Warum soll ich aus meinem Leben einen Kompromiss machen?

Unsere Gastautorin wartet lieber noch etwas länger, als einen Kuhhandel einzugehen

Mit dem Beziehungsstatus Single ist es ja bisweilen so, dass die Menschen in meinem näheren Umfeld viel mehr darunter leiden als ich selbst. Und je länger dieser Zustand dauert, umso verzweifelter sind sie scheinbar.

„Du bist zu jung, um alleine zu sein.“
„Ich bin 38 Jahre. Jung ist man mit 25“, denke ich.
„Ich weiß, Papa.“ höre ich mich stattdessen sagen.

In regelmäßigen Abständen fühle ich mich dazu genötigt, meinen Lieben neue Hoffnung und Mut für mich selbst zu geben. An dem Versuch, ihnen klar zu machen, dass ich mich derzeit recht wohl fühle und die Zeit mit mir selbst sehr mag, bin ich kläglich gescheitert. Irgendwie nimmt mich in Bezug darauf keiner ernst und vorstellen kann es sich wohl erst recht niemand.

Was nutzt ein Kompromiss, der beide nicht befriedigt?

Am allerwenigsten meine Tante Maria, die mich bei jeder Familienfeier und nach einem verstohlenen Blick über meine Schulter, um sich zu vergewissern, dass nicht doch noch ein männlicher Begleiter um die Ecke kommt, an ihren Busen drückt und mir mit den Worten “Da muss doch mal einer für Dich dabei sein“ liebevoll über das Haar streicht.

„Aaaawwwww….Mitleid, Geborgenheit, ach ja. So fühlt sich das an. Hatte ich ja fast vergessen.“ Kurz überlege ich, ob ich Tante Maria von jetzt an vielleicht etwas regelmäßiger besuchen sollte – wische den Gedanken aber ganz schnell weg, als der ultimative Satz fällt: „Du hast zu hohe Ansprüche!“

Also Entschuldigung, ich finde nicht, dass Bodenständigkeit und Freiraum zu hohe Ansprüche sind.

Augen auf beim Tauschgeschäft, wenn es kein Kuhhandel werden soll

Als Single erlebt man ja die tollsten Dinge. Vor ca. einem Jahr habe ich einen Mann gedatet, der vollends vom Venusprojekt überzeugt war. Da braucht man ja eigentlich gar nichts mehr und Geld am allerwenigsten. Die Dinge, die benötigt werden, die werden einfach getauscht. Also sah ich mich beim dritten Date im Auto sitzend, ihn zur Behörde fahrend, damit er seinen Ausweis dort abgeben kann. Braucht man dann ja auch nicht mehr. Seinen gut bezahlten Job als Programmierer hat er gekündigt. Ob er jemals überhaupt ein Auto besessen hat, kann ich gar nicht sagen. Der kleinste gemeinsame Nenner zwischen ihm und seinem Venusprojekt war sein Fahrrad. Marke Diamant. Egal ob er in die Pedale trat oder bremste, dieses Ding quietschte immer und das vorzugsweise am lautesten, wenn wir am Elbufer an den ganzen angesagten Szene-Cafes entlang radelten. Schon da hätte mir klar sein müssen, dass seine Philosophie irgendwie so gar nicht zu meiner passt und er vielleicht auch gar nicht zu mir. Stattdessen ließ ich mich von ihm zum Pflücksalat essen einladen. Hätte ich mir eigentlich denken können, dass er das wortwörtlich meint. Den Salat haben wir uns nämlich selbst gepflückt. Auf einer Wiese!


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