Es ist okay, mich nicht zu lieben

Es sollte endlich ihr Neubeginn werden und zunächst war alles perfekt … Unsere anonyme beziehungsweise-Leserin erzählt uns die schönste und gleichzeitig traurigste Geschichte ihres Lebens.

Es sollte endlich ihr Neubeginn werden und zunächst war alles perfekt … Unsere anonyme beziehungsweise-Leserin erzählt uns die schönste und gleichzeitig traurigste Geschichte ihres Lebens

Bislang hatten mich stets Männer angezogen, die Dominanz und pures Selbstbewusstsein ausstrahlten und daraufhin habe ich mich in toxischen Bindungen wiedergefunden. Mein geringes Selbstwertgefühl war wohl schuld, dass ich mich in dem „Glanz“ dieser Männer suhlte, dass ich mich im Schatten ihrer übertriebenen Selbstverliebtheit sicher und bestärkt fühlte.

Wahrscheinlich habe ich das lange gebraucht. Weil ich es mir selbst nicht geben konnte. Wie oft musste ich mich in früheren Beziehungen fragen, wie es sein kann, dass dieser „tolle“ Mann sich überhaupt mit mir abgab. Wo meine Meinung grundsätzlich falsch war, ich stets schuld an Schwierigkeiten war, an meiner Optik rumgemäkelt wurde und ich ständig unter dem Druck stand, bloß nicht zuzunehmen, ich mit Ignoranz gestraft wurde, wenn ich nicht funktionierte und am Ende entsorgt, wenn ich nicht mehr ins Bild passte.

Solche Erlebnisse hinterlassen Narben auf deiner Seele. Der Schmerz, der dich nach manchen Erfahrungen und hiermit verbundenen Erkenntnissen trifft, ist kaum beschreibbar. Die innere Leere frisst dich auf und du spürst nichts mehr, außer diesem bestialischen Schmerz. Nach einer Zeit habe ich es immer wieder geschafft aufzustehen, meinen Weg weiterzugehen. Aber die Narben auf meiner Seele sind geblieben. Und sie werden nie wieder weggehen. Und was bleibt ist die Angst. Die Angst, wieder so etwas erleben zu müssen, die Angst nicht zu genügen.

Immer dachte ich, ich bin nicht gut genug

Dann kamst du plötzlich in mein Leben. Du warst nicht der arrogante selbstverliebte Typ. Vielmehr hörte ich oft genug deine eigenen Zweifel an dir heraus. So oft erklärtest du mir, dass ich eigentlich einen größeren Mann bräuchte. Schämtest dich, dass du aktuell kein Auto hast und entschuldigtest dich so oft für deine Wohnung, die in deinen Augen nicht groß genug war. Du warst so stolz auf meinen Job und gabst mir oft das Gefühl, dass du garnicht fassen kannst, dass ich an deiner Seite bin. Immer wieder erzähltest du mir von deinen Zukunftsplänen in Form von beruflichem Aufstieg und finanzieller Verbesserung. Immer wirktest du so, als wenn du dich irgendwie für dich selbst rechtfertigen müsstest.

Mein Lieber, ich hoffe, dass ich dir niemals das Gefühl gegeben habe, dass du das in irgendeiner Form tun musstest. Ich hoffe so sehr, dass du wegen mir nie dachtest, du seist nicht genug. Niemals hätte ich gewollt, dass du so fühlst, wohlwissend, wie furchtbar es sich anfühlt, so etwas glauben zu müssen. Ich hoffe, du weißt, dass du mehr als genug bist. Du hast mir etwas gegeben, was ich nie zuvor erleben durfte. An deiner Seite durfte ich das Gefühl von echter Partnerschaft erleben. Als ich auf dich traf, war ich eine verletzte Seele, die nach außen hin taff und souverän wirkte, während in ihr die blanke Panik herrschte.

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