Putzen Sie die rosarote Brille – rechtzeitig!

Es gibt Fragen, die sollten Sie sich und Ihrem oder Ihrer Auserwählten rechtzeitig stellen. Das erspart Liebeskummer und allzu großen Herzschmerz. Welche dabei nützlich sein könnten, erörtert Gabi Golling

Schmetterlinge im Bauch, die ganze Welt ist rosarot? Diagnose: Verliebt! Wie wunderbar. Genießen Sie das prickelnde Gefühl, solange es da ist. Nein, ich will jetzt nicht gleich schwarzmalen oder besonders unromantisch sein, sondern Sie in die wissenschaftliche Realität holen. Denn dieses Gefühl ist nicht von Dauer. Zwischen ein paar Wochen und bis zu wenigen Jahren kann es anhalten und weicht dann einem tieferen und deutlich länger anhaltenden Gefühl – der Liebe.

Damit sich dieser zweite Gefühlszustand einstellt, braucht es Vertrauen. Und dieses wiederum entsteht durch ausgiebige Kommunikation und gemeinsame Erlebnisse.

Häufig vergessen wir jedoch vor lauter Rosarot manch wichtiges Thema rechtzeitig anzusprechen. Und genau das löst dann womöglich später ein echtes Beziehungsproblem oder zumindest einen handfesten Streit aus, den man hätte vermeiden können.

Lieber ein Ende mit Schmerzen, als Schmerzen ohne Ende

Vielleicht haben Sie das auch schon festgestellt? Wenn bestimmte Grundwerte und die Einstellung zu verschiedenen Lebensbereichen doch nicht so übereinstimmen wie erhofft und angenommen, ist das Gejammer groß. Wäre doch blöd, wenn Sie das erst ein Jahr nach dem Zusammenziehen oder anderen gemeinsamen Investitionen feststellen, oder? Deswegen macht es Sinn, gleich zu Beginn einer potenziellen Beziehung genauer nachzufragen und gegebenenfalls rechtzeitig die Notbremse zu ziehen oder sich eben ganz bewusst FÜR denjenigen zu entscheiden. Dann können Sie das Kribbeln im Bauch sogar noch mehr genießen.

Kurz mal die rosarote Brille von der Nase nehmen.

Klug ist nicht immer derjenige, der alle Antworten weiß, sondern der die richtigen Fragen stellt. Hierüber sollten Sie sich grundsätzlich unterhalten:

  • Ziele: Wo willst Du in 2/5/10/20 Jahren sein? Beruflich? Privat?
  • Freizeit/Beruf: Womit verbringst Du sie? Welche Priorität hat das in Deinem Leben? Wie intensiv betreibst Du dieses Hobby/den Job?
  • Familie/Freunde: Wen zählst Du dazu? Echte oder gewählte Familie/Freunde? Was habt ihr schon zusammen erlebt/gemeistert? Wann bist Du für die anderen da? Wann waren diese schon für Dich da?
  • Glauben/Werte: Was ist für Dich wichtig im Leben? Wann war das schon mal anders? Was könnte sich daran noch ändern? In welchen Fällen? Worüber ärgerst Du Dich oft?
  • Selbsteinschätzung: Was kannst Du richtig gut? Wo liegen Deine Stärken? Und was musst/willst Du noch lernen? Wobei wünscht Du Dir Unterstützung? In welcher Form?

Diese wichtigen Themen sollten Sie mit besonderer Sorgfalt besprechen:

  • Konfliktverhalten: Wie gehst Du mit schwierigen Situationen/Menschen um?
  • Familienplanung: Möchtest Du Kinder? Wenn ja, wie viele?
  • Ex-Partner: Was waren die Trennungsgründe? Wo sahst Du die Probleme? Welche hat die andere Person gesehen? Welchen Beitrag hast Du geleistet? Was würdest Du anders machen, wenn Du nochmal vor der gleichen Situation stündest?

Wenn es Ihnen gelingt, mit dem anderen so intensiv zu sprechen, dann können Sie sich die Frage „Und wie findest Du mich?“ sparen. Auf solche Dialoge lässt sich nämlich nur ein, wer sich wirklich mit Ihnen austauschen will. Und davor und danach dürfen Sie die rosarote Brillen natürlich wieder aufsetzen und die Schmetterlinge wild flattern lassen.

Interesse zeigen ist keine Verhörtaktik

Es geht um ein intensives Kennenlernen. Dazu gehört es, Fragen konsequent zu stellen. Das erfordert allerdings auch etwas Fingerspitzengefühl. Zum einen, wie weit und wie tief Sie nachfragen dürfen. Das wird Ihnen Ihr Gesprächspartner im Zweifelsfall jedoch deutlich signalisieren. Zum anderen ist es wichtig, zu welchem Zeitpunkt und wie viele dieser Fragen Sie stellen. In jedem Fall ist entscheidend, dass sie wirklich echtes Interesse an den Antworten haben.

Und nicht nur das. Sie selbst sollten diese Fragen ebenfalls beantworten können. Denn ihr Gegenüber hat das gute Recht – und hoffentlich ebenfalls echtes Interesse – auch Ihre Version und Antworten zu hören.


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