Patchwork-Familie – Ein Blick hinter die Kulissen

Gestern noch Single und heute mit Freund samt zwei Kindern und zwei Mamas bestückt. So schnell kann sich das Leben ändern. Unsere Autorin Sabina Henzel teilt mit uns ihre Erfahrungen in einer Patchworkfamilie

Das Patchworkleben ist heutzutage etwas ganz Normales. Statistiken zeigen, dass circa 10 Prozent aller Familien mit Kindern in irgendeiner Form zusammengewürfelt sind. Das, was eigentlich gar nicht zusammengehört, ergibt in der Summe plötzlich eine harmonische Einheit, wie kunterbunte Patchworkdecken. In der Theorie wirken die beiden Wörter „Harmonie“ und „kunterbunt“ so verführerisch und anziehend wie Erdbeeren mit Schlagsahne. Doch schmeckt das Familienleben wirklich so lecker?

Groß, gutaussehend und Single

Als ich meinen Freund vor drei Jahren an der Uni kennenlernte, ahnte ich noch nichts von meinem Glück. Auf der Suche nach einem Mann an meiner Seite war ich zu dem Zeitpunkt jedenfalls nicht. Ganz im Gegenteil. Mein Plan war, mich vollkommen auf die Uni zu konzentrieren, neue Freundschaften zu schließen und gemeinsam zu lernen. Und dann saß er plötzlich im Seminar neben mir. Dieser eine Moment änderte alles. Er war Single, groß, gut aussehend und charmant. Und zweifacher Papa.

Während andere frisch verliebte Paare ihre Honeymoon-Odyssee durchlebten, so hetzten wir von der Uni zu den Kids. Eine von den beiden Mamas war überhaupt nicht begeistert davon, dass es mich jetzt im Leben meines Freundes gab. Die Trennung der beiden lag zwar ein Jahr zurück, doch sie zog alle Register, um uns das Zusammenleben zu erschweren. Ich fragte mich oft, ob ich das alles aushalte. Ob ich diese nervenaufreibende Zeit tatsächlich überstehen kann. Und ob es jemals ein Ende findet?

Viele von euch kennen bestimmt, wie es ist und wie sich Menschen verhalten, wenn verletze Gefühle das harmonische Miteinander überschatten. Unsere Kräfte kratzen wir jedes Mal zusammen wie die letzten Cents für eine Cola. Und wozu das Ganze? Heute weiß ich es.

Einige meiner Freundinnen bewunderten mich für diese Tat und hielten mich zugleich für verrückt. Sie meinten, es wäre ziemlich mutig von mir, mich auf so eine komplizierte Beziehung einzulassen. Sie kämen mit der Konkurrenz „Ex“ nicht zurecht und könnten nicht so gut damit leben, wenn ihr eigener Freund im Dauerkontakt zur Ex steht. Tja, und ich stand nun da und hatte sogar Ex-Konkurrenz im Doppelpack. Von Außen betrachtet muss das wie ein Psychothriller gewirkt haben. Doch ich weigerte mich, mein Leben mit solchen Augen zu betrachten.

Und die Kinder?

So viel zu den Gefühlen der Erwachsenen. Eine Trennung der Eltern ist gerade für Kinder schwierig, ungewohnt und mit vielen Ängsten verbunden. Kommt dann noch ein neuer Partner hinzu, kämpft das Kind doppelt und dreifach um die Liebe des Elternteils. Ich weiß noch zu gut, wie sich das anfühlt, denn ich bin ein unfreiwilliges Scheidungskind. ​

Für gewöhnlich brauchen Kinder eine Weile, um sich an den “neuen” Zuwachs, in dem Fall mich, zu gewöhnen. Glücklicherweise nahmen sie mich von Anfang an gut an, wenn auch mit einer Prise Vorsicht. Von Konkurrenzkämpfen zum Glück keine Spur.

Eine weitere Herausforderung für Kinder sind sogenannte Loyalitätskonflikte gegenüber dem anderen Elternteil. Mein Eindruck war, dass mich die Kids zwar mochten, aber nicht so recht wussten, wie sie mit mir in Anwesenheit ihrer Mutter umgehen sollten. Ganz ehrlich, ich wusste es auch nicht. An eine Situation erinnere ich mich ganz genau. Mein Freund und ich besuchten seine Tochter bei ihrer Mama. Die Kleine und ich schauten uns an, lächelten uns zu und wollten uns am liebsten sofort mit einer herzlichen Umarmung begrüßen, wie sonst auch. Doch wir zögerten und schauten zeitgleich zu ihrer Mama hinüber.

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