Das Geheimnis der Liebe ist … seid freundlich zueinander!

Er kam zu einem eindeutigen Ergebnis, wie er in einem Interview mit „The Atlantic“ beschreibt. Die „Meister“ der Beziehung suchen im Alltag und im Zusammenleben mit dem Partner und auch im sozialen Umfeld immerwährend nach Dingen, die sie am anderen schätzen oder für die sie dankbar sein können. Sie sind freundlich und zugewandt und fokussieren sich nicht auf die Fehler, sondern auf die positiven Dinge in der Partnerschaft. Gottman fand diese Entdeckung so bahnbrechend, dass er sogar Prognosen für die Beziehung anhand des Verhaltens der Partner abzulesen wagte. Der Großteil des Erfolges einer Partnerschaft hängt ihm zufolge davon ab, welche Grundeinstellung beide Partner in die Beziehung einbringen. Werden sie von Freundlichkeit und Großzügigkeit angetrieben oder von Verachtung, Kritik oder Feindseligkeit? Das ist die eigentliche Gretchenfrage.

Es geht dabei nicht primär um offen ausgelebte Feinseligkeit oder Aggression (es ist natürlich klar, dass so etwas Beziehungen zerstört) oder deren Abwesenheit, sondern um die grundsätzliche Haltung zueinander, um etwas, was sich viel öfter im Verborgenen zeigt. Die wirklich gute Nachricht ist jedoch,  dass man dies üben und lernen kann.

Ignoranz und Verachtung: Der Todesstoß für jede Beziehung

Schauen wir uns ein Beispiel an. Sie und er kommen beide nach einem langen Tag von der Arbeit nach Hause. Sie erzählt ihm, was sie im Büro erledigt hat und dass sie ein gutes, aber auch sehr aufwühlendes Gespräch mit einer Kollegin hatte. Während sie erzählt, räumt er weiter seine Arbeitstasche aus, öffnet sein Notebook und schaltet es ein, er schaut nur einmal kurz von seiner Tätigkeit auf, um auf die Uhr zu schauen und brummelt ein „hm, ach, na sowas“. Nun kann es natürlich sein, dass er in genau diesem Augenblick einfach nur in Ruhe ankommen und etwas abschalten wollte und kein Bedarf nach Informationen oder Gesprächen hatte. Das kann mal vorkommen, sollte aber keine Gewohnheit sein. Denn was in solchen alltäglichen Interaktionen passiert, hat gravierende Auswirkungen auf das Wohlergehen der Ehe. Indem er seine Tätigkeit nicht unterbricht, seiner Partnerin nicht oder nur minimal antwortet, vermittelt er ihr, dass er kein Interesse an ihrer Person und ihren Erlebnissen hat. In dieser Interaktion können keine Nähe und Verbundenheit entstehen. Das Ignorieren der Belange des Partners ist deshalb so schädlich, weil es dem Gegenüber das Gefühl gibt, er wäre unsichtbar, nicht geschätzt und wertlos. Noch schlimmer kann es werden, wenn er sich bewusst und augenrollend von ihr abwendet. Diese Verachtung gibt jeder Beziehung den Todesstoß.

Der Klebstoff für deine Beziehung

Dagegen ist die freundliche Zugewandtheit der Klebstoff der Beziehung. Und man kann sie sogar trainieren. Zuerst solltest du damit beginnen, es dir einfach zur Aufgabe zu machen, alles was der Partner dir entgegenbringt oder auch sonst so tut, wohlwollend zu interpretieren. Was ist damit gemeint? Du hast immer mehrere Möglichkeiten, deine Umwelt zu interpretieren. Entweder du unterstellst erst einmal grundsätzlich jedem eine gute Absicht, zumindest aber keine böse. Oder aber du bist zunächst eher skeptisch und abwartend und interpretierst das Verhalten deines Gegenübers negativ und gegen dich gerichtet. Letzteres schadet nicht nur der Beziehung, sondern macht dich auch unglücklich. Besser und viel leichter leben lässt es sich, wenn du deinem Partner nicht unterstellst, er hätte absichtlich und nur um dich zu verärgern vergessen, das Paket von der Post zu holen oder dich anzurufen, um dir zu sagen, dass es später wird am Abend. Lieber sollten zunächst positive Absichten des Partners in Betracht gezogen werden. Es könnte sein, dass er einfach gedankenverloren war und noch an die eine Sache bei der Arbeit denkend an der Post vorbeigefahren ist und das Paket ihm erst wieder einfiel, als er den Schlüssel in die Haustür steckte. Es könnte sein, dass er dich anrufen wollte, um dich über seine Verspätung zu informieren, aber im gleichen Moment ein Anruf von seinem Chef kam und er danach sofort in ein Meeting musste. Es sind alles mögliche Interpretationen des gleichen Verhaltens.


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