Beziehungsdauer: Wie lange hält die Liebe? 

Wir Menschen mögen es, Gewissheit zu haben und planen zu können. Also vermessen und analysieren wir alles, auch die Liebe. Von welchen Faktoren die Beziehungsdauer abhängt, das hat sich nun eine neue Studie gefragt. Hier kommen die Ergebnisse.

Nach einer Trennung fragen sich viele, wieso es nicht gehalten hat. Ob man nicht schon hätte viel früher merken müssen, dass die Beziehung nicht für immer ist. Und woran man beim nächsten Mal erkennt, ob es etwas Langfristiges sein wird und die Beziehungsdauer besser einschätzen kann.

Die pairfam-Studie zur Beziehungsdauer 

Diesen Fragen haben sich Wissenschaftler angenommen und versucht, sie zu beantworten. So viel vorweg: Man kann wohl tatsächlich Prognosen treffen, ob ein Paar zusammenbleiben wird oder sich wieder trennt. Indikatoren dafür sind einerseits, wie glücklich Paare zu Beginn der Beziehung sind und andererseits, wie sich die Partnerschaft im Lauf der Zeit entwickelt. Klingt wenig überraschend und ziemlich logisch, aber schauen wir mal genauer hin.  

So sind die Wissenschaftler vorgegangen 

Ein Forscherteam der Universitäten Jena, Bremen, Chemnitz, Köln und München hat in der pairfam-Studie („Panel Analysis of Intimate Relationships and Family Dynamics“) sieben Jahre lang 2.000 Paare begleitet und regelmäßig befragt. Von diesen zogen 319 in dieser Zeit den Schlussstrich unter ihre Partnerschaft.  

Wer trennt sich, wer bleibt zusammen?  

Die ersten Ergebnisse der noch bis 2022 laufenden Langzeitstudie liegen nun vor: Demnach gibt es schon in der ersten Verliebtheitsphase Anhaltspunkte dafür, ob es hält. Dafür fragten die Forscher die Partner jeweils nach ihren Bedürfnissen und inwieweit diese in der Beziehung erfüllt seien. Je größer die Schnittmenge, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es hält. Oder anders gesagt: Was schon schwierig anfängt, hat weniger Aussichten auf eine langfristige Beziehungsdauer.

Welche Schnittmengen hat ein Paar? 

Dabei geht es natürlich nicht um jedes x-beliebige Bedürfnis, sondern um diejenigen, die für die Liebe entscheidend sind, etwa das Bedürfnis nach Nähe und Distanz. Nicht ohne Grund ermittelt etwa die Online-Partneragentur Parship für das Matching der angemeldeten Singles Persönlichkeitszüge, bei denen sich potenzielle Partner ähnlich sein sollten.  

Eine gute Bekannte ist seit langem auf der vergeblichen Suche nach Mr Right, mit dem sie zusammenziehen und Kinder kriegen will. Sie will etwas Festes und zwar zackig, nicht erst nach einigen Beziehungsjahren. Die biologische Uhr tickt nämlich ziemlich laut. Mit ihren Tinder-Dates fiel sie ziemlich auf die Nase: Die Männer hatten eine gänzlich andere Vorstellung von Nähe und kamen sich schnell eingeengt vor.  

Es geht aber auch anders: Ein Paar aus meinem Freundeskreis führt seit mittlerweile fünf Jahren eine Fernbeziehung und sie sind superglücklich damit. Genau diese Entfernung und der Freiraum sind es, was ihre Liebe so lebendig macht und sich positiv auf die Beziehungsdauer auswirkt. Das kann nicht jeder, manche würden vor Sehnsucht zugrunde gehen oder könnten kein Wir-Gefühl aufbauen. Für diese beiden ist es jedoch genau das Richtige. Durchschnittlich gehen Fernbeziehungen übrigens etwa zwei Jahre: Dann wird zusammengezogen – oder man trennt sich.  

Ein weiteres Beispiel dafür, dass vor allem ähnliche Bedürfnisse wichtig sind: Eine sehr gute Freundin und ihr Mann führen eine offene Beziehung. Sie sind überzeugt, dass der Sex mit anderen ihre Partnerschaft gerettet hat. Denn sie hat ein deutlich höheres Sex-Bedürfnis als er, während er wiederum andere Praktiken mag als sie. Klingt kompliziert – war es auch. Wie oft weinte sie sich bei mir aus und wusste nicht weiter, fühlte sich abgelehnt und unattraktiv. Seit die beiden andere zum Sex treffen (und NUR dafür, es sind keine Gefühle im Spiel), sind sie sich wieder nähergekommen und haben erstaunlicherweise auch wieder erfüllteren Sex zusammen. Kein Modell für jedermann, aber es zeigt, dass grundlegende Bedürfnisse erfüllt sein sollten, damit die Liebe hält.  

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