Bodytalk – Körpersprache in Beziehungen

Wie wichtig ist eigentlich Körpersprache in der Partnerschaft? Schauspielerin und Coach Karin Seven weiß, wie man mit dem Körper richtig kommuniziert

Wer hat noch nicht davon gehört oder gelesen, wie man sich bestmöglich präsentiert? Im öffentlichen Kontext sind wir uns unserer Körpersprache bewusster, wir achten womöglich mehr darauf, um zu voten, heißt einen guten Eindruck zu hinterlassen. Das beginnt in dem einstudierten Begrüßungsritual: Blickkontakt halten, freundlich lächeln, Hände schütteln (bitte nicht mit dem schlaffen kalten Fisch, sondern mit resolutem klaren Griff). Dies sind Bestandteile jedes Kommunikations- oder Rhetorik-Seminars oder der Benimm-Etiketten.

Aber wie sieht es nun privat aus? Da wo wir sehr intim, wir selbst sind? Nichts ist unbewusster als das alltägliche, das Naheliegende, dies entzieht sich meist unserer bewussten Wahrnehmung. Wir verhalten uns unbewusst, unbedacht, vielleicht gar nachlässig …

Aber Achtung: Alles spricht Bände!

Dort wo wir mit unseren Worten lügen können, wo wir Geschichten, Ausreden erfinden, angeben etc., haben wir zur gleichen Zeit auf physischer Ebene immanente „Wahrsager“. Sie heißen: Körpersprache und Stimme.

Zur Körpersprache zählen die Spannungsverhältnisse des Körpers (Unter-, Über- und Wohlspannung), diese wiederum beeinflussen maßgeblich unserer Körperhaltung. Des Weiteren gehören Gestik (Ausdruck mit den Armen und Händen) sowie Mimik (Ausdruck der Gesichtsmuskulatur und Augen) in den Bereich der Körpersprache.

Auch die Stimme, deren Ursprung aus unserem innersten, der Seele kommt, sie ist die Tonalität unserer emotionalen Welt, sie bezeugt unserer Vitalität, auch sie spricht Bände. Ton und Stimmsitz verraten, ob wir mit uns selbst stimmig sind oder mit unserem Gegenüber. Stimmt es in der Beziehung, sind wir miteinander gut gestimmt – Wortspiele angelehnt an Stimme.

Wir blicken in das Wohnzimmer von Petra und Jürgen. Drei Situationen zu unterschiedlichen Stadien der Beziehung:

Situation 1: Das frisch verliebte Paar ist soeben eingezogen.

Das Wohnzimmer wie der Rest der Wohnung sind perfekt eingerichtet, alles ist Bestens. Das traute Heim, Burg und Spielwiese stehen. Man ist immer noch frisch verliebt. Jürgen kommt aus seinem erfolgreichen Arbeitsalltag nach Hause. Er hat als Teamleiter zusammen mit seinem Team heute ein fettes Lob vom Chef eingeholt. Gut gelaunt betritt er die Wohnung und nimmt kurz darauf am Esstisch des Wohnzimmers Platz. Er hat Erfolg in Beruf und in seiner Beziehung. In freudiger Wohlspannung mit offenen Gesten und strahlendem Gesicht (Augen und Mund) blickt er intensiv und verliebt seine Petra an. Sie spiegelt diese Freude, nimmt Anteil an den guten Nachrichten und freut sich über ihren erfolgreichen Mann, den sie heiß und innig liebt. Sie sitzen sich gegenüber, genießen nebst der Speisen, sich und baden in gegenseitigem Blickkontakt, ihre Körper zugewandt, die Köpfe entgegengestreckt um die Distanz des Tisches zu verringern. Sie lachen und erzählen lebendig und beredt.

Der Ton, die Musik hinter den Worten plätschert angenehm, warm und weich. Die Tonhöhen sind abwechslungsreich durchdrungen in hellem Klang. Die Körpersprache wie die Stimme kommunizieren: die Stimmung stimmt, alles in bester Ordnung!

Situation 2: Blicken wir in das gemütliche Heim 7 Jahre später.

