titelbild einen Artikel gesehen zu: „Wie bringe ich das Feuer zurück in die Beziehung? 5 Techniken um ihn/sie mal wieder so richtig eifersüchtig zu machen“ Und die Tipps sind dann: „Erzähle beiläufig beim Abendbrot wie nett der neue Kollege ist.“ oder „Tippe ein paar Nachrichten und wenn er fragt, mit wem du die ganze Zeit schreibst, dann sagst du: Ach, nur ein Freund.“ 

Ich würde dazu sagen: „Fünf Techniken wie ich das Urvertrauen meines Partners erschüttere.“ 

Ja im ersten Moment mag es heiß sein, etwas mit dem Feuer zu spielen. Vielleicht sorgt es auch dafür, dass euer Partner oder eure Partnerin mal wieder darüber nachdenkt, was er/sie eigentlich an euch hat. Das Smartphone zur Seite legt und über euch herfällt. Doch wollt ihr das so? Denn was liegt dem zugrunde? Leidenschaft oder das Triggern einer Verlustangst, also eines Schmerzes? Wollt ihr bei euren Partnern Schmerz auslösen, damit diese sich haltsuchend an euch klammern? Wollt ihr Verursacher sein, um dann die Heilung zu bringen? Eigentlich ziemlich krank, oder? Ich trete ja auch niemandem vors Schienbein, um ihn danach trösten zu dürfen.

Eifersucht sollte nicht verherrlicht werden

Eifersucht ist nicht der Beweis, dass euch etwas am anderen liegt. Aber ich war ja selbst so. Bin selbst so. Denn erlerntes Verhalten ist schwer abzulegen. Zu behaupten, dass niemand in unseren (Poly-)Beziehungen manchmal die Stiche der Eifersucht spürt ist vermessen, meiner Meinung nach. Und trotzdem neige ich dazu, es sofort zu verneinen, wenn diese Frage aufkommt. Denn ich möchte nicht, dass sie als Beweis dafür heran gezogen wird, dass unser Beziehungsmodel nicht funktionieren kann. 

Eifersucht ist nichts Unnatürliches. Sie entsteht aus der Angst um Ressourcen und vor Verlust. Sie sorgt dafür, dass wir das, was vermeintlich uns gehört verteidigen und Eindringlinge wegbeißen. 

Wir neigen dazu diese Gefühle der Eifersucht auf unser Gegenüber zu übertragen. „Wenn du mir doch nur mehr Aufmerksamkeit schenken würdest, mich mehr lieben würdest, mir mehr Zuneigung geben würdest, dann würde es mir bestimmt besser gehen“

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