An den Mann, den ich an die Sucht verlor

Als sie sich kennen und lieben lernten, verbarg er ein Geheimnis vor ihr. Mit der gemeinsamen Wohnung ließ sein Problem sich jedoch nicht länger verheimlichen. Die Geschichte eines verlorenen Kampfes

Als wir uns vor drei Jahren kennenlernten, warst du sofort hin und weg von mir. Du erzähltest mir im Nachhinein, dass du von Anfang an wusstest, dass ich die Frau bin, die du an deiner Seite haben willst. Ein Jahr lang musstest du um mich kämpfen, doch letztlich mit Erfolg. Ich ließ mich auf eine Beziehung mit dir, meinem besten Freund, ein und es hätte nicht besser laufen können. Wir stritten uns nie, gingen liebevoll miteinander um und zogen damit teilweise den Neid unserer Freunde auf uns. Als wir zusammenzogen, dachte ich, nun sei unser Glück vollkommen, doch von da an wendete sich das Blatt.

Was ich damals nicht verstand, verstehe ich heute, mit all dem, was ich mittlerweile weiß, nur umso besser. Statt eines gemeinsamen Lebens mit einem gemeinsamen Alltag hatte ich das Gefühl, du würdest dich immer weiter von mir entfernen. Ich verstand nicht, warum. Du warst es doch gewesen, der so lange darum gekämpft hatte, mit mir zusammen zu sein. Du warst es doch auch gewesen, der vorgeschlagen hatte, ich könne bei dir einziehen. Doch du warst es eben auch gewesen, der nicht darüber nachgedacht hatte, dass es, bei all der Ehrlichkeit und Offenheit in unserer Beziehung, diese eine kleine Sache gab, die du mir eben nicht erzählt hattest.

Es war einfach gewesen, dein kleines Geheimnis vor mir zu bewahren, als du noch abends in deine Wohnung zurückkehren konntest, in der du deinen geschützten Raum hattest. Doch jetzt war dort jemand. Und so sehr du dich auch bemühtest, mit Lügen und Heimlichkeiten, ich bekam es mit. Ich bekam mit, dass du in Bezug auf Geld immer komisch reagiertest. Bekam es mit, dass du Dinge vor mir verstecktest, bekam mit, dass du mich belogst und mir Sachen verheimlichtest. Bekam es mit, wenn du erst nachts um drei Heim kamst, betrunken und trotz deines Versprechens sogar selbst gefahren bist. Bekam es mit und verstand es falsch. Ich hatte das Gefühl, du würdest mir nicht vertrauen, denn warum solltest du mich sonst belügen? Dass du dich letztlich selbst belogen hast, habe ich erst viel später verstanden.

Ich weiß nicht mehr, wie oft wir über diese Thematik geredet haben. Ich weiß nur noch, dass es viel zu häufig passierte. Sooft redeten und stritten wir darüber und sooft versprachst du mir, dass du aufhören würdest, dass dies das letzte Mal gewesen sei. Von nun an sei Schluss – für immer! Dir war wohl nicht bewusst, dass deine „Für Immers“ von da an die Bedeutung für mich verloren. Wenn ein „Das war es jetzt, ich höre auf, für immer“ keine zwei Wochen lang anhielten, wie sollte ich dir dann noch glauben, dass ein „Ich liebe dich für immer“ weiter reichen würde?


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