Beinahe war es Liebe

Er wollte mehr Freiraum, sie wollte mehr Wir. Unsere anonyme beziehungsweise-Leserin erzählt von einer Beinahe-Beziehung, die letztlich leider nur ihren Hoffnungen existierte

Ich fühle dich immer noch, als wärst du noch hier direkt neben mir. Ich denke noch jeden Tag an dich, obwohl du mein Leben schon lange verlassen hast und die Erinnerungen an dich das Einzige sind, was du mir zurückgelassen hast.

Du kamst in solch einer Tiefe in mein Leben, als hättest du vor lange zu bleiben. Doch am Ende warst du so schnell wieder fort, wie du gekommen bist. Und ich muss mich damit abfinden, dass unsere gemeinsamen Augenblicke nur einen Tanz lang gedauert haben und der Song einfach geendet hat. Nicht für mehr als ein paar Ausschnitte einer beinahe Liebe bist du geblieben. Ein beinahe ganzes Jahr hatte ich mit dir: Winter, Frühjahr, Sommer und Herbst.

Unerwartetes Aufeinandertreffen 

Es war ein gewöhnlicher Montag, an dem wir auf einer Fortbildungsveranstaltung aufeinandertrafen. Ich nahm dich zunächst lediglich wahr. Später kamen wir ins Gespräch und direkt war da dieser gemeinsame Anknüpfungspunkt unserer ähnlichen beruflichen Wege und Wünsche. Unser geteilter beruflicher Weg der Psychotherapieausbildung ließ mich dir direkt nahe fühlen. 

Ich zögerte nicht lange, dich am Ende der Veranstaltung nach deiner Nummer zu fragen. Wenige Zeit später trafen wir uns in einer Bar. Ich erinnere mich an diesen Abend, als wäre es gestern gewesen. Da warst Du: Dein Lächeln, deine Wärme und dein Talent, direkt Nähe und Verbundenheit zu mir herzustellen. Und da war Ich: Direkt fasziniert von deiner Art und in diese Nähe eintauchend. 

Wir tranken Wein, führten ein endloses Gespräch und entdeckten und besprachen unsere erstaunlich vielen Gemeinsamkeiten, von denen wir bewegt und fasziniert waren. Sehr bald habe ich mich mit dir verbunden gefühlt, hatte das Gefühl, dich schon ewig zu kennen und mehr von deiner Nähe spüren zu wollen. 

Irgendwann musste dieser Abend zu Ende gehen und wir verabschiedeten uns. In unseren beiden Augen lag so viel Euphorie für das soeben Erlebte und die Begierde nach mehr. Wir verständigten uns darauf, uns bald wieder zu sehen. Wir verbrachten bald einen weiteren Abend. Und diesem folgten weitere.

Gemeinsam durch die Krisen

Wir waren zu diesem Zeitpunkt beide noch in Beziehungen, die allerdings in den Verabschiedungsprozessen waren. Wir begleiteten uns dabei, teilten unsere Gedanken, Empfindungen, Unzufriedenheiten und Verletzlichkeiten. Alle unsere Gemeinsamkeiten schlugen sich in unserer beiden Leben, in unseren Gewohnheiten, unserem Gefühlserleben und in unseren Gedanken und Ansichten nieder. Ich konnte mich in dir wiedererkennen, es war beinahe beängstigend, wie ähnlich unsere Sicht auf die Welt war. Bereits zu diesem Zeitpunkt hast du so etwas Tiefgründiges in mir bewegt, ich wusste, das kann nicht so schnell aufhören. 


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