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Dich kenne ich! Wenn man den Partner in der Dating-App findet

Beziehungsstatus unklar? Jule Malz über ein hässliches Phänomen: gebunden in der Realität – solo in der Online-Welt

Doppelt gemoppelt hält ja bekanntlich besser. Diese etwas flach formulierte Weisheit gilt allerdings nur dann, wenn das Doppeltmoppeln etwas stabiler macht. Doppelknoten zählen dazu. Doppelspitzen manchmal auch. Und ein Doppel Whopper macht uns um die Hüfte in jedem Fall auch ‚stabiler’. Was allerdings gar nicht geht, ist das unangenehme Bestreben, sich seiner eigenen Attraktivität in einer Beziehung doppelt zu versichern. Darunter fällt beispielsweise, trotz Beziehung auf diversen Singleportalen nach neuen Partnern zu fischen. Ganz egal, ob man dies nun nur rein ‚theoretisch’ tut, oder tatsächlich auch real auf Dating-Ebene zur Tat zu schreitet. Leider kommt dies in Zeiten einfachen Fischfangs dank Tinder & Co. immer häufiger vor. Daraus ergeben sich diverse Absurditäten, die das Konzept Fremdgehen auf eine ganz neue Ebene heben.

Man mag darüber diskutieren, ob schon das Anmelden in einem Datingportal als Fremdgehen zählt. Dahinter steht das Argument: ‚Ich will doch nur mal gucken, was sonst noch so gehen könnte’. Auf juristischer Ebene würde man sich wahrscheinlich schon im Bereich des Versuches bewegen. Und der wäre strafbar. Aber mal abgesehen davon: Wie befremdlich ist es, wenn man von Freunden oder Bekannten mit der Tatsache konfrontiert wird, dass der eigene Partner mit einem Single-Profil – wenn auch nur ‚theoretisch’ – auf Fischfang ist? Möchte man das? Auf gar keinen Fall. Es zählt auch nicht zu einer neuen Lässigkeit, dass der Bereich des Fremdflirtens nun schon seit einer Weile aus der Realität in Kneipe oder Club in eine digitale Welt verlegt werden kann, in der man sich mit Wurstbrot in der Hand auf der Couch seiner eigenen Begehrlichkeit bewusst wird, weil man als vergebener Jemand mal wieder sieben Matches und drei Superlikes gesammelt hat.

Der eigene Partner auf der Suche?

Und wie verstörend ist es, wenn man das Singleprofil des geliebten Partners gezeigt bekommt. Mit Fotos, auf denen man eventuell stümperhaft herausgeschnitten wurde (Brechreiz-Alarm) oder die den Anderen auf eine Art und Weise darstellen, von der wir wissen, dass bei dieser Selbstsicht allein der Wunsch der Vater des Gedankens war. Fragen über Fragen drängen sich auf. Und es sind die gleichen, die ein reales Fremdgehen mit sich bringt: Bin ich nicht genug? Bin ich dem Anderen nichts wert? Warum nimmt er oder sie die Demütigung in Kauf, wenn gemeinsame Freunde und Bekannte dies mitbekommen und ich nicht? Will der Andere mich eigentlich verarschen?

Die Einfachheit, mit der wir heute (vermeintliche) Singles via App shoppen gehen und uns ebenfalls als solche ausgeben können, auch wenn wir es nicht sind, führt zu tragisch-komischen Situationen in der echten Welt. Eine Freundin von mir hatte letztens ein Date mit einem echt anständigen Kerl. Sollte man meinen. Bar, Drinks, gute Gespräche. Irgendwann ging der Kerl kurz vor die Tür, von einem wichtigen Telefonat war die Rede. Während besagte Freundin fröhlich an uns Mädels schrieb, wie gut ihr Date gerade liefe, schoss ein fremdes Mädchen um die Ecke und sprach sie direkt an. Ob sie gerade ein Date hätte und was der Typ so erzählen würde und so weiter. Das Ende der Geschichte (und des Dates) war das folgende: Das fremde Mädchen war die beste Freundin der Freundin dieses ‚echt anständigen’ Kerls. Konnte meine Freundin nicht wissen. Er hatte ein Single-Profil in einer Dating-App. Ich vermute mal, dass er inzwischen auch tatsächlich wieder Single ist. Good for him. Dann passen Wunsch und Realität für ihn wieder zusammen.

Und dann gibt es natürlich auch noch die Kandidaten, die aus dem Doppeltmoppeln in Sachen Beziehung überhaupt gar keinen Hehl machen. Die präsentieren sich dann mit Bildern von der Hüfte abwärts und Gesuchen nach devoten und gefälligen Kontakten, die bereit sind, damit zu leben, dass man in einer glücklichen Beziehung sei, diese aber genügend Raum für intime Beliebigkeit biete. Auch hier wird es bizarr, wenn man in diversen Dating-Apps auf den vermeintlich selig verbundenen Bekannten trifft, dessen Gegenstück null Ahnung davon hat, wie viel Raum in der Beziehung offensichtlich noch vorhanden ist.

Es sei an dieser Stelle festzuhalten, dass natürlich jedes Paar nach seiner Façon leben darf. Und wenn diese Façon das Doppeltmoppeln einvernehmlich zulässt, dann soll es so sein. Aber ätzend und verletzend wird es, wenn man von einem zweiten Online-Leben seines Partners erfährt, den man vermeintlich glücklich an seiner Seite glaubte. Denn dann ist das ganze Ich-wollte-mich-nur-mal-umschauen-Getue nicht nur armselig, sondern auch ein Grund, den Doppelknoten zu lösen. Zumindest, was diese Beziehung betrifft.

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Über den Autor/die Autorin

Julia Malz

Julia Malz zog es 2001 aus dem Rheinland an die Elbe. Im neuen Heimathafen Hamburg schreibt sie seit 2009 als freie Journalistin und Autorin für Kunst-, Kultur- und Wirtschaftsformate. Die Inspiration für ihre Texte zieht sie aus der Literatur, dem schönen Leben und natürlich dem Wunder, das wir Liebe nennen.