Wir verwenden eigene Cookies und Cookies Dritter, um die Nutzung der Website zu analysieren und um Werbung auf unserer und anderen Websites auszuspielen.
Verpassen Sie
keinen Artikel mehr!

Melden Sie sich jetzt für unseren Newsletter an:
per WhatsApp oder per E-Mail!

Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.
Ich möchte per E-Mail von beziehungsweise (PE Digital GmbH) über aktuelle Artikel rund um die Liebe sowie über Produktangebote informiert werden. Diese Einwilligung kann jederzeit widerrufen werden. Kontaktadressen entnehmen Sie unseren Datenschutzhinweisen.
Verpassen Sie keinen Artikel mehr!

Folgen Sie uns jetzt auf WhatsApp!

Unsere Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie hier.

unerhört: Gehen oder bleiben?

In Beziehungen läuft es immer wieder mal nicht rund. Aber wann ist Zeit zu gehen und wann lässt sich die Liebe noch retten? 

Frage:
Will er sich trennen oder nicht? Ich habe Angst

Ich bin Anfang 20 und zum zweiten Mal in einer Beziehung. Meine Erste ist ein Jahr her und hielt fünf Jahre. Aber im Nachhinein denke ich, dass sie nur auf Grund von Abhängigkeit so lange hielt. Mein neuer Partner ist genau das, was ich immer gesucht habe. Nett, höflich, zuvorgekommend, liebevoll und liebesbedürftig, humorvoll und optisch auch genau mein Typ. Jetzt wohne ich seit einem Monat bei ihm und wir hatten vergangenen Sonntag unser erstes Problemgespräch. Ich hatte in dem Moment das Gefühl, dass er die Beziehung beenden möchte. Was ich ihm auch sagte und meinte, dass ich versuche an mir zu arbeiten – wenn er das überhaupt will. Er antwortete, dass er das natürlich möchte und deswegen ja mit mir reden wollte. Nach dem Gespräch war er wieder so, als ob nichts gewesen wäre. Ich hingegen habe mit meiner Verlustangst zu kämpfen, da ich mich endlich wieder auf jemanden eingelassen habe und angefangen habe ihm zu vertrauen und mich zu öffnen. Ich kann nicht einfach so tun als ob dieses Gespräch nie stattgefunden hat. Meine Angst beschäftigt mich täglich, ich schlafe kaum und wenn ich ihn ansehe, kommt meine Angst zum Vorschein und ich bin kurz davor zu weinen.

bzw. Antwort:
Problemgespräche müssen Sie nicht fürchten. Aber an Ihrer Verlustangst sollten Sie arbeiten

Zunächst Glückwunsch dazu, dass Sie offenbar einen Menschen gefunden haben, der gut zu Ihnen zu passen scheint. So schnell zusammenzuziehen ist sicher ungewöhnlich, da man sich ja eigentlich noch nicht so richtig kennt. Umso wichtiger ist es, wirklich miteinander zu sprechen. Ich finde es sehr gut von Ihrem Partner, dass er das Gespräch gesucht hat und Ihnen seine Wahrnehmungen und Gefühle mitgeteilt hat. So wissen Sie, was ihn beschäftigt und was ihm eventuell in der Beziehung fehlt. Das ist konstruktiv und spricht dafür, dass ihm etwas an der Beziehung liegt. Ich finde es auch gar nicht schlimm, dass es solche „Problemgespräche“ gibt – im Gegenteil, wenn sie vermieden werden, dann ist das viel problematischer. Vielleicht vereinbaren Sie beide auch regelmäßige Gespräche, das machen viele Paare. So staut sich kein Frust auf und jeder hat die Chance, viel unmittelbarer zu reagieren. Ich denke, das sind die Dinge, die Sie im Moment tun können.

Sie haben angedeutet, dass Sie grundsätzlich Angst haben, sich einem Menschen gegenüber zu sehr zu öffnen (und damit auch verletzbar zu machen). Eine solche Furcht hat bestimmte Ursachen. Auf der anderen Seite ist es aber ein grundlegender Anspruch an eine echte Paarbeziehung, dass die Beteiligten sich offen gegenüberstehen und sich nah sein können. Haben Sie denn eine Idee, woher die Verlustangst/Bindungsangst bei Ihnen herkommt? Oft muss man ein wenig weiter zurück in die Vergangenheit gehen, um die genauen Ursachen herauszufinden. Beispielsweise leiden Scheidungskinder oft darunter, weil sie erlebt haben, dass das erste „Beziehungsmodell“, welches sie erlebt haben (Vater/Mutter), nicht funktioniert hat. Unabhängig von Ihrer aktuellen Beziehung würde ich Ihnen empfehlen, die Ursachen herauszufinden – am besten auch mit fachlicher Unterstützung. Wenn Ihnen diese Ursachen klar sind, dann können Sie viel besser mit den Symptomen (Rückzug, Nähe nicht aushalten etc.) umgehen. Daran können Sie „arbeiten“.

