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Schwules Kinderglück durch Leihmutter

Immer mehr schwule Männer wünschen sich eine Familie. Autor Derek Meyer erfüllte sich seinen Traum. Gastbeitrag vom mono-magazin

Nicht nur Frauen haben eine biologische Uhr, die stetig tickt. Auch Männer haben oftmals den stark ausgeprägten Wunsch nach einem Kind und die Sehnsucht nach einer eigenen Familie. Aber was macht man, wenn man sich nicht in der Lage sieht, dieses Ziel auf herkömmlichen Weg zu erreichen?

Autor Derek Meyer wuchs in Deutschland auf und ging 2001 nach dem Studium für einige Jahre nach London, bevor er 2009 nach New York zog. Vor kurzem hat er eine neue  Rolle in seinem Leben übernommen: die des alleinerziehenden Vaters. Darüber schrieb er sein neues Buch „Baby, Fame & Inspiration“. das mono-magazin hat mit Derek Meyer gesprochen.

Woher glaubst du kommt dein starker Kinderwunsch? Warum hast du dich nicht wie Tausende anderer Schwule mit deinem Schicksal abgefunden ? 

Ich bin in einer grossen Familie mit 25 Cousins und Cousinen aufgewachsen und für mich stand immer fest, dass ich irgendwann einmal Kinder haben wollte. Als ich Mitte der 90er Jahre von einem englischen, schwulen Paar erfuhr, das sich über die Leihmutterschaft den eigenen Kinderwunsch erfüllt hatte, hatte ich schnell realisiert, dass schwul sein nicht der Verzicht auf eine eigene Familie bedeuten muss. Von daher habe ich mir selbst niemals die Frage gestellt, ob es in meinem Leben eigene Kinder geben würde oder nicht.

Allerdings war es mir wichtig ein paar Dinge zu tun, bevor ich eine eigene Familie gründen wollte. Ich denke da besonders an meine Jahre in London und New York City und wollte studieren und reisen. Nach meinem Besuch in Machu Picchu in Peru in 2013 stand für mich jedoch fest, dass es Zeit war, der Leihmutterschaft eine Chance zu geben.

Wann war der Punkt, an dem du beschlossen hast, deine Erfahrungen für andere in einem Buch niederzuschreiben ?

Als ich von der Schwangerschaft meiner Leihmutter erfuhr, gingen mir auf einmal tausend Dinge durch den Kopf. Ich erinnerte mich oft an meine Kindheit und Jugend und reflektierte die letzten dreißig Jahre meines Lebens. Ohne dass ich es eigentlich wollte, ging ich auf eine Art Reise und bekam die Gelegenheit, mich noch einmal neu zu finden und letztendlich als angehender Single Vater neu zu definieren.

Die Inspiration selbst ist ein so starkes Wort, aber so wie ich in meinem Leben durch bestimmte Menschen inspiriert worden war, hoffte auch ich, dass andere von meinen Erfahrungen und Beweggründen lernen könnten. Darüber hinaus hatte ich schon im Vorfeld erkannt, dass sehr viele meiner deutschen Freunde, Bekannten und Verwandten mit dem Begriff Leihmutterschaft nichts anfangen konnten.

Ein Buch über meine Erfahrungen zu schreiben, schien ein guter Weg gewesen zu sein, im Nachhinein viele Fragen nicht noch einmal beantworten zu müssen und etwas an die Gay Community zurück zu geben, nachdem in der Vergangenheit so viele ihrer Mitglieder auf den Strassen für unsere Rechte protestiert hatten.

Gab es Menschen in deinem Leben, die gegen die Veröffentlichung deines Buches waren ? 

Ich bin in einem sehr konservativen Umfeld aufgewachsen und in unserer Gesellschaft ist man es nicht gewohnt gewesen, seine Gedanken, Gefühle oder auch Ängste mit anderen zu teilen. Ich kann mir vorstellen, dass es da u.U. Menschen gegeben hatte, die sich gegen eine Veröffentlichung ausgesprochen hätten. Aber ich lebe in New York mein eigenes Leben und bin dort in meinem Freundeskreis und Job etabliert und treffe meine eigenen Entscheidungen.

Eine Verlegerin aus München wollte das Buch veröffentlichen, nachdem sie es nach ihren eigenen Vorstellungen umgeschrieben hätte. Dieses Projekt lag mir sehr am Herzen und die Geschichte geht in der Art und Weise, wie sie aufgebaut ist, unter die Haut. Es sind verschiedene Teile die als Ganzes zusammenpassen und ich habe dann ohne Probleme später einen anderen Verleger gefunden.

Es gibt eine Reihe von Menschen, die gerade in den USA einen großen Bekanntheitsgrad genießen und Teil dieser Geschichte geworden sind. Aber ich muss sagen, dass ich mich freue, ihnen in ein paar Wochen die englische Übersetzung senden zu dürfen, da niemand, der in der Lage ist, andere zu inspirieren, unangenehme Überraschungen in einem Buch befürchten muss.

