Märchen ohne Happy End

Sie fanden zusammen, trennten sich und sind jetzt glücklich – mit anderen Partnern. Aber ganz lassen voneinander können sie nicht.

Ich war 15, er war 18. Schon das fand ich irgendwie befremdlich und so gar nicht mein Ding. Er hatte schon eine eigene Wohnung, für mich war es komisch, einen „älteren Freund“ zu haben, der schon alleine wohnt. Ich war noch nicht einmal 16 Jahre alt. Und es war doch auch rechtlich gar nicht erlaubt, oder?

Also machte ich das einzig sinnvolle: Schluss. Wir trennten uns. Mir tat das auch nicht allzu weh, weil die schlechten Gefühle dabei einfach überwiegten. Das war allerdings bei ihm anders, was ich im Laufe meines Lebens feststellen musste. Ich hatte ihm sein Herz gebrochen.

„Bist du gar nicht mehr zerrissen in zwei Teile, so wie ich?

Einer will dich ganz vergessen, doch der andre schafft es nicht“

Zitat aus dem Songtext: Idiot – Matthias Reim, Michelle

Ich war 20, er war 23. Wir sind ein Paar. Er ist der schönste Mann auf der ganzen Welt, unsere Gespräche sind so wunderschön, ich kann mich fallen lassen und ich weiß, dass er mich immer auffängt und mich nimmt, wie ich bin. Wir sind leidenschaftlich, wir haben viel Sex. Unter der Dusche, auf der Couch, im Bett, auf dem Boden. Wir sind so verliebt. Nach nur 4 Wochen Beziehung. Er kennt meine Eltern, sie lieben ihn. Ich soll seine kennen lernen, und zwar auf einem Städtetrip, den wir vier machen wollen. Der Mann, dem ich das Herz gebrochen habe, hat mir verziehen – und es ist alles so wahnsinnig perfekt.

Wir brachen einander die Herzen

Zu perfekt – sagt er. Und kurz bevor das Wochenende mit meinen zukünftigen Schwiegereltern (welche ich schon bei unserer Hochzeit gesehen habe, in meinen Gedanken) startet, macht er es. Per WhatsApp. Genauso eine Arschlochnummer, wie ich es damals gemacht habe. Die Schmerzen, die er empfunden haben muss, die lassen nun mein Herz auseinanderbrechen.

Kurz darauf ist er neu verliebt. Sie ist also nicht so perfekt, wie ich? Diese Aussage, diese Begründung, dass alles so perfekt sei, lässt mich einfach nicht los. Ich brauche doch einen Grund, an dem ich mich halten kann, den ich verstehen kann und nicht dieses: „Du bist zu perfekt.“

Ich war 22, er war 25. Wir sind vergeben – aber nicht aneinander, sondern wir haben beide einen festen Partner. Und so sehr ich meinen Partner liebe, doch kriege ich ihn nicht aus dem Kopf. War einfach immer das Timing schlecht? Er hat mich aus dem nichts auf allen Social-Media-Kanälen blockiert. Aber ich habe ihm doch gar nicht geschrieben? Denkt er also auch noch an mich? Geht es ihm genauso wie mir? Hofft er insgeheim mich irgendwo zu treffen? Kriegt er weiche Knie, wenn er mich mit jemandem verwechselt, der mir ähnlich sieht? Wieso verbannt er mich aus seinem Leben und lässt mich nicht mehr checken, ob es ihm gut geht?

Ich war 24, er war 28. Wir sind immer noch vergeben – an die selben Partner von vor 2 Jahren. Das ganze Spiel geht jetzt fast 10 Jahre und wir waren ja nie wirklich lange zusammen. Ich habe fast damit abgeschlossen, denke ich.

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