Was sich liebt, das spiegelt sich

Es müssen nicht immer Worte sein, mit denen wir unsere Sympathie ausdrücken. Liebende benutzen oft unbewusst den so genannten Chamäleon-Effekt, um sich ganz nah zu sein

Wenn zwei sich kennenlernen, lässt sich oftmals ein aufschlussreiches Flirtsignal beobachten. Wie neulich, als ich draußen vor einem portugiesischen Café saß und sich auf der Nebenbank diese kleine Alltagsszene abspielte: Zwei Mittzwanziger, dampfende Galãos auf dem Tisch, offenbar vertieft in eine angeregte Unterhaltung. Als er sich beim Sprechen kurz nach hinten lehnt, folgt sie seiner Bewegung nur kurze Zeit später. Dann geht sie nach vorn und greift zur Kaffeetasse. Er tut es ihr mit seinem Kaffee gleich. Später legen sie ihre Hände voreinander auf dem Tisch ab. Beide lachen.

In der Psychologie ist diese nonverbale Form der Kommunikation schon lange bekannt: als Chamäleon-Effekt, Mimikry oder als „Spiegeln“. Indem wir Gestik und Mimik des anderen imitieren, signalisieren wir ihm: Du bist auf meiner Wellenlänge! Wir versetzen uns bildlich in die Lage des anderen hinein, weil wir ihn besser verstehen, ihm nahe sein wollen. Unsere Körperbewegungen synchronisieren sich. Es ist, als hätte man sich stillschweigend zu einem Tanz verabredet, bei dem man einer geheimen Choreographie folgt. Das Faszinierende: Derjenige, der nachgeahmt wird, findet den Nachahmer oftmals automatisch anziehend, ohne zu wissen, warum.

Als hätte man sich stillschweigend zu einem Tanz verabredet

Spannend ist in diesem Zusammenhang, was die Psychologen Lara Maister und Manos Tsakiris von der „University of London“ kürzlich in einer Studie herausgefunden haben. Sie untersuchten erstmals, wie sich die Partner in festen Beziehungen spiegeln. Man könnte ja auf die Idee kommen, dass es nur der anfänglichen Verliebtheit geschuldet ist, dass zwei so aufmerksam jede Körperbewegung des anderen registrieren und (unbewusst) nachahmen.

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