Ich wünschte mir eine neue Mutter, aber bekam eine arrogante und herrische Schwiegermutter

Pauline dachte, sie hat gleich doppelt das große Los gezogen, als sie Fritz kennenlernte, sie sich verliebten und beide schnell wussten: Wir wollen zusammenbleiben, wir wollen eine Familie. Wären da nur nicht die Anwandlungen ihrer zukünftigen Schwiegermutter…

Pauline ist nur mit ihrem Vater groß geworden. Ihre Mutter starb an Krebs, da war Pauline gerade vier Jahre alt. Eine Mutter hat sie immer schmerzlich vermisst, diese Lücke hat sich nie geschlossen. Pauline konnte also ihr Glück nicht fassen, dass die Mutter von Fritz sie wie eine eigene Tochter aufnahm. Sie war beeindruckt von der starken Persönlichkeit ihrer Schwiegermutter, von ihrer Intelligenz, ihrer Bildung, ihrem Charme und ihrer liebevollen und fürsorglichen Art.  

Auch mit dem Vater von Fritz kam Pauline sehr gut klar, er behandelte seine zukünftige Schwiegertochter wie sein eigenes Kind. Die perfekte Familie, bis sich nach und nach zeigt, dass die Zuwendung der Mutter eine Schattenseite hat. Sie offenbart sich darin, dass sie ausgesprochen dominant und arrogant sein kann und diese Haltung auch regelmäßig an den Tag legt. Es scheint ihr wahrer Charakter zu sein. Sie mischt sich in alles ein und wird unausstehlich, wenn man sie übergeht oder ihren Wünschen nicht Folge leistet. Pauline fühlt sich bald im Würgegriff der Mutter und stellt mit Entsetzen fest, wie sich Fritz und sein Vater der Mutter regelrecht unterwerfen. Fritz sieht sehr wohl, dass seine Mutter übergriffig ist, doch er kann sich nicht von ihrer Fessel lösen, so kommt es Pauline jedenfalls vor.  

Paulines herrische Schwiegermutter belastet ihre Beziehung mit Fritz

Der Vater hat es längst aufgegeben, sich zu wehren, das ist Paulines Eindruck. Immer öfter gibt es Streit zwischen Fritz und Pauline. Aus einem Impuls heraus will sie schon die Hochzeit absagen, lässt es dann aber bleiben. Sie liebt Fritz und sucht nach einer Lösung. 

„Meine große Frage an mich selbst ist, hätte ich von Anfang an merken müssen, was in dieser Familie los ist“, sagt Pauline bekümmert. „Ich würde meinen, dass das unmöglich war. Es gab keine Indizien, dass etwas nicht stimmt. Die Mutter von Fritz hat keine Show abgezogen, es war stimmig, es war authentisch. Sie war total lieb und aufmerksam, alles wirkte echt auf mich. Ich habe überall von ihr geschwärmt. Ich war vernarrt in sie. 

Sie hat uns bekocht und auch sonst in jeder Hinsicht verwöhnt. Sie hat sich nach meiner Arbeit erkundigt. Ich konnte richtig gut mit ihr reden, ich habe selten jemanden erlebt, der so gut zuhören kann wie sie. Sie hat sich total zurückgenommen, hat nur dann etwas gesagt, wenn es passte und dann etwas Kluges. Sie hat mir nicht ihre Weltsicht übergestülpt. Keine Spur von Überheblichkeit und Dominanz. Im Nachhinein denke ich, das ist ihre Masche. Sie spinnt einen ein wie eine Spinne, die ihr Netz webt und auf Beute aus ist. Diese Frau will Macht um jeden Preis.

Vielleicht hätte ich hellhörig werden müssen, als ich erlebt habe, wie sie manchmal mit dem Vater von Fritz umgeht. Sie lenkt ihn, aber sie tut es liebevoll, das hat mich nicht misstrauisch gemacht. Für mich war das einfach deren Beziehungssystem. Die Mutter hat eben den aktiven Part übernommen, der Vater eher den passiven, jedenfalls zu Hause. Er ist ein sehr erfolgreicher Anwalt.“ 

Der erste Streit ist vorprogrammiert

Die erste Kollision gibt es während der Vorbereitungen für die Hochzeit. Fritz und Pauline wollen im kleinen Kreis heiraten, nur Familie und die engsten Freunde. Die Mutter wischt das vom Tisch. Sie überrennt das Paar mit ihren Vorstellungen von einer bombastischen Feier, erzählt Freunden und Familie, dass Fritz und Pauline eine Riesenparty planen und sucht mit Feuereifer nach einer geeigneten Location. Sie agiert wie eine professionelle Hochzeitsplanerin, ohne dass ihr Sohn oder Pauline sie darum gebeten hätten.  

Beide versuchen, der Mutter beizubringen, dass sie ihre Aktivitäten einstellen möge. Sie versuchen es auf eine wertschätzende Weise, sie drücken ihre Dankbarkeit aus für das Engagement der Mutter, weichen aber nicht von ihren eigenen Vorstellungen ab. Keine Chance! Paulines Schwiegermutter stürzt sich weiter in Betriebsamkeit, bis Pauline ihr eines Tages vorwirft, dass sie das Gefühl habe, sie rede gegen eine Mauer. 

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