Ich bin vergeben: sehr unglücklich vergeben

Wir gehen in den Imbiss und bestellen einen Kaffee und einen Kakao. Du bezahlst. Lädst mich ein, wie du zwinkernd meinst. Du lächelst. Seit wann kannst du so toll lächeln? Ich habe dich vorher nie lächeln sehen. Lachen ja … Aber nicht so ein Lächeln. Ich bin fasziniert.

Wir suchen uns eine ruhige Ecke. Es gibt viel zu reden. “Wir reden nicht über Arbeit”, so lautet unser Vorsatz. Und wir reden nur über Arbeit. Lachen über Sachen, die wahrscheinlich kein anderer ohne weiteres verstehen würde. Ich blicke die ganze Zeit in deine stahlblauen Augen. Seit wann hast du so schöne Augen? Nie sind mir diese wahnsinnig blauen Augen aufgefallen. Wie das weite Meer, das durch einen Sturm aufgepeitscht ist und in dem sich ein Wasserstrudel in Richtung Meeresgrund bildet. So blau sind deine Augen. Ich bin gefesselt. Lausche deinen Erzählungen. Erfahre Sachen über dich, die ich vorher nie gewusst habe und woran ich in keinster Weise gedacht habe.

Ich erzähle dir von meinem Leben. Meiner derzeitigen Situation. Wie unglücklich ich doch bin. Wie sehr mich die Selbstzweifel zerfressen, während ich hier mit dir sitze. Du nickst und verstehst genau, was ich sage. Du weißt schon eine Weile, wie es in mir aussieht. Du hörst das erste Mal aus meinem Mund, dass ich Gefühle für dich habe.

Ich kann so nicht weiter machen. Eine Tatsache, der wir beide nur zustimmen können. Während ich dir weiter erzähle, wie wenig ich mich noch geliebt fühle in meiner derzeitigen Beziehung, gestikuliere ich mit meinen Händen. Du ergreifst eine Hand. Ich verstumme kurz. Schaue dich an. Dich und deine stahlblauen Augen. Unfassbar, wie gut sich das anfühlt. Das Hand halten. Du lächelst mich an. Ich lächle zurück. Genau in diesem Moment wussten wir, es war um uns geschehen.

Während dieser Stunden mit fürchterlichen Kaffee und grausigen Kakao, wurde nicht einmal nach mir gefragt. Ich kriege nur eine Nachricht, wann er wieder zu Hause ist. Also naht uns der Abschied. Leider.


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