Divider

Frage:
Ich habe ja Verständnis für seinen Stress, aber er wird beleidigend

Ich muss vorausschicken: Ich leide unter Depressionen, befinde mich in Psychotherapie und bin glücklicherweise nicht mehr auf Medikamente angewiesen. Nach meiner letzten Beziehung kann ich nicht mehr ganz so gut vertrauen. Ich bin etwa zwei Jahre mit meinem neuen Partner zusammen. Er macht momentan eine Umschulung, es ist sehr stressig für ihn, viele Prüfungen … Leider gibt es fast täglich Zoff. Er weiß, dass es eigentlich wichtig ist auch in die Beziehung Zeit zu investieren und ich lasse ihm so gut es geht unter der Woche seine Ruhe. Wenn ich mich aber mal melde und ihn frage, ob er etwas Zeit hat, werde ich meistens forsch angepampt oder gar ignoriert! Durch sein Verhalten fällt es mir sehr schwer, meine Depressionen im Griff zu halten. Ich weiß nicht mehr, ob mein Freund mich noch liebt, ob er eine Affäre hat oder ob ihm schlicht und einfach nicht bewusst ist, was sein Verhalten bei mir auslöst! Allen Fragen, die unsere Beziehung betreffen, weicht er aus. Ich habe wirklich Verständnis für seine Situation und halte mich mit meinen Depressionen so gut es geht von ihm zurück, wenn ich aber gerne klärende Gespräche mit ihm in Ruhe angehen möchte, wird er meistens sehr beleidigend zu mir. Wir wollten eigentlich zusammenziehen. Aber ich frage mich: Hat diese Beziehung noch eine Zukunft oder nicht?

bzw. Antwort:
Lassen Sie sich seine Respektlosigkeit nicht bieten

Sie scheinen im Moment mit Ihrem Partner in einer Sackgasse zu stecken. Er fühlt sich wahrscheinlich mit der gesamten Situation überfordert und empfindet Ihre Nachfragen als zusätzliche Belastung, Sie wünschen sich mehr Kontakt und fühlen sich zurückgewiesen. Gerade vor dem Hintergrund, dass Sie nach eigener Aussage Schwierigkeiten damit haben, zu vertrauen, ist die aktuelle Situation natürlich besonders belastend. Zunächst finde ich es sehr gut, dass Sie Ihrem Freund – trotz negativer Erfahrungen in Ex-Beziehungen – mit Vertrauen begegnen wollen. Beim Lesen Ihrer Beschreibung wird aber an vielen Stellen deutlich, dass Sie offenbar alles für Ihren Partner tun wollen, ihn – obwohl er Sie demütigt – in Schutz nehmen und Erklärungen für sein Verhalten suchen. Aber wo bleiben Sie in dieser Beziehung? Es klingt für mich nach einem großen Ungleichgewicht in Ihrer Partnerschaft: Ihr Freund „darf“ sich benehmen, wie er will und lässt seine Launen an Ihnen aus und Sie nehmen alles hin. Kann so eine glückliche Beziehung funktionieren? Sie schreiben, dass Sie klärende Gespräche mit ihm suchen, er dann aber beleidigend wird. Er ist überheblich Ihnen gegenüber und Sie versuchen dies mit seiner Ausbildung zu rechtfertigen. Liebe hat auch mit Respekt zu tun, den anderen zu achten, ihn zu unterstützen und nicht klein zu machen. Im Moment scheint dies aber nur von Ihnen auszugehen – das geht auf Dauer nicht gut und Sie werden immer mehr darunter leiden. Ich kann Ihnen versichern, dass sein Verhalten Ihnen gegenüber nicht ausschließlich mit Stress im Beruf zu tun hat. Möglicherweise ist man hin und wieder gereizt oder hat weniger Zeit, in respektlosem und verletzendem Verhalten der Partnerin gegenüber kann und darf es aber nicht enden. Mit Sicherheit gibt es einen anderen Grund für sein Verhalten. Solange er nicht bereit dazu ist, mit Ihnen offen und ehrlich darüber zu sprechen, sehe ich keine Chance für eine Veränderung der Situation. Im Gegenteil: Sie werden immer mehr versuchen, seine Launen abzufangen und er wird sie immer weiter ausleben. Ich würde Ihnen dringend empfehlen, ein Zusammenziehen auch davon abhängig zu machen, ob er bereit dazu ist, an Ihrer gemeinsamen Beziehung zu arbeiten. Ich muss Ihnen das so deutlich schreiben, weil sich die Situation von außen betrachtet recht klar darstellt und ich mir wünsche, dass Sie glücklich werden.

Divider

Sie haben auch Fragen? So erreichen Sie uns:

(Mo.–Fr., 9–18 Uhr)

[email protected]
Posting oder Privatnachricht

Verwandte Themen:

Über den Autor/die Autorin

Markus Ernst

Der Diplom-Psychologe Markus Ernst führt in Hamburg eine eigene Praxis als Paartherapeut und psychologischer Gutachter. Außerdem ist er als Coach für Parship tätig.