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Wie ich den Boden unter den Füßen verlor

Die Vertreibung aus dem Paradies. Er dachte, er wäre endlich angekommen. Was er nicht ahnte: Sie sah das ganz anders. Ein Leserbeitrag von Thorsten Hasselberg

Ich bin eher das, was man einen Spätzünder nennt. Meine erste wirkliche Beziehung hatte ich mit dreißig. Sie endete nach vielen Jahren in einer für mich schwierigen Phase. Beruflicher Stillstand, Tod mehrerer naher Familienangehöriger, Krankheit. Dann trat SIE in mein Leben. Naja, nicht wirklich. Wir kannten uns oberflächlich einige Jahre und ich trug sie schon lange in meinem Herzen. Im Gegensatz zu meiner ehemaligen Lebensgefährtin stand sie mir bei, obwohl mehrere hundert Kilometer zwischen uns lagen. Ich traf eine Entscheidung und beendete meine Beziehung. Einige Zeit nach der Trennung fasste ich mir ein Herz und besuchte SIE für ein Wochenende. Es war fantastisch. Meine Verliebtheit loderte geradezu auf. Es kam, wie ich es erhoffte, wir waren zusammen. Zwar eine Fernbeziehung, aber ein Anfang. Wir sahen uns im Schnitt alle vierzehn Tage. Schnell stellte ich fest, sie war DIE Frau für mich. Die Frau, ohne deren Schwächen und Fehler ich nicht mehr sein wollte. Die Frau, neben der ich in der Nacht aufwachte und wieder einschlief, weil sie da war und ich sie spürte. Die Frau, mit der ich lange, intensive Gespräche führte, in denen wir einander jeweils andere Sichtweisen vermittelten. Und noch viel mehr.

Ich war nicht nur verliebt, ich liebte sie. Mit allem drum und dran. Tage ohne sie waren die Hölle. Sogar mit ihren Katzen verstand ich mich gut und das, obwohl ich eine Tierhaarallergie habe. Klappte super, die Miezen akzeptierten mich. Ich war eine 1a Katzenmatratze. Ich war endlich angekommen.

Das erste Jahr verging. Ich war glücklich wie noch nie in meinem Leben. Glücklich, eine so tolle Frau an meiner Seite zu wissen. Ich kann mich nicht an einen Streit in dieser Zeit erinnern. Das zweite Jahr begann. Herrliche Zeiten, Urlaube … Konnte es noch besser werden? Aber klar. Wir sprachen von der Gründung einer Familie. Aus dieser Zeit kann ich mich an unsere einzige, wirklich ernsthafte Auseinandersetzung erinnern, in der ich sie fragte, ob ich gehen solle. Dies verneinte sie. Vermutlich war das der Punkt, an dem es anfing. Ich wusste, dass sie zu Beginn der Beziehung ein einziges Mal fremd gegangen war, denn wir hatten einander Aufrichtigkeit zugesagt.

Mir fiel auf, dass sie sich nach dieser Auseinandersetzung konspirativ verhielt und ich an den Freitagen nach Stunden auf der Autobahn mit den Worten begrüßt wurde „Schatz, wir müssen Katzenstreu kaufen“ und nicht mit „Liebster, ich habe Dich so vermisst“. Natürlich hatte sie recht, wenn sie sagte, dass dies auch zu einem gemeinsamen, zukünftigen Alltag gehört.

Wir verbrachten ein Wochenende in Oslo, zwei Wochen im Allgäu und für den Herbst buchten wir eine Andalusien-Rundreise. Ich freute mich auf die gemeinsame Zeit. Endlich gemeinsame Zeit für uns, endlich Neues gemeinsam entdecken. Sie war großartig. Leidenschaftlich in jedem Sinne. Ich litt unter gesundheitlichen Problemen und wir konnten nicht so viel erleben, wie wir uns gewünscht haben. Aber ich fühlte mich trotzdem großartig, stolz so eine tolle Frau an meiner Seite zu haben, die sich in den Phasen, in denen es mir dreckig ging, um mich kümmerte.

Danach beendete Sie die Beziehung plötzlich in einer undeutlichen Weise via Whatsapp, die ich zunächst nicht einmal erkannte.

Was war passiert? Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Sie war sich damals ihrer Gefühle für mich nicht mehr sicher. Nur erfuhr ich dies nicht. Sie schaute sich um, wollte aber den vermeintlich sicheren Hafen nicht verlassen. Sie gab sich leidenschaftlicher beim Sex, wir fuhren gemeinsam in den Urlaub, hatten endlich mehr Zeit füreinander, doch war es eigentlich ein Abschied auf Raten. Nur wusste ich nichts davon. Ich freute mich über mehr Nähe, Gemeinsamkeit, Zärtlichkeit.

Warum sagte sie nichts? Warum diese Heuchelei?

Nein, nein, sagen jetzt wahrscheinlich viele Frauen. Es ist ein moralisches Dilemma, man will dem Partner ja nur nicht weh tun und ist sich selbst gar nicht sicher. Tatsächlich war der Moment, als sich der Status quo von ihrer Seite nicht mehr halten ließ, um so schmerzhafter, denn es traf mich um so härter. Ich verlor den Boden unter den Füßen. Grübelte, zermarterte mir wegen der Gründe den Kopf, verzweifelte an dem Gedanken, nicht mal ein Trennungsgespräch wert gewesen zu sein. Dieser Umgang war einfach respektlos und schäbig. Natürlich kann eine Liebe enden, sterben. Aber warum konnte sie mit mir nicht darüber sprechen?

Ich frage mich bis heute, was war das, das sie so handeln ließ? Ist es eine Zeiterscheinung, oberflächlich, unzufrieden, egoistisch zu sein? Ist es wirklich so, dass der Nächste, vermeintlich Bessere nur einen Fingerwisch entfernt ist?

Ich bin seit dieser Zeit, die nun ein Jahr zurückliegt, Single und laufe irgendwie immer noch wie ferngesteuert durch die Gegend.

Mann und Frau, Frau und Mann – sie sprechen nicht miteinander, oder reden aneinander vorbei, sind unaufrichtig. Sie haben Angst vor den Konsequenzen oder sind unentschieden. Zweifel in einer Beziehung entstehen, Gefühle ändern sich. Das kann alles passieren. Eine Liebe kann sterben.

Wie wollen wir miteinander umgehen? Wenn euch Zweifel kommen, redet miteinander, seid aufrichtig zueinander. Denn sonst verbauen wir alle uns mit Egoismus und Unverbindlichkeit die Möglichkeit auf eine gemeinsame Zukunft.

Sie möchten uns Ihre Erlebnisse erzählen? Wir freuen uns darauf und veröffentlichen vielleicht als nächstes Ihre Love Story. Hier können Sie uns Ihre Liebesgeschichte senden.

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