Jürgen kommt nach Hause, er arbeitet noch immer in der gleichen Firma. Das Essen steht auf dem Tisch. Das Paar sitzt sich gegenüber. Beide essen. Blickkontakt findet kaum statt, auch wird wenig gesprochen, etwas müde und erschöpft stopft sich jeder den Mund. Jürgens Schultern hängen, der ganze Oberkörper hängt unterspannt am Tisch… Sein Gegenüber, Petra, gehört an den Tisch wie die Serviette unter dem Besteck. Sie ist da. Mehr nicht. Keine Blicke oder Köpfe die zueinander gerichtet sind, schlaffe Spannung seitens Jürgen. Petra bemerkt die Interessenlosigkeit und sagt: “Ich habe Klaus und Inge eingeladen, sie kommen gegen 20h auf einen Drink”. Jürgen sagt: „Gute Idee“. Zur gleichen Zeit lässt er den Oberkörper gegen die Stuhllehne plumsen, atmet schwer aus, und blickt wie abwesend aus dem Fenster. Sein Text kommuniziert hier nicht seine wahre innere Haltung. In Wirklichkeit hätte er lieber seine Ruhe – aber er will kein Spielverderber sein.

Auf der Beziehungsebene wäre hilfreich gewesen, die Freunde auszuladen und sich mal zusammenzusetzen und zu besprechen, welchen Weg die eigene Beziehung genommen hat.

Situation 3: Wiederum zwei Jahre später.

Jürgen kommt nach Hause, es ist spät, gegen 21h. Er kommt rein, zieht wortlos die Schuhe aus, setzt sich mit der Jacke aus Sofa. Er starrt vor sich hin. Petra beobachtet ihn, nach wenigen Minuten fragt sie etwas verunsichert: „Wie war Dein Tag?“ Er: „Gut, danke“. Sie spürt, dass etwas nicht stimmt: Sein Ton klingt demonstrativ positiv (also abwehrend im Sinne, dass er nicht weiter befragt werden möchte. Seine Worte kommentieren hier nicht die wahre Botschaft.) Sie wird unsicherer, streift durch das Wohnzimmer wie eine unruhige Katze, die Gefahr wittert … Sie hat Angst … sieht die Beziehung bedroht … Statt auf ihn einzugehen, wird sie immer hektischer in ihren Bewegungen, stellt Fragen in schrillem vorwurfsvollen Ton, er kann ihr eigensinniges Theater nicht verkraften, steht auf und verkriecht sich im Schlafzimmer.

Echte Kommunikation hat hier nicht mehr stattgefunden. Petra war mit Jürgens Verhalten überfordert. Hätte sie feinere Antennen gehabt und wertfreier beobachtet, hätte sie womöglich festgestellt, dass es, was immer es auch ist, für ihren Mann ein offensichtlich schwer zu lösendes Problem oder eine schwer erträgliche Situation gibt. Sie hätte spüren können, dass er ihre Unterstützung braucht. Sein “danke gut” war zwar vordergründig ein Widerstand, dennoch eins drauf zu setzten über Vorwürfe, schließt eine Kommunikation eher zu als auf. Das Resultat war offensichtlich: Er geht ihr aus dem Weg, er will seine Ruhe haben. Hätte sie sich neben ihn gesetzt, schweigend um Nähe und Vertrauen aufzubauen und nach einiger Zeit in vorsichtigem Ton gefragt: „Kann ich was für Dich tun?“, hätte er sich vielleicht geöffnet. Er hätte ihr dann vielleicht erzählen können, was ihm auf der Seele liegt.

Ein gängiges Problem in Beziehungen, dass der Partner das Verhalten des anderen uneingeschränkt auf sich selbst bezieht. Enttäuschungen werden projiziert. Die Unzufriedenheit steigt auf beiden Seiten.

Natürlich verschlingt man sich nach Jahren nicht mehr so stark mit den Augen wie in der Phase des Verliebtseins…aber Wahrnehmung, Wertschätzung und Liebe laufen über Zuwendung, wir drücken diese aus durch Augenkontakt, über Kommunikation durch Gespräche und Fragen.

