Ja, ich bin böse und du liegst richtig, Schatz!

Sie wollen Ihre Streitmuster durchbrechen? Versuchen Sie es einmal mit paradoxer Intervention. Was das ist, wie es funktioniert und warum es überraschende Ergebnisse bringt, weiß beziehungsweise-Autorin Katharina Reinecke

Das Streiten in einer Beziehung ist schon eine merkwürdige Sache. Wenn man nicht gerade ein Streitjunkie ist, der Freude an der gepflegten oder auch etwas schwierigeren Auseinandersetzung hat, so ist einem der partnerschaftliche Streit, der „natürlich“ „immer“ dieselben Themen betrifft, zwar außerordentlich verhasst, aber zuweilen eben doch notwendig. Und es braucht auch nur drei Komponenten, damit das Feuer immer wieder neu entfacht wird: Aktion, Reaktion und die Macht der Gewohnheit.

Ein typischer Fall: Sie bittet den Liebsten, eine bestimmte Sache im Haushalt zu erledigen, was er dann aber nicht zu dem Zeitpunkt tut, der ihr vorgeschwebt hat, sondern dann, wenn es in seinen Zeitplan passt. Sie stellt ihn zur Rede, weil er die Sache noch nicht erledigt hat, und provoziert damit nur, dass er die Erledigung weiter aufschiebt oder es gleich ganz sein lässt.
Ein ähnliches Muster lässt sich bei Streits über die Nähe und Distanz in einer Beziehung beobachten, nämlich wenn der eine Partner mehr Nähe und Zusammensein wünscht und einklagt, was beim anderen jedoch zu einem Abrücken führt, da er oder sie sich in seiner oder ihrer Freiheit eingeschränkt fühlt – was dann wiederum nur zu weiteren Bemühungen um mehr Nähe beim ersten Partner führt, landläufig auch „Klammern“ genannt. Ein Prozess, der sich spiralförmig hochwindet, bis er vielleicht sogar in einer Trennung eskaliert.

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