Glaubst du, dass deine Chancen als alleinerziehender, homosexueller Vater, einen Partner zu finden größer sind, als die einer heterosexuellen, alleinerziehenden Frau?

Ich denke, dass der Begriff „Patchwork“ Familie in den letzten Jahren unter Beweis gestellt hat, dass sowohl heterosexuelle, alleinerziehende Frauen als auch Männer sehr gute Chancen haben, einen Partner zu finden. Menschen binden sich in unterschiedlichen Phasen ihres Lebens und es ist schön, wenn einzelne Familien zusammengeführt werden und neue Konstellationen entstehen.

In der Gay Community selbst ist es häufig sehr unüblich, auf Dates mit alleinerziehenden Männern zu gehen. Ich hatte in meinem Leben sehr viele Dates und tatsächlich kam das Thema Kinder nie auf den Tisch. Aber das liegt auch daran, dass ich damals jünger und Teil einer sehr partyorientierten Gesellschaft war. Natürlich wäre es in dem Umfeld sehr schwierig gewesen, den richtigen Partner zu finden.

Aber auch ich bin erwachsen geworden und hatte im letzten Jahr Dates mit Männern, die dem Thema sehr offen gegenüber standen. Ich hatte den Eindruck, dass ein Teil von ihnen auch von einer eigenen Familie geträumt hat, mit anderen Worten schien ich plötzlich die Aufmerksamkeit von einem anderen Typ von Mann gewonnen zu haben.

Ich denke, dass viele Schwule noch ein wenig brauchen, um sich mit der Kinderfrage anzufreunden, aber es passiert zumindest in der Gay Community in New York sehr viel und ich bin zuversichtlich, auch mit Kind nicht mehr lange Single zu sein, da wir als moderne Väter sicherlich mehr Möglichkeiten haben, in unserem Leben Zeit und Platz für Dates zu finden.

Wohin glaubst du wird sich die ganze Adoptions- und Leihmutterschafts-Situation in Deutschland entwickeln? Was wünschst du dir?

Es wird Singles und homosexuellen Paaren zur Zeit noch sehr schwer gemacht, Kinder zu adoptieren. Ab einem bestimmten Alter (40) wird man für Adoptiv- oder Pflegekinder gar nicht mehr berücksichtigt und ich denke wirklich, dass sehr viele Bewerber von diesem Prozess ausgeschlossen werden, die wunderbare Eltern wären und alle nötigen Qualifikationen mitbrächten.

Häufig sehen Homosexuelle auch keinen anderen Weg, als Leihmutterschaften im Ausland zu verschleiern und vor Behörden Geschichten von Urlaubsflirts zu erfinden, um ihre Kinder hinterher mit nach Deutschland nehmen zu dürfen. Ich finde das alles sehr traurig, da ich als Deutscher z.B. die englische Staatsbürgerschaft annehmen musste, damit mein Kind später unbeschwert durch Europa reisen darf.

Ich wünschte mir, dass der Adoptionsprozess etwas vereinfacht wird. Die langen Wartezeiten und hohen Kosten schrecken oft Bewerber ab, die Adoptivkindern ein wunderbares Zuhause bieten könnten. Ich wünschte mir auch, dass Schwule stärker bei der Kindervergabe berücksichtigt werden und diese Art der Diskriminierung ein Ende findet, da die Sexualität eines Elternteils keinen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes hat.

Was die Leihmutterschaft angeht, wird sich der Staat noch eine sehr lange Zeit gegen eine Legalisierung stellen. Ich vermute, dass junge Menschen diesem Thema gegenüber sehr aufgeschlossen sind. Aber ich habe auch erkannt, dass viele Mitglieder einer doch manchmal sehr konservativen Gesellschaft immer noch den Standpunkt vertreten, dass zu einer traditionellen Familie ein Vater und eine Mutter gehören.

Doch ich möchte an dieser Stelle auch betonen, dass meine eigene Familie heute voll und ganz hinter mir und meiner Tochter steht. Einige von ihnen haben sicherlich ein paar Monate Zeit gebraucht, aber sie freuen sich sehr für uns. Das gibt mir persönlich Hoffnung, dass sich die Adoptions- und Leihmutterschafts-Situation in Deutschland in den kommenden Jahren positiv weiter entwicklen wird.

Derek Meyer: Baby, Fame & Inspiration

Derek Meyer: Baby, Fame & Inspiration

Derek Meyers autobiografische Geschichte
“Baby, Fame & Inspiration” 
ISBN: 978-3-7323-1285-6
Verlag: Tredition
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Über den Autor/die Autorin

MONO Magazin

MONO Magazin ist dein schwul/lesbisches online Magazin rund um Lifestyle, Musik, Mode, Events und Entertainment. Wir sagen das, was die Szene denkt, aber nicht aussprechen möchte. Ehrlich, direkt und manchmal auch unbequem, aber auf jeden Fall unzensiert. Wir wollen unterhalten, hinterfragen ohne auf Eigenhumor zu verzichten.