Da wo weder Text, noch Körpersprache und Blickkontakte stattfinden, ist die Liebe auf dem sterbenden Ast. Gewohnheit und Gleichgültigkeit sind hier das Netz der Beziehung…in der schon lange das Feuer erloschen ist. Überdrüssig gar genervt oder gereizt verhält man sich gegenüber der einst geliebten Person. Introvertierte weichen aus, gehen in die Ignoranz, verkapselt sich. Man bewohnt zwar den gleichen Käfig aber lebt mit einsamem Herzen.

Nichts ist hier authentischer und besser zu dekodieren als das nonverbale Verhalten. Deshalb halten Sie, liebe Leserinnen und Leser stets Ihre Antennen auf Empfang. Achtsamkeit ist hier das Zauberwort. Denn, auch wenn die Liebe, die Magie bindet, jeder Mensch ist ein eigenes und anders tickendes Universum. Frauen und Männer sind per se grundverschieden. Keiner kann hellsehen und wissen was der andere wünscht und braucht. Aber mit geschärften Sinnen und in Achtsamkeit können wir lernen kleine Zeichen zu lesen, kleine Signale zu deuten. Auf nonverbaler, also körpersprachlicher Ebene, sagt die Psychologie: Wenn drei kongruente Signale gesendet werden, dann hat Körpersprache und Verhalten eine deutlich interpretierbare Aussage.

Im Beispiel eins waren das: Intensiver Blickkontakt, Köpfe nach vorne zueinander, reger Gesprächsaustausch, gute Körperspannung. Hier lässt sich starkes Interesse deuten.
Im Beispiel zwei: Lautes Ausatmen, Oberkörper zieht sich zurück, Blick aus dem Fenster. Dies sind Signale für Desinteresse: Ich bin nicht beteiligt.
Im Beispiel drei: Zusammengesackter Körper, leerer Blick, Mantel nicht ausziehen: Ich bin im Übergang von A nach B und weiß gerade nicht wohin.

10 goldene Körpersprachsignale

1. Blickkontakt: sucht oder meidet Ihr Partner Ihre Augen?

2. Wie hoch ist die Körperspannung im unmittelbaren Kontakt: Eher lasch und unterspannt oder erregt und in leicht gespannter Haltung?

3. Körperhaltung, Zuwendungshaltung: Ist Ihr Partner zu oder eher ab und weggedreht?

4. Was konkret machen Arme und Hände, suchen diese Kontakt, d.h. bewegen Sie sich von Ihrem eigenen Kommunikationsraum in und zum Kommunikationsraum Ihres Partners oder bilden Sie eher Barrikaden?

5. Wohin zeigen die Füße? Fußspitzen, die zum Partner zeigen, kommunizieren ich bin ganz bei dir. Oder ich will weg. Ist der Oberkörper zugewandt, die Füße aber in eine andere Richtung – hier gilt primär die Richtung der Füße. Der Partner ist nur halbherzig bei der Sache und will eigentlich lieber weg (oben sagt er “ja”, unten meint er “nein”).

6. Mimik: Ist hier Verbissenheit oder Offenheit, gar ein Lächeln um die Mundwinkel häufig zu sehen?

7. Wie ist der Blick: Liebevoll, kritisch, zweifelnd, leer?

8. Kommunikations- und Mitteilungsgrad (bitte das natürliche Temperament beachten, einige Menschen reden mehr, andere weniger). Es ist hier eher der Vergleich Anfang der Beziehung versus nach mehreren Jahren zu werten, also wie viel hat man sich noch zu sagen?

9. Defensives oder offensives Sprechverhalten: Achten Sie auf die Wortwahl und den Ton hinter den Worten, ist dieser eher abwehrend oder einladend?

10. Kann Ihr Gegenüber zuhören? Lässt er Pausen und dadurch Zeit für Ihre Meinung?

Bitte überprüfen Sie stets Ihre Annahmen und zur gleichen Zeit Ihre persönlichen Filter. Projektionen können schmerzhaft enden. Interpretieren Sie nicht zu schnell, denken Sie daran: mindestens drei Signale müssen sich entsprechen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, stellen Sie Ihrem Partner offene Fragen, vorsichtig und liebevoll formuliert, können Sie mit großer Wahrscheinlichkeit eine wahre Antwort erhalten.

Karin Seven BuchKarin Seven
PowerAct– Ihr starker Auftritt
ISBN-10: 3648066749
Verlag: Haufe

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