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unerhört: Bin ich zu egoistisch, wenn ich meinen Freiraum benötige?

Er wünscht sich mehr Nähe, sie benötigt mehr Freiraum. Die Auseinandersetzungen darüber belasten zunehmend ihre Beziehung und beide verlieren das Vertrauen ineinander

Frage:
Wie kann ich ihm verständlich machen, dass er an sich arbeiten muss?

Wir sind seit knapp 11 Monaten ein Paar und es gab immer wieder Auseinandersetzungen wegen des Themas Klammern und Besitzverhalten in der Beziehung. Ich bin ihm oft zu egoistisch und er mir zu besitzergreifend oder klammernd.

Ich muss dazu sagen, dass das für mich die erste Beziehung ist, in der ich mir wirklich eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann. Ich habe schon mehrere schlechte Erfahrungen gemacht und binde mich deshalb seitdem nur schwer, vertraue jemandem auch erst nach einiger Zeit wirklich. Aber bei ihm kann mich richtig wohlfühlen. Eigentlich.

Nur, wenn wir gemeinsam mit Freunden unterwegs sind, sei es beispielsweise auf einem Fest, dann will er die ganze Zeit mit mir verbringen und ständig meine Aufmerksamkeit. Ich mag aber auch mal mit Freunden alleine losziehen, eine Runde gehen oder mir eine Nascherei gönnen.

So war ich kürzlich auf einem gemeinsamen Event mit meinen Mädels mal alleine unterwegs und er hat mich dann angepflaumt, weil ich so lange weg war. Dabei hat er gemeint, ich wäre oft egoistisch und mache auf eigene Faust mein Ding, ohne zu bemerken dass es ihn verletzen könnte, ich sei auch abweisend oder behandele ihn so wie einen Kumpel und nicht wie meinen Partner. Er hatte im Prinzip schon Recht, dass ich dort nicht darauf achtete und es tut mir auch leid, dass ich auf ihn diesen Eindruck machte. Aber es waren eben Freunde dabei, die ich schon länger nicht mehr gesehen hatte und ich habe mich dann hauptsächlich mit diesen unterhalten, aber muss ich mich dafür rechtfertigen? Er meint, er würde es sich wünschen, dass ich weniger an mich und mehr an uns denke. Aber ich finde, dass er ein Drama um nichts gemacht hat.

Ich bin ein Mensch, für den auch der persönliche Freiraum eine hohe Priorität hat, seien es Unternehmungen mit Freunden, Hobbies, Zeit für mich allein, Besuche bei der Familie etc. Ich sehe meinen Freund meistens am Wochenende, da wir einige Stunden Fahrzeit von einander entfernt wohnen und beide ganztags arbeiten. Wir wohnen beide in einer WG. Ich wohne mit meiner besten Freundin zusammen und er mit seinem Bruder. Mein Freund hat beispielsweise ein stärker ausgeprägtes Kommunikationsbedürfnis als ich, also er telefoniert lieber als ich, will immer wissen, wie mein Tag war und was so abgelaufen ist etc. Im Grunde will er die Zeit, in der wir uns nicht sehen, mit viel Kommunikation übers Handy kompensieren. Bei mir ist es so, dass ich nach einem anstrengenden Tag lieber meine Ruhe haben möchte, ich möchte meinen Hobbies nachgehen und will dann einen entspannten Abend auf der Couch mit Film oder Buch verbringen. Wenn wir uns sehen, fragt er mich auch oft, ob ich zufrieden oder glücklich bin, ob alles gut ist (wenn ich nachdenklich wirke etc.) und er will da auch jede Minute zusammen verbringen. Er fragt schon nach, wenn ich mal eine halbe Stunde im Bad verbringe.

Dann möchte er gerne, wenn er Ende des Jahres die WG mit seinem Bruder auflösen muss (die Jungs-WG ist nur eine Übergangslösung nach Wunsch seiner Eltern, weil sein Bruder heuer im Herbst anfängt zu studieren), mit mir schon zusammen ziehen. Ich fühle mich aber noch nicht bereit dazu und meine Mitbewohnerin sowie Freundin will ich natürlich auch nicht hängen lassen. Außerdem hat das Zusammenziehen für mich noch Zeit. Es spielen hier auch mehrere Faktoren eine Rolle, wie Job, Verdienst usw. Es war ehrlich gesagt schon ein Kampf, bis er akzeptiert hat, dass ich noch nicht dazu bereit bin und dass das alles nichts damit zu tun hat, wie sehr ich ihn liebe.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass ich mich oft kontrolliert und umklammert fühle und ich vermute diesen Impuls bekommt er immer dann, wenn er ein größeres Nähebedürfnis hat als ich und ich mich etwas zurückziehe. Als ob er Angst hätte, wenn ich mich eben auf mich konzentriere und meine Ruhe haben will, er in dem Moment nicht an mich herankommt.

Aber wenn er Druck auf mich ausübt, dann bekomme ich den Impuls, mich dem Druck zu entziehen. Außerdem macht er auf mich den Eindruck, dass er die Probleme und Erwartungen, die er an sich selber hat, auf mich überträgt. Und zwar genau dann, wenn ich mich nicht so verhalte, wie er es sich wünscht oder vorstellt.

Ich meine, ich liebe ihn wirklich und bin glücklich mit ihm und er sagt mir das auch immer wieder, er gibt mir so viel und ich will natürlich mit ihm zusammen bleiben. Wir verstehen uns auch super, können viel miteinander lachen und reden.

Die Frage ist nun, wenn wir nochmal ein ernsthaftes Gespräch führen, wie ich es ihm verständlich machen kann, dass er an sich arbeiten muss und es ihm schon helfen würde, sich auch in vielerlei Hinsicht einfach zu entspannen.

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Über den Autor/die Autorin

Eric Hegmann

Liebe macht glücklich. Unser CLO (Chief Love Officer) verantwortet die redaktionellen Inhalte von beziehungsweise. Eric Hegmann ist Autor zahlreicher Bücher rund um Partnerschaft und Partnersuche und berät Singles und Paare. Arbeitsschwerpunkte: Bindungsangst und Verlustangst ( Beziehung mit Narzissten , emotionale Abhängigkeit), Beziehungsunfähigkeit , Warnsignale Beziehung: Gehen oder bleiben? und bietet zu diesen Themen zahlreiche Online-Kurse an. Er ist Gründer der Modern Love School. Der Wahlhamburger ist verheiratet und lebt und arbeitet seit 25 Jahren neben der berühmtesten "Liebes-Meile" der Welt: der Reeperbahn.