Was Ehe bedeutet

Warum heiraten wir eigentlich? Was bedeutet die Institution der Ehe? Paarberater Eric Hegmann im Gespräch mit der Philosophin Birgit Ehrenberg über pompöse Hochzeiten, Vernunftehen und einen der schönsten Liebesbriefe der Welt

Eric Hegmann: Liebe Frau Ehrenberg, es wird wieder mehr geheiratet in Deutschland, die Ehen dauern länger und werden seltener geschieden. Woher kommt diese Renaissance der Ehe? Oder war die Ehe vielleicht nie wirklich weg?

Birgit Ehrenberg: Wirklich weg war die Ehe tatsächlich nie, gute Ideen sterben eben nicht aus. Wer kann der Aussicht auf dauerndes Liebesglück widerstehen? Die Ehe ist eine der großen Verheißungen der Kulturgeschichte. In den 68er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts, als sich in Deutschland die Studentenbewegung formierte, die das ganze politische und gesellschaftliche System in Frage stellte, geriet auch die Ehe in Verruf. Die führenden Köpfe der Studentenbewegung verstanden die Institution der Ehe als eine Fessel, weil sich die Ehe eben althergebracht über die Treue definierte. Der Zwang zur Treue wurde als eine Art von Besitzdenken interpretiert und im Rahmen der Kritik am Kapitalismus kam Besitzdenken schlecht weg. Es herrschte die Vorstellung, dass die freie Liebe und damit Hand in Hand gehend eine freie Sexualität der Liebe viel mehr gerecht wird. Jede Einschränkung und Begrenzung von seelischen und erotischen Gefühlen auf die bürgerlich-eheliche Zweisamkeit galt als der Tod der Liebe.

Abgesehen von diesem Aspekt hatte die Abkehr von der Ehe auch damit zu tun, dass Frauen zu der Zeit noch wenig Rechte hatten, was ihre Selbstbestimmung in der Ehe anging. Zum Beispiel gab es so etwas wie eheliche Pflichten, also dass eine Frau ihrem Mann zu Willen sein musste, wenn er Lust auf Sex hatte. Das kam oft dem juristischen Sachverhalt einer Vergewaltigung gleich. Vor allem wir Frauen können heilfroh sein, dass durch das Aufblühen von Feminismus und Emanzipation einiges in Bewegung geraten ist, so dass heute Frau und Mann auf Augenhöhe sind (einigermaßen jedenfalls, es gibt noch immer viele Baustellen, aber das ist ein anderes Thema) und zumindest die Chance haben, eine in jeder Hinsicht gleichberechtigte Beziehung einzugehen. Wo wir bei Gleichstellung sind: Es war höchste Zeit, dass auch homosexuelle Ehen auf dem gleichen Level behandelt werden wie heterosexuelle. Das gehört zur Emanzipation der Ehe wesentlich dazu!

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