Wir verwenden eigene Cookies und Cookies Dritter, um die Nutzung der Website zu analysieren und um Werbung auf unserer und anderen Websites auszuspielen.
Verpassen Sie
keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an:
per WhatsApp oder per E-Mail!

Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.
Ich möchte per E-Mail von beziehungsweise (PE Digital GmbH) über aktuelle Artikel rund um die Liebe sowie über Produktangebote informiert werden. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Kontaktadressen entnehmen Sie unseren Datenschutzhinweisen.
Verpassen Sie keinen Artikel mehr!

Folgen Sie uns jetzt auf WhatsApp!

Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.

Und dann war ich plötzlich Vater

Jahrelang dachte unser anonymer beziehungsweise-Leser darüber nach, ob er schon bereit dazu ist, Vater zu werden. Eines Tages fiel ihm dann die Beantwortung dieser Frage nicht mehr schwer

Als ich geboren wurde, war mein Vater 32 Jahre alt, meine Mutter 30 Jahre. Die Ehe meiner Eltern entspricht der fünften Beziehung meines Vaters und der dritten meiner Mutter – das behaupten die beiden jedenfalls. Ich sollte das einzige Kind der beiden bleiben. Drei Jahre nach mir gebar meine Mutter noch ein Sternenkind, meine Schwester. Sie verstarb während der Geburt.

Am sechzigsten Geburtstag meines Vaters vor einigen Jahren hatte ich ihn mit einigen Fragen gelöchert, als alle anderen Gäste bereits gegangen waren und meine Mutter schon im Bett lag. Fragen, die zu stellen ich mich erst als erwachsener Mann traute, auch wegen meiner Schwester und ihrem unfreiwillig langen Schatten. Meine damalige Freundin hatte einige Wochen zuvor das Thema Familienplanung auf die Agenda gesetzt und ich hatte feststellen müssen, dass mir in diesem Zusammenhang die Antworten zu wichtigen Fragen fehlten. Antworten, die sie für sich bereits zu kennen schien.

Es war schon tiefe Nacht. Wir saßen Seite an Seite auf dem Sofa und schauten in die flackernden Flammen des Kamins, in der Hand jeweils ein letztes Bier.

„Du, sag mal,“ sagte ich, ohne den Blick von den Flammen abzuwenden. „Warum wolltest du damals eigentlich ein Kind?“

Mein Vater knurrte, trank einen Schluck und schwieg.

„Wolltest du überhaupt ein Kind?“, schob ich irritiert nach.

„Ja,“ sagte er nach einer Weile, „wir wollten beide ein Kind. Vielleicht weil ein Kind verbindet, weil es die Beziehung tiefer und bedeutungsvoller macht. Sagt man doch so, oder? Vielleicht auch einfach nur, weil wir gespürt haben, dass das etwas Gutes wäre. Ein Kind haben. Ohne groß nachzudenken. So ein plärrendes, kleines Bündel, das seine Eltern glücklich macht und für das sie ihr Leben geben würden. Die meisten Paare wollen doch irgendwann Kinder, zumindest war das früher so. Es gibt da keinen richtigen Grund für. Das ist vielleicht einfach Biologie.“

Seine Antwort kränkte mich ein wenig. Ich hätte wohl gerne etwas anderes gehört. Was genau, wusste ich aber auch nicht so recht.

„Und hat es eure Beziehung tiefer und bedeutungsvoller gemacht?“, fragte ich.

Mein Vater dachte nach.

„Es“ warst ja du. Und ja, du hast nicht nur unsere Beziehung tiefer gemacht, sondern auch unsere Leben …“ Er wollte noch weitersprechen, entschied sich aber dann doch dagegen.

Er trank wieder einen Schluck und ich tat es ihm nach. Das Bier schmeckte bitter, herb. Ich mag das. Wir sahen wieder schweigend ins Feuer, bis ich ihm noch eine Frage stellte.

Seite 1 2
Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Leserbeitrag

beziehungsweise-Leser erzählen in ihren eigenen Worten authentisch, emotional und inspirierend wahre Liebesgeschichten, wie sie nur das Leben schreiben kann. Sie haben ein Rezept für glückliche Beziehungen? Möchten Ihre Geschichte teilen? Schreiben Sie uns und machen Sie mit!