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Trennungsschmerz und Neubeginn. Wie aus Abbrüchen Aufbrüche werden

Hans Jellouschek ist einer der bekanntesten Eheberater und Paartherapeuten. In seinem neuen Buch „Trennungsschmerz und Neubeginn“ macht er sich Gedanken über Gerechtigkeit und Liebe: Denn das ist ein wichtiger, oft vernachlässigter Unterschied bei einer Trennung. Ein Buchauszug

Eine fundamentale Verwechslung, die auch sonst häufig im Zusammenleben von Paaren anzutreffen ist, sich bei einer Trennung aber besonders zerstörerisch auswirkt: die Verwechslung von Liebe und Gerechtigkeit. Die beiden Eheleute haben ihr Zusammenleben begonnen, weil sie einander liebten. Und sie lassen sich scheiden, weil diese Liebe verloren gegangen ist. Natürlich war für ihr Zusammenleben auch die Gerechtigkeit sehr wichtig: Die gleiche Verteilung der Lasten und Pflichten hinsichtlich der Verantwortung für Kinder, Finanzen, zu erledigenden Aufgaben usw. Und natürlich kann es sein, dass sich in diesen Bereichen große Ungleichgewichte und damit Ungerechtigkeiten zwischen den beiden eingespielt haben, die einen von beiden oder beide wütend aufeinander machten und machen.

Wenn Paare sich lieben, dann finden sie auch immer wieder Wege

Aber wir können immer wieder feststellen: Wenn Paare sich lieben, dann finden sie auch immer wieder Wege, Ungerechtigkeiten zwischen sich – jedenfalls einigermaßen – wieder auszugleichen, und manche »Ungerechtigkeit« wird, wenn die Liebe noch lebendig ist, auch erträglich und tolerabel. Anders ist es, wenn die Liebe zwischen den beiden verloren gegangen ist: Dann kann es auf der Ebene des Zusammenlebens einhundert Prozent »gerecht« zugehen, und trotzdem: Die Ehe ist zu Ende. Denn ihre Grundlage existiert nicht mehr, die Liebe, die die beiden ein Paar werden ließ, ist tot. Dass dies, wenn es nach und nach realisiert wird, sehr schmerzlich ist, ist klar, und dass das alle möglichen Gefühle in beiden erweckt, von Schmerz und Enttäuschung bis zu bitterem Hass, ist auch nur zu verständlich.

Riesenfehler bei der Trennung: Ausgleich erwarten

Aber hier – an dieser Stelle – wird nun von vielen Ehepaaren, vor allem in Trennungssituationen, der entscheidende Fehler gemacht: Die Verwechslung von Gerechtigkeit und Liebe. Was mir der andere an Liebe vorenthalten hat, wie er mich als seinen Partner allein gelassen, wie er seine Liebe anderen geschenkt hat, … Dass das alles mich kränkt und verletzt, ist verständlich und nachfühlbar. Aber aus diesen Gefühlen heraus machen Paare oft den Riesen-Fehler: Sie verlangen Genugtuung dafür voneinander, sie strafen sich finanziell und sie verlangen »Ausgleich« voneinander durch mehr Rechte, mehr Geld, mehr Kontakt zu den Kindern usw.

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Über den Autor/die Autorin

Hans Jellouschek

Dr. theol. Lic. phil. Hans Jellouschek, geb. 1939, ist Eheberater, Psychotherapeut und Lehrtherapeut für Transaktionsanalyse. Psychotherapeutische Praxis mit dem Schwerpunkt Paartherapie in der Nähe von Stuttgart. Langjährige Erfahrung in der Fort- und Weiterbildung von Therapeuten und Eheberatern.