Soll ich oder soll ich nicht?

Anziehen oder ausziehen? Schwindeln oder die Wahrheit sagen? Manche Beziehungssituationen erfordern nicht nur schnelles Handeln, sondern stellen uns auch auf die Gewissens-Probe. Ein Wegweiser, wie viel Wagemut gerade noch in Ordnung geht

Wir wollen immer alles richtig machen. Die perfekte Beziehung führen. Über alles reden. Sauber bleiben. Gleichzeitig sehnen wir uns nach dem wohligen Kitzel, etwas Verbotenes oder Mutiges zu tun. Etwas, das eben nicht brav, ehrlich und schon gar nicht sauber ist. Schon stecken wir drin im Dilemma: Will ich ein anständiger Mensch bleiben? Verpasse ich dabei aber möglicherweise was? Eine kleine Hilfestellung für knifflige Gewissensfragen – mit Tipps vom Beziehungsexperten Eric Hegmann.

Soll ich… den besten Freund verführen?

Warum nicht?!

Es kommt vor, dass der gute Freund, den man jahrelang als harmlos eingestuft hatte, plötzlich im neuen Licht erscheint. Vielleicht hat er sich endlich von seiner Freundin getrennt oder war ein Jahr als Baumfäller in Kanada, egal. Jedenfalls steht dieser Typ in der Küche und wirkt auf einmal unerhört attraktiv. Man müsste nur zugreifen. Da flüstert eine Stimme im Kopf: „Geht nicht! Ihr seid doch Freunde.“ Ohren zuhalten! Denn das da, verführerisch nah, ist ein Geschenk mit rosa Schleife. Freundschaft ist kein Hindernis, sondern ein Bonus. Die Umstände verschieben sich nur sachte: Aus Sympathie und Nähe kann Anziehung, Leidenschaft, vielleicht sogar Liebe werden, jawohl.

Eric Hegmann: Perfekt. Der beste Freund/die beste Freundin wird vermutlich auf Ihrer Wellenlänge liegen. Und manchmal ist der einzige Weg aus der Kumpelfalle die „friends with benefits“-Strategie.

Soll ich… beim ersten Date Vollgas geben?

Ja unbedingt!

Geplant war das nicht, ehrlich nicht. Sie wollte nur mit ihren Freundinnen ausgehen, einen Drink nehmen, Spaß haben. Bis sie IHM auf dem Weg zur Toilette in die Augen sah. Ihre Blicke verhakten sich, alles ging auf einmal ganz leicht. Nahezu schwebend. Ganz selbstverständlich war sie mit ihm nach Hause gefahren. Beim ersten Date! Genau genommen sogar vor dem ersten Date. Aber warum warten? Mit 18 wollte sie mysteriös wirken, sagte sowas wie: „Ich will dich wiedersehen. Daher schlafe ich noch nicht mit dir.“ Heute mit 30: keine Spiele mehr. Sie weiß genau, ob sie mit einem Mann ins Bett will und zwar ab der ersten Minute. Falls es schlecht gelaufen wäre, hätte sie immerhin eine kurze Geschichte zum Weitererzählen. Nun fängt ihre Geschichte erst an. Sie könnte länger dauern.

Eric Hegmann: Sie sind beide erwachsen, die Gelegenheit ist günstig und schon Nina Hagen sang: „Wenn Du scharf bist, musst Du rangehen.“ Allerdings wird in Umfragen der Sex beim ersten Date meist als Signal für einen One Night Stand und nicht als Beziehungsstart gedeutet.

Soll ich… von den Bett-Künsten der Ex-Freunde erzählen?

Aber gerne doch!

„Mit Mario habe ich es nie bis ins Schlafzimmer geschafft. Einmal ist es sogar hinter der Theke im Club passiert…“ Wer solche Sätze beiläufig fallen lässt, kann sich der vollen Aufmerksamkeit sicher sein. Das Erzählen erotischer Knüller ist eine unkomplizierte Methode, um das aktuelle Liebesleben anzufeuern. Und keine Angst vor der Reaktion des Partners: Selbstbewusste Personen sehen das als Ansporn. Besonders Männer lieben Konkurrenz, selbst wenn sie nur eingebildet ist. Selbst wenn Super-Mario längst Bauch trägt und im Reihenhaus wohnt. Natürlich erzählt man als anständiger Mensch nur die Highlights und vermeidet Lästereien – gut fürs Karma!

Eric Hegmann: Nicht durch Theorie, sondern durch praktische Erfahrung lernen wir. Berichten Sie und erhöhen Sie Ihren Marktwert durch Ihre Erfahrung.

Soll ich… einen Seitensprung beichten?

Bloß nicht!

„Wir haben keine Geheimnisse voreinander“ ist so ein typischer Satz glücklicher Paare. Aber: Will man wirklich alles wissen? Und falls ja: kann man diese Offenheit aushalten? Denn sie setzt Denkprozesse in Gang. Es werden Fragen gestellt, die beiden weh tun: „Wie war er so? Besser als ich?“ Der elegantere Weg: Den anderen nicht quälen, das süße Geheimnis im Kopf unter „erledigt“ ablegen, fertig. Bitte nicht: Gestehen und paradoxerweise noch Mitleid erwarten. Sonderfall: Der Seitensprung entwickelt sich in eine Affäre. Dann soll Reden tatsächlich sinnvoll sein.

Eric Hegmann: Wenn Sie sicher gehen wollen, dass Ihr schlechtes Gewissen umgehend das Problem Ihres Partners wird, beichten Sie bereits während der Taxifahrt nach Hause. Oder Sie machen es mit sich selbst aus und zeigen Ihrem Partner, was Sie Neues gelernt haben.

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